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Kalkar: Die Auktions-Fahrräder von Kalkar

Kalkar : Die Auktions-Fahrräder von Kalkar

Begehrt, begutachtet, überboten: Seit 14 Jahren wechseln beim ersten verkaufsoffenen Sonntag des Jahres auf dem Marktplatz in Kalkar Räder aller Art ihren Besitzer. Schnäppchenjäger machen auch nicht vor grauem Wetter Halt.

Samstagmittag, 12 Uhr. 7 Grad auf dem Thermometer, der Himmel präsentiert sich mausgrau, aschgrau, niederrheingrau. Bestes Schnäppchenwetter - zumindest in Kalkar: Hier hat beim ersten verkaufsoffenen Sonntag des Jahres wieder das traditionelle Fahrrad-Feilschen stattgefunden. Dutzende Räder kamen unter den Hammer, Harald Münzner vom Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit heizte das Publikum standesgemäß an. "Irgendwie bin ich da reingerutscht", sagt er. "So ist das eben." Aber schließlich sei die Auktion ja für den guten Zweck: Zehn Prozent der Erlöse kommen den Pfadfindern Kalkar zu Gute, die beim verkaufsoffenen Sonntag wieder kräftig mit angepackt haben. "Da bin ich dann schmerzfrei", sagt er. Und dann kann er die Preise auch schon mal nach oben treiben.

Münzner steht auf der kleinen Bühne vor dem Rathaus (in dem der Immobilientag die Besucher anlockte), vor ihm haben sich etwa 50 Schnäppchenjäger versammelt. "Hier haben wir eine Gazelle, wenig gelaufen", ruft er. Startpreis: 80 Euro. Der kann aber nicht lange gehalten werden. Schnell bieten drei bis vier Männer um das Stück. Am Ende setzt sich ein Familienvater durch, 112 Euro legt er auf den Tisch. "Dankeschön", ruft dieser die Bühne hinauf. "Sie haben es verstanden", ruft Münzner zurück. Macht noch eine kleine Pause, ehe er anfügt: "Zumindest manche von Ihnen." Lacher im Publikum, vielleicht geht in der nächsten Runde eine Hand mehr nach oben. "Bei manchen Rädern weiß man schon vorher, dass sie gut laufen werden", sagt Münzner. "Ein 28er Hollandrad geht immer." Aber auch Exoten schaffen es in den abgesperrten Bereich, in dem die rund 100 zu versteigernden Exemplare aufgereiht sind. So ist in diesem Jahr auch ein Tandem dabei.

Seit 14 Jahren findet der Fahrradmarkt in Kalkar statt. "Die Menschen wollen nach dem Winter wieder raus, sich bewegen. Sie alle freuen sich auf die neue Fahrradsaison", sagt der Auktionator. Ähnlich dürfte es den einschlägigen Anbietern gehen, die sich im Rund auf dem Markt positioniert haben.

Nur für einen schien der Tag anders zu verlaufen, als geplant: Als der Mann am Imbissstand gemütlich in seine Bratwurst biss und ihm seine Frau freudestrahlend entgegenlief, hätte er vielleicht schon ahnen können, dass etwas nicht stimmt. "Ich habe mir ein neues Rad gekauft, dass darfst du gleich nach Hause fahren. Ich nehme das Auto", ruft sie. Sein Gesichtsausdruck verrät: Das war anders abgesprochen. "Naja", meint er noch resignierend. "Wenigstens muss ich nur bis nach Wissel."

Aber nicht nur der Fahrradmarkt hat die Besucher am Sonntag nach Kalkar gelockt. Spätestens als die Geschäftsleute im Zentrum und den Stadtteilen ihre Läden öffneten, füllte sich die Stadt merklich. Dafür griffen die Geschäftsleute auch auf unkonventionelle Methoden zurück und ließen die Schaufenster zum Leben erwachen. Da bestehen Schaufensterpuppen plötzlich aus Fleisch und Blut - und werden passend geschminkt. Ein echter Hingucker.

Das nächste Stadtfest in der Nicolaistadt gilt übrigens als das beliebteste seiner Art: "Kalkar in Blüte" lockt am 1. Mai ins Zentrum, dann mit einer reichen Auswahl an Blumen und Kräutern - aber ohne verkaufsoffenen Sonntag.

(RP)