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Die angehende Firmlinge der Pfarrgemeinde St.-Mariä-Himmelfahrt pflegten Gräber von Kindern.

Kleve : Firmlinge übernehmen Gräberpflege

Firmvorbereitung: Jugendliche trafen sich mit Diakon Michael Rübo zur Wiederaufbereitung verwilderter Gräber auf dem Friedhof an der Merowingerstraße in Kleve.

Michael Rübo ist Diakon der Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt und betreut in diesem Jahr wieder die angehenden Firmlinge. 24 Jugendlichen wird am 12. November das Sakrament der Firmung zuteil. Einige von ihnen führte Rübo nun, bewaffnet mit Harke, Schuffel und Besen sowie einer Schubkarre voller Blumen, über den Klever Friedhof. Im Rahmen des Sozialtags widmen sich die Heranwachsenden sozialen Projekten, Einrichtungen und Aktionen. Während einige als helfende Hand an der Klosterpforte oder bei der Klever Tafel tätig waren, unterstützen andere Rübo bei der Pflege verwilderter Gräber. Eine kleine Führung über den Friedhof gab es gratis dazu.

Dabei erfuhren die Jugendlichen viel Wissenswertes. Unter anderem, dass der Zeitraum zwischen Bestattung eines verstorbenen Menschen und der Neuvergebung der Grabstätte als Ruhezeit bezeichnet wird. In dieser Zeit gilt die Totenruhe. Die Länge dieser Spanne ist in Deutschland nicht überall einheitlich geregelt und unterscheidet sich auch je nach Art des Begräbnisses. Auf dem Klever Stadtfriedhof vergehen 25 Jahre, bis ein Grab wieder belegt wird. Sterben Kinder, die das fünfte Lebensjahr noch nicht erreicht haben, gilt eine Ruhezeit von 12 Jahren. Während die meisten Gräber von Hinterbliebenen liebevoll gehegt und gepflegt werden, verwahrlosen andere.

Vor allem bei Kindergräbern sei dieses Phänomen regelmäßig zu beobachten, erzählte Michael Rübo. Für viele Menschen, deren Traum vom Elternwerden früh zerbricht oder nur für wenige Jahre in Erfüllung geht, herrsche anschließend eine starke Hemmschwelle, die Friedhofsmauern zu passieren. „Bei manchen ist die Trauer einfach zu groß. Teilweise ziehen Eltern aber auch weg, orientieren sich neu“, so

Auf dem Weg von Weltkriegsdenkmal, vorbei am Priesterrondell bis hin zu den Baumgrabstätten lernten die Jugendlichen allerlei über die Historie des Klever Friedhofs und die Menschen, denen er als letzte Ruhestätte dient. „Er ist schließlich ein Stück Klever Geschichte“, sagt Michael Rübo. Er weiß, wovon er spricht. Die Friedhofsbegehung mit anschließender Gräberpflege war in den vergangenen Jahren wiederkehrender Bestandteil der Firmvorbereitung. Bisher sei sie, so Rübo, immer sehr positiv aufgenommen worden. „Die Firmlinge setzen sich sonst nur bei einem Sterbefall innerhalb der Familie mit dem Tod auseinander. Durch die Verschönerung der Gräber können wir außerdem einen Teil unseres Schaffens sichtbar machen.“

Auch in diesem Jahr ist das Feedback positiv. Der 15-jährige Elias erklärte beispielsweise: „Ich finde die Aktion sehr gut. So werden diese Gräber wenigstens nicht komplett vernachlässigt.“ Laura, ebenfalls 15 Jahre alt, erzählt, dass sie am Anfang noch mit sich ringen musste, überhaupt an Firmung und der dazugehörigen Vorbereitung teilzunehmen. Dem Sozialtag auf dem Friedhof kann sie etwas Positives abgewinnen. „Sonst kümmert sich ja niemand um die Gräber. Es ist schön einen Teil dazu beizutragen, dass es nicht mehr so schlecht aussieht.“