Kleve: Die älteste Brücke am Rhein

Kleve: Die älteste Brücke am Rhein

Die Eisenbahnbrücke in Griethausen, die durch die Studie über Betuwe-Linie auf der linken Rheinseite in den Blickpunkt geriet, ist eine alternde Berühmtheit. Industriedenkmal war Revolution. Parallelen zur Geschichte.

Sie fristet seit über zwei Jahrzehnten ein fast vergessenes Dasein. Nun ist die Griethauser Eisenbahnbrücke zum "Star" im Sommerloch aufgestiegen, als eine Studie jüngst vorschlug, die Güterverkehrsstrecke Betuwe-Linie auf die linke Rheinseite zu verlegen und über das Altrhein-Bauwerk im Klever Ortsteil zu führen. Diese Aufmerksamkeit hat die alternde Berühmtheit verdient. Die Überführung sei die älteste noch erhaltene Brücke der Bahn im deutschen Rheinabschnitt, zitiert Alfons A. Tönnissen aus dem Buch des Eisenbahn-Experten Dr. Dr. Hermann Kunze "Die Eisenbahnbrücke über den Altrhein in der Eisenbahnstrecke Kleve-Welle". Die Diskussion um eine Alternative zur Betuwe-Route hat den Rinderner bewogen, sich in seinem umfangreichen Archiv auf die Spuren der Geschichte dieses "Sommer-Stars" zu begeben.

Das Bauwerk in Griethausen sei von der Rheinischen Eisenbahn-Gesellschaft errichtet worden, um mit der "Linksrheinischen Strecke" von Köln über Neuss, Krefeld und Kleve eine Verbindung zu den niederländischen Nordseehäfen zu knüpfen, berichtet Tönnissen. Übrigens, es gibt Parallelen zur Gegenwart: Die aktuelle Studie, die vom Bundesumweltamt in Auftrag gegeben wurde, regt an, die Betuwe-Linie von Elten abzuzweigen und über die Altrhein-Brücke zu führen. Von dort solle die Trasse dann über Goch nach Krefeld führen.

  • Kleve : Betuwe: Das sagt der Autor
  • Kleve : Betuwe: "Stümper am Werk"
  • Kleve : Betuwe mitten durch Kleve

41120 Pfund Schmiedeeisen, 416 Pfund Guss-Eisen und 111 Pfund Blei seien für das 485 Meter lange Konstrukt vom Hersteller Gutehoffnungshütte in Oberhausen-Sterkrade verwandt worden, so der Rinderner. 36 774 Taler habe dafür die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft als Auftraggeber bezahlt.

"Nach zwei Jahren Bauzeit ist die polizeiliche Abnahme am 24. März 1865 erfolgt. Der Verkehr rollte dann ab 1. Mai", erklärt der Rinderner, dessen Steckenpferd die Heimatgeschichte ist. Der Zug sei 1865 von Cleve nach Zevenaar gerollt. Diese Fahrt habe 45 Minuten gedauert, einschließlich der Trajektübersetzung über den Rhein. Heute sei die Berühmtheit von damals ein vergessenes Denkmal aus der Zeit der industriellen Revolution. Dabei sei im 19. Jahrhundert das Gittersystem der Brücke selbst eine Revolution gewesen, weil durch eine andere Konstruktion weniger Material benötigt worden sei und Kosten um zehn Prozent gesenkt worden seien. " Wegen der hervorragenden Stahlqualität rostet die Brücke in 100 Jahren nur einen Millimeter", sagt Tönnissen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE