Kleve: Der Vorarbeiter

Kleve: Der Vorarbeiter

Dem Heimatkundler Jakob Imig verdankt die Landesgeschichte wesentliche Erkenntnisse. 1977 erhielt der Louisendorfer für seine Verdienste den Rheinlandtaler.

bedburg-hau-louisendorf „Herr Jakob Imig gibt mit seiner langjährigen erfolgreichen Arbeit auf heimatkundlichem Gebiet ein Beispiel dafür, welche unschätzbaren Anregungen ein Bürger den Wissenschaftlern geben kann, gerade heute im Zeitalter der Spezialisierung aller wissenschaftlichen Sparten“, sagte der Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, Düsseldorfs Bürgermeister Josef Kürten, bei der Verleihung des Rheinlandtalers am 3. Juni 1977 an den damals 72-jährigen Landwirt Jakob Imig aus Louisendorf. „Die Landesgeschichte verdankt Ihnen ganz wesentliche Erkenntnisse“, so Kürten weiter.

Geschichte der Pfälzer

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Als 15-jähriger Bauernsohn entdeckte Jakob Imig sein Interesse an der Familienkunde. Er hatte gerade die zweiklassige Volksschule in seinem Heimatort Louisendorf besucht – heute würde man sagen, es war eine Zwergschule – da begann er, sich mit der Geschichte der Pfälzer Emigranten am Niederrhein zu beschäftigen. Obwohl er nie eine wissenschaftliche Ausbildung erhalten hatte, eignete er sich in unermüdlichem Selbststudium die Fähigkeit an, Quellen zu sammeln und kritische Forschungsarbeit zu leisten. Aus dem familienkundlichen Ansatz erwuchs das erste Dorfsippenbuch der Rheinprovinz; es erschien 1936. Als bahnbrechend bezeichneten die Historiker seinen Einsatz für die Katalogisierung der Kirchenbücher der Pfälzer Siedlungen im Raum Kleve, die er mit der Durchordnung der Archive von Pfalzdorf, Uedem und Moyland vollendete. Auf diese Vorarbeit gründen sich viele Publikationen über die Entwicklung pfälzischer Auswanderersiedlungen – sogar in Amerika. Die Liste der Veröffentlichungen ist lang: Untersuchungen der Siedlungsgeschichte niederrheinischer Dörfer, wirtschafts- und kirchengeschichtliche Darstellungen, Schriften zur Brauchtumskunde und zur Namenforschung. Aber Imig förderte das Traditionsbewusstsein in seiner Heimat nicht nur durch seine Arbeit als Forscher und Publizist. Er leistete überdies einen wichtigen Beitrag zum praktischen Kulturleben, als er 1955 den Pfälzerbund gründete. Seit 1968 gab er die Zeitschrift „Pfälzer am Niederrhein“ heraus. Am 27. Oktober 1994 verstarb Jakob Imig im Alter von 89 Jahren. Ein verdienstvoller und bescheidener Mensch wurde unter großer Beteiligung in Louisendorf zu Grabe getragen.

(RP)
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