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Der Tiergarten Kleve hofft auf Nachwuchs bei den Lisztaffen​

Kleves Exoten : Der Tiergarten hofft auf Nachwuchs bei den Lisztaffen

Die intelligenten Primaten sind vom Aussterben bedroht, Sie verdanken ihren Namen einem Komponisten. Im Klever Tiergarten hofft man nun, dass sich die beiden Lisztaffen paaren. Wir verlosen Karten für den Familienzoo.

 Lisztaffen sind in der freien Wildbahn Allesfresser. Vogeleier, kleine Küken, Insekten, Obst oder Gemüse – auf den ersten Blick scheinen die kleinen Primaten, die ihren Ursprung im Nordwesten von Kolumbien haben, nicht allzu wählerisch zu sein. Doch an die Qualität haben sie hohe Ansprüche, so auch im Zoo. „Dadurch, dass sich unser Tierbestand wandelt, wird nicht nur die Pflege der Tiere, sondern auch die Ernährung immer anspruchsvoller und kostenintensiver. Dafür sind die Lisztaffen ein gutes Beispiel“, sagt Martin Polotzek, seit anderthalb Jahren Leiter des Tiergartens in Kleve.

Die Lisztaffen sind in der Wildnis ausgestorben, insofern kommt den Zoos eine wichtige Rolle beim Erhalt der Tierart zu. Zwei Affen gibt es im Tiergarten. „Einer der beiden Lisztaffen stammt aus einer Beschlagnahmung des Veterinäramtes. Jemand hatte privat einen Lisztaffen gehalten, ohne die nötigen Papiere zu haben. So kam er zu uns. Ein weiteres Exemplar kam aus einem anderen deutschen Zoo“, sagt Polotzek. Nun malt man sich aus, dass sich die beiden paaren. „Wir hoffen, dass bald Nachwuchs kommt. Die Tiere haben sich nun ein Dreivierteljahr bei uns eingelebt. Es wäre uns eine Ehre, wenn wir mit der Erstnachzucht zur Arterhaltung beitragen könnten“, so Martin Polotzek.

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Die Lisztaffen verdanken ihren Namen dem österreich-ungarischen Komponisten Franz Liszt, der – genauso wie die Tiere – mit seinen langen, weißen Haaren auffiel. Ob sich der Pianist über die Namensgebung freuen würde? „Ich wäre jedenfalls stolz, wenn man ein Tier nach mir benennen würde“, sagt Polotzek. Die Lisztaffen seien sehr intelligente und soziale Tiere, die ihre Umgebung sehr genau im Blick behalten. Sie leben in Familienverbänden, die aus einem dominanten und monogamen Paar und deren Nachkommen bestehen. „Das heißt auch, dass wir nun nicht beliebig viele andere erwachsene Lisztaffen hinzu vergesellschaften könnten. Das würde in Mord und Totschlag enden“, so Polotzek.

Die Reviere der Affen sind in der Regel bis zu zehn Hektar groß, diese werden mit Drüsensekreten markiert. Um Feinde fernzuhalten, stellen Lisztaffen ihren Anal- und Genitalbereich zur Schau. Die Rangordnung der Tiere wird derweil durch das sogenannte Triezen bestimmt. Der Herausforderer schaut einen Rivalen an und gibt melodische Laute von sich. Wenn der Konkurrent sich darauf einlässt, entsteht ein Ruf-Duett. Die Tiere kommen sich näher, bis sie mit ihren offenen Mündern Körperkontakt herstellen. Diese Position wird so lange gehalten, bis eines der Lisztaffen die stressige Situation nicht mehr ertragen kann und sich entfernt.

Sollten die Tiere in Kleve bald Nachwuchs zur Welt bringen, kommt der Mutter übrigens bloß die Aufgabe des Säugens zu. In der Folge trägt der Vater die Jungtiere auf dem Rücken. „Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass die Mutter so deutlich schneller wieder trächtig werden kann, weil sie nicht allzu viel Energie in die Jungtiere investieren muss. Und das erhöht in der Wildnis wiederum die Überlebenschance“, sagt der Tiergarten-Chef. Die Lieblingsspeise der Lisztaffen sind übrigens die Säfte von Bäumen. „Mit ihren scharfen Zähnen nagen sie normalerweise Löcher in Bäume, um an die Säfte zu kommen. Bei uns bekommen sie diese nachmittags von den Pflegern serviert“, sagt Polotzek.