Kalkar: Der See als Energiequelle

Kalkar : Der See als Energiequelle

Forschungsstation auf Kiessee in Hönnepel soll sich selbst versorgen und noch Energie ins Stromnetz abgeben. Bundesweites Pilotprojekt mit Nutzung der Sonne und des Wassers soll richtungsweisend für Hausbau sein.

Eine schwimmende Forschungsstation soll in Hönnepel auf dem Kiesbaggersee Birgelfeld als ein bundesweites Pilotprojekt mit wissenschaftlicher Begleitung des Fraunhofer Institutes für Solare Energiesysteme entstehen, um Wasser und Sonne künftig als Energielieferant für Wohnungen zu nutzen. Der Kalkarer Planungsausschuss begrüßte die Idee. Der Kreis wolle die Station nach Einreichung des Bauantrages genehmigen, erklärte Kalkars Stadtoberbaurat Frank Sundermann. Investor ist das Kieswerk Maas-Roeloffs. In Hönnepel werde Erfahrung mit einer Technologie gesammelt, die noch nicht auf dem Markt sei oder vor der Marktreife stehe, erläuterte der Architekt Friedhelm Hülsmann vom Klever Büro Hülsmann&Thieme.

Im Birgelfeld solle ein Gebäude errichtet werden, das den eigenen Energiebedarf zumindest selbst decke und sogar noch Energie ins öffentliche Stromnetz abgeben solle, erläuterte Dr. Christel Russ. Die Expertin des Fraunhofer Institutes für Solare Energiesystems sagte, dass das Seewasser die Versorgungsquellequelle für die Wärmepumpen sein wird. Ferner solle durch ein neues System die Kraft der Sonne besser ausgeschöpft werden, um durch effizientere Solarzellen kleinere Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern zu installieren, so die Wissenschaftlerin. Auch die Lichtreflexion des Seewassers werde durch eine Fassade in Energie umgewandelt. Es werde zwei bis drei Jahre dauern, um verwertbare Ergebnisse zu bekommen. "Die sollen beim Bau künftiger Wohngebäude genutzt werden", sagte Russ über den Kalkarer Baustein für ein neues Energie-Zeitalter. Die Forschungsstation solle Experten aus ganz Deutschland nach Kalkar holen, berichtete Hülsmann. Führungen könnten auch für andere interessierte Gruppen stattfinden. Das schwimmende Haus werde auf Pontons gebaut und sei über einen Steg zu erreichen. Das Info-Zentrum werde 15 Meter mal 7,50 Meter groß sein.

Hausbau nach der Kiesgewinnung

Mit diesem Vorhaben erfülle Maas-Roeloffs einen Vertrag mit der Stadt Kalkar, so Bürgermeister Gerhard Fonck. Bedingung des Kontraktes sei, dass nach der Abgrabung eine Nachfolge-Nutzung gewährleistet sei, die einen "gesellschaftlichen Mehrwert" habe.

Nach einer weiteren Abgrabung, die von der Bezirksregierung noch genehmigt werden muss, will das Kieswerk in den nächsten Jahren bis zu 40 Ein- und Zweifamilienhäuser in Ufernähe errichten. Acht Gebäude könnten auf der neuen Wasserfläche entstehen, erklärte der Architekt. Dabei soll die in Hönnepel erforschte Energie-Nutzung zur Versorgung der Häuser eingesetzt werden. Das Versorgungssystem sei nicht nur für Wohnungen auf dem See, sondern auch für Häuser in Ufernähe geeignet. Diese Gebäude-Typen, so Hülsmann, seien 15 bis 18 Prozent teurer als konventionelle Bauten. Die Investition rechne sich aber nach 12 bis 16 Jahren durch niedrigere Energie-Kosten.

(RP)
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