Kleve: Der Rausch und die Leidenschaft der Liebe

Kleve: Der Rausch und die Leidenschaft der Liebe

Dorothee Mields und die Lautten Compagney Berlin unter Wolfgang Katschner beim 6. Reihenkonzert in Kleve

Wenn der Rausch und die Leidenschaft der Liebe zum Wahn werden, ist "Love's Madness" ein schmaler Grat zwischen Lachen und Weinen. Diesen Grat haben Sopranistin Dorothee Mields und die Lautten Compagney Berlin unter der Leitung von Wolfgang Katschner beim 6. Reihenkonzert in Kleve ausgelotet. Die Entwicklung der "Mad Songs", der Lieder rund um den Liebeswahn, begann in den Bühnenmusiken des Komponisten Henry Purcell, der an dem Abend reichlich im Programm vertreten war. Den über 25 dargebotenen Werken diente die Ballade "Bedlam Boys" als Einleitung und Abschluss, wobei Bedlam als Bezug zum Bethlehem Royal Hospital, dem Londoner Irrenhaus des 17. Jahrhunderts, stand. Eindrücklich wurden zwischen Vokal- und Instrumentalstücken die Stimmungswechsel zwischen den Abgründen menschlicher Empfindungen, Verzweiflung und Starrsinn bis hin zum Frohsinn vollzogen - jede Interpretation für sich und das Programm als Ganzes absolut abwechslungsreich und kurzweilig. Den "Wahnsinn" erlebte man daher keinesfalls als übergriffig, sondern das Thema unterhielt die Zuhörer mit dem nötigen Abstand zur Verzweiflung der "Tollhaus-Insassen". "O Solitude" wurde zum ruhigen Pol in den Liebesgezeiten, während bunt-wilde Stücke wie "Jack thou'art a Toper" den Puls hochschnellen ließen. Den "Grim King of the Ghosts" von John Gay und Johann Christoph Pepusch ließ die Lautten Compagney mit Rasseln, Klappern und Luftsausen erklingen. Seine Rolle mit allen Percussion-Möglichkeiten erfüllte Peter Bauer am reichen Schlagwerk sehr lebendig in Rhythmus-und Geräusch-Spiel sowie mit Mimik und Gestik. Purcells Lehrer Matthew Locke erklang zum Beginn der zweiten Konzerthälfte mit "Curtain tune in the Tempest".

Dorothee Mields und die Lautten Compagney kosteten das in der Musik steckende, gegen den Strich Gebürstete lustvoll aus, ohne die Musik auf diesen Aspekt zu reduzieren. Der Abend gelang so in allen Facetten, auch in den lyrischen Phasen mit zart wirkender Musik, von Trauer bis Lust, keinesfalls als Panoptikum skurriler Überzeichnungen liebesgeschädigter Figuren. Klarer, schnörkelloser, schönster Klang von "innerlich" bis "extrovertiert", unterstrichen von der Natürlichkeit des Miteinanders der Ausführenden, die ganz in die Musik eintauchten.

  • Kleve : Dorothee Mields und die Lautten Compagney Berlin

Zum Höhepunkt wurde Purcells "Dido's Lament". Diese anrührende und dramatische Szene, in der Dido, Königin von Karthago, den Abschied von ihrem geliebten Helden Aeneas beklagt, setzte Mields rund um "darkness" und "death" mit sinnlicher Ausstrahlungskraft in musikalische Szene. Ein Stück, das ein Gefühl der Verzweiflung vermittelte, für die es mit der dargestellten Todesnähe eigentlich keine Worte gibt.

Jeder Musiker der Lautten Compagney mit "seinen" Instrumenten, von Blockflöte über Violine, Viola, Theorbe und Laute bis Cembalo sowie dem Schlagwerk in diversen, teil skurrilen Ausführungen (inklusive Maultrommel) trug mit maximaler Präsenz zum feinsinnig differenzierten Spiel bei. Minutenlanger Applaus des begeisterten Publikums.

(RP)