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Kleve: Der Oberfunker ist 80

Kleve : Der Oberfunker ist 80

Paul Dirmeier ist am 6. Januar 80 Jahre geworden. Der frühere Büttenredner und Mundartschriftsteller ist seit vielen Jahrzehnten Botschafter des Klever Plattdeutsch. Seine Auftritte bei den Schwanenfunkern waren Ereignisse.

Wer über Paul Dirmeier spricht, der muss immer auch "die Legende" hinzufügen oder "einer der ganz Großen in Kleve". Paul Dirmeier wehrt solche Zuschreibungen ab — wie es sich für einen Großen gehört. "Legende? Also ich weiß nicht... das ist übertrieben." Sicher ist: Paul Dirmeier hat das 80. Lebensjahr vollendet. Das feiert er heute mit seiner Familie, dazu gehören seine Frau, mit der er seit 55 Jahren verheiratet ist, eine Tochter, ein Sohn und drei Enkel.

80 Jahre Paul Dirmeier, das bedeutet: 20 Jahre Geschäftsleiter des Amtsgerichts Kleve, 30 Jahre Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft Schwanenfunker, 55 Jahre Büttenredner und vor allem: fast ein ganzes Leben für die Mundart, das Platt. Die Begeisterung dafür erfasste ihn in der Familie seiner Frau.

Dort wurde ständig Platt gesprochen. Da ließ es ihn nicht mehr los. "Es geht so viel verloren, wenn das Plattdeutsche nicht gepflegt wird", sagt er und erzählt, dass es in seiner Schule im Grunde vorgeschrieben war, Hochdeutsch zu sprechen.

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1952 stand er erstmals in der Bütt

Dirmeier schrieb viele Bücher übers Plattdeutsch, viele plattdeutsche Texte, doch nicht vorrangig durch die Bücher wurde er ein Botschafter der Mundart, sondern als Büttenredner im Klever Karneval. 55 Jahre lang trat er auf. Der Funker Hein Daarpt entdeckte ihn 1951, als er Schattenspiele vorführte, 1952 stand er zum ersten Mal in der Bütt. Mit einem Text des Klever Mundartpoeten Karl Groenewald.

Bereits im Jahr darauf trug er einen eigenen Text vor und beschrieb, wie er mit seiner Familie zum Wisseler See fuhr und sich mit Kartoffelsalat und Kindern über die anderen Gäste zum Strand durchkämpfte. Der Auftritt wurde zum Urerlebnis, das Alltägliche zu karikieren Dirmeiers Markenzeichen. "Einfach Witze erzählen war nicht meine Sache." Lieber erzählte er von Busfahrten, bei denen die Toilette ständig besetzt war, oder Weihnachtserlebnissen.

Die eine Hälfte davon Wahrheit, die andere Übertreibung. "Wichtig ist, dass die Leute nachvollziehen können, was ich sage, weil sie es selbst kennen." Wenn der 1,94 Meter große Dirmeier mit seiner roten Mütze auf der Bühne stand, lauschte auch die Prominenz. Besonders, wenn er im Zwiegespräch mit Helmut Schumacher die Lokalpolitik inspizierte. "Ich habe es aber nie böse gemeint", sagt er. 2006 stand Dirmeier zum letzten Mal in der Bütt.

Seine Frau Gerda, sagt er, sei seine größte Bewunderin und härteste Kritikerin. Kennengelernt hat er sie an einem Rosenmontag. Er war als Texaner verkleidet, sie als Zigeunerin. Auf dem Rückweg transportierte er sie auf seinem Fahrrad, ihr langer Rock geriet in die Speichen. Und das ist wirklich keine Legende.

(RP)