Niederlande Orientalis kämpft um seine Zukunft

Berg en Dal · Der Themenpark der Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam in Berg en Dal hat Potenzial. Doch weil zu wenige Besucher kommen, ist die finanzielle Lage angespannt. Nun aber liegt ein Zukunftsplan auf dem Tisch.

 Wer schon einmal dort war, dürfte die Faszination gespürt haben: Gebäude fast wie in den Kulturen, für die sie stehen, sind im Museumspark zu erfahren. Mehr Menschen müssen kommen, um die Einrichtung zu erhalten.

Wer schon einmal dort war, dürfte die Faszination gespürt haben: Gebäude fast wie in den Kulturen, für die sie stehen, sind im Museumspark zu erfahren. Mehr Menschen müssen kommen, um die Einrichtung zu erhalten.

Foto: Oversteegen

Im Orientalis-Museum werden die großen Fragen gestellt. Wie entstehen Religionen? Wer glaubt an welchen Gott – und warum? Und wie entwickelte sich die westliche Zivilisation? Der Themenpark der Weltreligionen in der Grenzgemeinde Berg en Dal versucht, Antworten zu finden – oder zumindest zur Reflektion anzuregen. Das 30 Hektar große Areal der Heilig Landstichting soll ein Ort der Begegnung für Religion und Philosophie sein. Doch die Zukunftssorgen sind seit Jahren groß. Finanziell befindet man sich in schwerem Fahrwasser, und die Besucherzahlen ließen zuletzt nach.

Jüngst musste die Gemeinde wieder 30.000 Euro hinzuschießen. Schließlich hatte man rund um den Jahreswechsel ein Lichterfestival geplant, doch coronabedingt wurde daraus nichts, die Absage riss ein finanzielles Loch. In den Vor-Pandemie-Jahren zog der Themenpark knapp 65.000 Besucher jährlich an, einst waren es 120.000. Das größte Problem aber sind die Unterhaltskosten. Der Park ist unübersichtlich groß und die Anzahl der Denkmäler beeindruckend. Doch die Pflege kostet Kapital. Wenig verwunderlich also, dass die öffentliche Hand in den vergangenen Jahren immer wieder einspringen musste.

Dabei ist das Potential an der Profetenlaan riesig. Was Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Priester Arnold Suys als Ort für katholische Bildung begann, hat sich längst zu einer pädagogischen Ausstellung der monotheistischen Kulturen entwickelt. Ein Teil des Orientalis-Museums ist überdacht, im Mittelpunkt aber steht der Spaziergang über das Gelände. Die Wanderroute führt ins jüdische Dorf Nazareth, in dem es eine Museumssynagoge, das Haus eines Rabbis oder die Hütte von Maria zu bestaunen gibt. Ein Teich erinnert wiederum an den See Genezareth. Im islamischen Parkteil findet man eine Karawanserei, eine Anlage für Dromedare und eine Sammlung omanischer Mode. Auf einer größeren Sandfläche befinden sich Beduinenzelte. Das Herzstück des Parks ist die römische Straße, die eine frühchristliche Kirche, einen ägyptischen Tempel und griechische Architektur bietet. Offenkundig ist, wie viel Liebe in den Ausstellungen steckt. Doch es fehlt bisweilen am Feinschliff.

Das Museum, das vor allem von vielen ehrenamtlichen Helfern getragen wird, spricht selbst davon, an einem Scheideweg zu stehen. Das Potential des Parks müsse endlich gehoben werden, damit die Zukunft gesichert ist. Dafür haben die Verantwortlichen einen Plan vorgelegt, der bis ins Jahr 2026 reicht. Das Ziel lautet: In einigen Jahren soll Orientalis ein fester Bestandteil der Welt der spirituellen und religiösen Erfahrungen und Entwicklungen in den Niederlanden sein. Dafür soll das Museum stärker zu einer Art Kulturzentrum entwickelt werden, das auch Künstlerbühnen, Workshop- und Trainingsräume oder Reflektionsorte vorhält. So soll es zu mehr menschlicher Begegnung kommen.

Zudem wolle man professioneller werden, insbesondere im Bereich des Marketings. Auf dem Gebiet war Orientalis zuletzt recht blass unterwegs. Auch die Zielgruppe wurde noch einmal konkreter gefasst: Das Museum will sich an Menschen wenden, die sich für naturbezogene, spirituelle oder kulturhistorische Themen interessieren. Und auch der Bildungsaspekt soll künftig nicht zu kurz kommen. Seit jeher ist man darum bemüht, möglichst viele Schulklassen und Studenten anzulocken.

Während man für das Jahr 2022 mit knapp 40.000 Gästen rechnet, sollen es 2026 bereits wieder 60.000 sein. Die müssten auch mindestens kommen, damit man auskömmlich und zukunftssicher wirtschaftet. Außerdem sollen mehr Gelder der öffentlichen Hand und Spendenmittel an Land gezogen werden, um qualifiziertes Personal beschäftigen zu können. Leerstehende Gebäude dürften zudem an externe Unternehmen vermietet werden. So entsteht etwa im früheren syrischen Bauernhof ein Zentrum für Indoor-Aktivitäten. Der frühere Gastronomie-Bereich beim Eingang wird zu einer Meditationsfläche.

Die Macher hinter dem Museum in Berg en Dal sind sich einig: Die kulturgeschichtliche Bedeutung der Heilig Landstichting geht weit über die Summe besonderer Bauten, Flächen und Initiativen hinaus. Man spricht gar von einem „Phänomen“, das die Vorstellungskraft anregt. Und der Park sei einzigartig auf der Welt. Nirgendwo sonst könnte man unter freiem Himmel durch die Geschichte der Religionen und der westlichen Zivilisation spazieren. Damit das so bleibt, gibt es aber reichlich zu tun.

Das Orientalis-Museum hat von Mo bis So zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet. Erwachsene elf, Kinder sieben Euro.

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