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Kleve: Der Löwe kam zur Firmung

Kleve : Der Löwe kam zur Firmung

Vor 70 Jahren kam Bischof Clemens August Graf von Galen – Oberhirte während der Nazizeit – zur Firmenspendung nach Kleve und in den Raum Kranenburg. Nur noch wenige Erinnerungen daran sind erhalten. Seine hühnenhafte Gestalt hat den Kindern damals aber imponiert.

Vor 70 Jahren kam Bischof Clemens August Graf von Galen — Oberhirte während der Nazizeit — zur Firmenspendung nach Kleve und in den Raum Kranenburg. Nur noch wenige Erinnerungen daran sind erhalten. Seine hühnenhafte Gestalt hat den Kindern damals aber imponiert.

Vor genau 70 Jahren, Ende April 1942, kam Diözesanbischof Clemens August Graf von Galen zur Firmspendung und Visitation nach Kleve und in den Raum Kranenburg. Die Besuchstermine sind in den Kirchenbüchern mit dem Tauf- oder Sterberegister festgehalten, die von ihm eingesehen und abgezeichnet wurden.

Im letzten Kriegsjahr sind hierzulande manche dieser Urkunden verloren gegangen. Nachweislich firmte von Galen am 23. April in der Klever Unterstadtkirche, am 27. in Kranenburg und Niel sowie zwei Tage später in Frasselt.

Wegen der damals oft übergroßen Firmlingsgruppen können sich heute nur noch wenige der von ihm Gefirmten an ihren Firmtag erinnern, wie eine Umfrage ergab. Herbert Senger in Willich hat nicht vergessen, wie ihn bei von Galens Einzug in die Christus-König-Kirche Kleve als Siebenjährigen die Hünengestalt imponierte. Damals gab es kein Schulfrei für die Firmspendung während der Woche.

So hielt auch in Frasselt der Bischof am Morgen eine stille Messe, bei der Gerhard Reintjes, Jahrzehnte hindurch als Meister bei der Firma Akkerman GmbH in Kranenburg tätig, und der später ebenfalls in Nütterden als Mechanikermeister ansässige Gerhard (1983) als Messdiener assistierten. Reintjes: "Der Küster sagte uns: 'Nun gebt dem Bischof mal schön die Hand!'." Es sei erlaubt gewesen, auch ganz persönliche Erinnerungen einfließen zu lassen. So mussten am Tag vor der Firmung die Koffer des Bischofs vom Pfarrhaus in Wyler nach Frasselt geholt werden. Damit wurde Johannes Ingenbleek (1988) mit seinem Ponygespann beauftragt. Er ließ sich von seinem ebenfalls 11-jährigen Vetter begleiten.

Das Bild hat man nicht vergessen: Der Bischof musste seinen Kopf in der Tür einziehen, um die Jungen zu begrüßen. Tags darauf gehörte man zu den Firmlingen, wobei ich schon den Gottesdienst an der Orgel begleitete. Die Klosterplünderungen, die Vertreibung von Patres und vor allem die Euthanasie durch die Nazis anprangernden Predigten im Sommer 1941 verschafften ihm bald den Namen "Der Löwe von Münster" und die Achtung im In- und Ausland.

Als bislang einziger Bischof von Münster erhielt er die Kardinalswürde. Mit ihm bekamen der Berliner Bischof von Preysing und der Kölner Erzbischof Josef Frings am 18. Februar 1946 im Petersdom das rote Birett. Dieser erinnert sich (im WDR): "Als die neuen Kardinäle sichtbar wurden, da fing alles an zu klatschen. Als aber der 'Löwe von Münster' kam, da erhob sich dieser Sturm zu einem wahren triumphalen Orkan!"

Neidlos wie verschmitzt gesteht er: "Ich kam nahe hinter ihm. Da hat kein Mensch geklatscht!" Selber denkt man gern an die im Petersdom am 9. Oktober 2005 miterlebte Seligsprechung des furchtlosen Bischofs zurück.

(l)