Bedburg-Hau: Der "Kies-Baron" will noch mehr Land

Bedburg-Hau : Der "Kies-Baron" will noch mehr Land

Das niederländische Unternehmen Teunesen kauft derzeit kräftig Land in Bedburg-Hau an.An der Gocher Landstraße (B 9) soll ein neues Abbragungsgebiet entstehen. Die Gemeinde sieht keine Möglichkeit, das Vorhaben zu verhindern.

Kies - er ist das "Gold des Niederrheins" und wird demnächst auch direkt vor der Haustür von Bedburg-Hau und Kleve abgegraben. Gebraucht wird der grobkörnige Sand dringend. Marode Straßen und Brücken - der Hunger nach dem Material ist enorm. Allein der Zeitpunkt, wann mit der Förderung in Bedburg-Hau begonnen wird, steht noch nicht fest. Bei der Abgrabungsfläche handelt es sich um ein Gebiet, das von der Gocher Landstraße (B 9), Querallee und Triftstraße umgeben ist. Die in dem Bereich durchgeführten Probebohrungen waren vielversprechend.

Jüngst hatte NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) bei seinem Besuch in Kleve den Kiesunternehmen Hoffnung gemacht und versprochen, dass man ohne Tabuzonen für den Kiesabbau auskommen wolle. Die zuletzt sehr restriktiven Auflagen für die Ausweisung weiterer Abbaugebiete sollen gelockert werden, um den Unternehmen eine Zukunftsperspektive zu geben, so der Sozialdemokrat.

An der Zukunftsperspektive seines Unternehmens arbeitet auch der Niederländer Joop Teunesen, der auch "Kies-Baron" genannt wird. Derzeit fördert das niederländische Unternehmen, bei dem 120 Mitarbeiter beschäftigt sind, an mehr als zehn Stellen diesseits und jenseits der Grenze Kies.

Die Firma Teunesen Sand und Kies ist gerade dabei, große Flächen an der Bundesstraße 9 anzukaufen. 24 Hektar wurden bereits erworben, was Jürgen Tarter, Projektmanager des Unternehmens, bestätigte. Der politische Wille sei nach aktuellem Stand offenbar da, verstärkt Vorranggebiete auszuweisen, bekräftigt er. Über den Zeitpunkt, wann die Ausweisung für die Fläche in Bedburg-Hau erfolgt und damit der Abgrabungsantrag gestellt werden kann, könne man derzeit nur spekulieren, so Tarter, der sagt: "Das kann schnell gehen, aber auch noch einige Jahre dauern. Das wird die Politik entscheiden."

Was hingegen feststeht, ist die Qualität des Gesteins, das an der B 9 abgegraben wird. Die ist nämlich ausgezeichnet: hochwertige Sande sind dort vorhanden, die etwa für die Herstellung von Beton benötigt werden. Das Gebiet ist ebenfalls dadurch gesichert, da hier keine Großbauvorhaben mit raumgreifender Wirkung umgesetzt werden dürfen. Trater rechnet damit, dass es fünf Jahren dauert, bis dort der erste Kies aus dem Boden geholt wird.

Wenig begeistert ist man bei der Gemeinde Bedburg-Hau von den Plänen. Karsten Menke, stellvertretender Bauamtsleiter, macht deutlich: "Wir sehen das sehr kritisch. Aber auf Dauer können wir das Projekt nicht verhindern." Menke ist der Meinung, dass man in nächsten zwei, drei Jahren noch Ruhe hat, bevor das Projekt gestartet wird.

Klaus Markgraf-Maué, Naturschutzreferent bei der Nabu-Station Niederrhein, sagt zu der Thematik: "Generell stehen wir dem Kiesabbau eher negativ gegenüber, denn diese Flächen sind irreversibel verloren. Die restriktiven Auflagen für die Ausweisung einer Fläche müssen eingehalten werden." Doch räumt der Naturschützer auch ein, dass es Kiesabbau in einem gewissen Ausmaß geben müsse. Über die Planungen in Bedburg-Hau wollte und konnte sich Markgraf-Maué nicht äußern, da man sich erst die Fläche genau ansehen müsse, um das Vorhaben bewerten zu können.

Was man mit einem übrigbeliebenden Baggersee machen kann, zeigt ein Beispiel in unmittelbarer Nachbarschaft. So entstand aus der Auskiesung in Xanten die Nord- und Südsee. Dort gibt es jetzt reichlich Ferienhäuschen, zahlreiche Wassersportarten werden angeboten - das ehemalige Baggerloch wird als Freizeitspaß mit Urlaubsflair angeboten. Trotz der direkt angrenzenden Bundesstraße 9 könnte eine gelungene Rekultivierung mit Naherholungswert auch in Bedburg-Hau möglich sein. Denn auch an der Nord- und Südsee stört ein Stück B 57 und die Xantener Umgehungsstraße direkt neben dem Gebiet keinen, der sich dort erholen will.

(RP)