Niederrhein: Der Kartograph des Niederrheins

Niederrhein: Der Kartograph des Niederrheins

Akribisch hat Michael Buyx seine Heimat zwischen Rhein, Maas und Niers vermessen. Seine Pläne halten mehr fest als die Verhältnisse in der Region zu seiner Zeit.

Der Potentat hatte Veranlassung, mit wenigen Zeilen einem Untertanen am äußersten westlichen Rand des Reiches zu danken und ihm Lob zu zollen. "Ich (...) bezeige Ihnen über diese gelungene Arbeit Meine Zufriedenheit", schrieb Preußens König Friedrich Wilhelm III. im März 1835 an den "Geometer Premier Lieutenant Buyx".

Das Urteil des Monarchen bezog sich auf die älteste gedruckte Kreiskarte Gelderns, die vom linken Niederrhein nach Berlin geschickt worden war. Verfasst hatte sie Michael Buyx aus Nieukerk, der als "Kartograph des Niederrheins" gelten kann.

Neue Maßstäbe

Buyx' Ausbildung und erste Arbeitsjahre als Katastergeometer, was am ehesten mit dem heutigen Beruf des Landvermessers vergleichbar ist, fallen in eine Zeit, "in der in der Kartographie neue Maßstäbe an die Exaktheit und Qualität der Darstellung gestellt werden".

Das schreibt Gelderns Stadtarchivar Dr. Stefan Frankewitz im Buch zum 200. Geburtstag von Buyx, das der Historische Verein für Geldern und Umgegend 1995 herausgab. Den hohen Anforderungen sei Buyx gerecht geworden.

  • Feierstunde : Madita Brauer ist „Lehrling des Monats“

Sehr zur Freude der Steuerbehörden, denen dank der exakten Darstellung der Besitzverhältnisse das Eintreiben des Obolus erleichtert wurde. Doch eine Besonderheit hebt Buyx' Karten über den Status von Momentaufnahmen aus dem 19. Jahrhundert hinaus, die er unter anderem mit Grundrissen von Dülken, Moers, Goch und Straelen geliefert hat oder mit den Plänen zu den Klevischen Gartenanlagen des Maximilian Friedrich Weyhe.

Buyx' Interesse an der Vergangenheit seiner Heimat manifestierte sich in unzähligen Detailangaben, die er in die Pläne einfließen ließ. Diese "historischen Karten", akribisch gezeichnet, sind Schatzkammern nicht nur für historisch Interessierte, die für die Informationsfülle den Nachteil einer gewissen Unübersichtlichkeit in Kauf nehmen.

Buyx' bis heute währender Ruhm geht zurück auf seine "Antiquarische Charte" der Umgegend von Geldern, die er 1879, im hohen Alter von 84 Jahren, veröffentlichte. Sie umfasst den Raum zwischen Weeze, Kervenheim, Sonsbeck, Issum, Repelen, Tönisberg, Wachtendonk, Hinsbeck, Straelen, Walbeck und Twisteden im Maßstab 1:37 500 und ist, entgegen den heutigen Gepflogenheiten, geostet statt genordet.

Jedes Objekt — Straßen und Herbergen, Kirchen und Klöster, Schanzen und Schlagbäume — hat Buyx, wenn möglich, mit historischen Namen und der Jahreszahl der ersten urkundlichen Erwähnung dargestellt.

Freilich wollte Buyx für den damaligen Stand des Drucks zu viel. Frankewitz urteilt: "Sein Versuch, die vielen tausend Einzelergebnisse, die er auf mehreren Karten mit verschiedenen historischen Räumen zusammengetragen hatte, auf einer einzigen Karte (...) zusammenzuführen, musste am technischen Unvermögen jener Zeit scheitern." Gemessen an seinen gezeichneten Karten müsse das Ergebnis enttäuschen und deprimieren.

(RP)
Mehr von RP ONLINE