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Kleve: Der Herr Koekkoek empfängt im Salon

Kleve : Der Herr Koekkoek empfängt im Salon

Eine Marionette des niederländischen Romantikers gehört ab jetzt zum Programm für Grundschulkinder im Malerpalais.

Der dunkelblaue Gehrock ist schick auf Taille geschnitten, doppelreihig geknöpft und mit richtig tollen Troddeln verziert. Ein Stehkragen sagt klar: 19. Jahrhundert. Es ist die Zeit seines Trägers. Ein Mann mit kräftigen schwarzen Locken auf dem Kopf und Schnurrbart, dazu der Kinnbart - ebenfalls ganz 19. Jahrhundert. In der Hand hält er das Werkzeug, das diesen Mann schon zu Lebzeiten berühmt und reich gemacht hat, das ihn noch heute, 150 Jahre nach seinem Tod, in seinen Bildern leben lässt: der langstilige Pinsel des Künstlers. Es ist der Malerfürst Barend Cornelis Koekkoek, der dort im Gehrock als prächtige Marionette an Fäden hängt.

Der "Herr Koekkoek", wie die Marionette passend heißt, lädt künftig die Kinder in seinen Salon ein und hat dafür einen mächtigen Überseekoffer (ebenfalls Modell 19. Jahrhundert) voller Malerutensilien parat. "Wir können uns hier im Künstlerpalais keine große Werkstatt für ein pädagogisches Begleitprogramm leisten - aber wir möchten den Schulen die Möglichkeit bieten, eine Zeit-Erlebnis-Reise insbesondere für Grundschulklassen zu machen, da darf dann auch etwas Spielerisches im Vordergrund stehen", sagt Ursula Geisselbrecht-Capecki, die künstlerische Leiterin des Hauses mit Blick auf den großen Koffer und die wunderbare Marionette, die durch den Raum stakst. Aus dem Koffer ragen Malerpalette und Pinsel. Vier Museumspädagogen, Beate Reintjes, die auch die Idee zur Marionette hatte, Margret Ostermann, Alexandra Eerenstein und Helmut Heimes haben sich inzwischen als Puppenspieler und Museumsführer eingearbeitet und versetzen alle in die Zeit des Meisters, entführen in die Romantik und ihre großen Liebe zur Natur. Und das ist ja gar nicht so weit weg.

Holger Heisterkamp, gelernter Schreiner und vor allem "Herrgottsschnitzer", hat Koekkoeks Kopf und die Hände aus Lindenholz geschnitzt und den Korpus der Konstruktion gebaut, Josefa Vollmer hat die "Sachen" von "Herrn Koekkoek" geschneidert. Dafür musste sogar die gute graue Hose ihres Mannes dran Glauben. Denn so hat Barend, um Herrn Koekkoek mal beim Vornamen zu nennen, auch richtige Stöße an den Hosenbeinen. Heisterkamp, der die Bildschnitzerei in Oberammergau lernte, hatte als Vorbild für seine Marionette das Porträt des Meisters von Charles Baugniet aus dem Jahr 1839, der uns einen jungdynamischen, sehr selbstbewussten Maler zeigt. Heisterkamps Koekkoek ist ein bisschen verträumter, wie er die blauen Augen leicht unter die Lider schiebt -mehr ganz der Romantiker.

Als Beate Reintjes die Idee zur Marionette hatte, fuhr das ganze Team nach Düsseldorf ins dortige Marionettentheater. Und das ließ sich nicht lumpen, gewährte einen tiefen Blick hinter die Kulissen und teilte so manchen Kniff. "So haben wir jetzt versteckte Gewichte an den Ellbogen, damit die Arme besser fallen", sagt Heisterkamp. Auch war schnell klar, dass Hände und Kopf überproportional groß sein müssen, damit die Puppe als Ganzes besser wirkt. Und sie sollte nicht schwerer als 1,2 Kilogramm werden - deshalb hat Herr Koekkoek einen Hohlkopf. Antje Vollmer bekam Tipps, wie sie schneidern sollte, damit die Kleidungsstücke besser fallen beim Puppenspiel.

"Wir machen das Angebot an die Grundschulen, stellen auch Material zur Verfügung. Schließlich sollen alle Klever Kinder einmal Haus Koekkoek besucht haben", sagt Geisselbrecht. Gesponsert haben den Bau der Puppe die Sparkasse und der Freundeskreis. Der Rotary-Club will Klever Grundschulklassen beim Bustransfer unterstützen.

Kontakt: Tel. o 28 21 76 88 33 oder kasse@koekkoek-haus.de

(mgr)