Kleve: Der geliebte Heilige

Kleve : Der geliebte Heilige

Die Martinus-Kirche in Qualburg ist Martin von Tours geweiht. Im Gotteshaus zeigt eine Figur des Heiligen die Szene der Mantelteilung. Das Gründungsdatum der Backsteinkirche ist unbekannt.

Die heutige Martinus-Kirche in Qualburg führt uns an eine Stelle, an der sich seit der Römerzeit Christen zur Feier des Glaubens getroffen haben. Im Gotteshaus steht eine Figur des hl. Martin, der den Mantel teilt. Davor kniet klein der Bettler, der seinen Blick zum hl. Martin erhebt. Neben dieser Darstellung gibt es ein Schöffensiegel. Im Siegelfeld erkennt man als Halbfigur den Kirchenpatron St. Martin, mit der Linken den Bischofsstab haltend, die Rechte im Segensgestus erhoben, nach einer anderen Version eine Hostie haltend.

Der Patron: Eine Figur des heiligen Martin, der den Mantel teilt. Foto: Evers, Gottfried

In dem Büchlein "Kostümprobe mit einem Heiligen" - Variationen über ein geistliches Thema, verfasst von Gaston Richolet, liest man: "Ich persönlich darf bekennen, dass ich seit meinen Kindesbeinen ein rechter Verehrer des heiligen Martin gewesen bin, obwohl ich seinen Namen nicht trage. Brave Eltern hielten uns sechs Kinder immer zur Verehrung dieses Heiligen an. Gefestigt wurde meine tief gewurzelte Devotion von den Martinszügen, die Glanzpunkte meiner Jugendjahre in einer traditionsfreudigen Kleinstadt gewesen sind.

Vielleicht hängt sie auch damit zusammen, dass ich die Fürbitte des Heiligen so manches Mal in besonderen Nöten erfahren durfte. Vielleicht ist es aber auch ganz einfach die Geschichte mit dem Bettler, die ich einmal von meiner Großmutter, einer tieffrommen Frau, die jeden Abend den Rosenkranz beim Herdfeuer betete, gehört habe und seitdem nicht mehr vergessen konnte. Ich konnte mir nie und kann mir auch heute noch nicht vorstellen, wie jemand diesen Heiligen nicht lieben kann.

Mir will scheinen, und dafür habe ich Beispiele genug erlebt, dass auch heute noch tätige Nächstenliebe den meisten Eindruck auf Menschen macht. Ich will jetzt eine kleine Begebenheit aus meinem eigenen Leben erzählen — Selbsterlebtes greift ja viel tiefer als nur Gehörtes und Gelerntes —, nämlich davon, wie ich das erste Mal in meinem Leben eine gute Tat getan habe. Der Tag steht mit goldenen Lettern im Buch meiner Erinnerungen.

..". Sollte nicht vielleicht doch in der Verhaltensweise des Heiligen auch für uns so etwas wie ein leiser Hinweis verborgen sein, etwa dergestalt, dass wir, falls wir einmal einem Notleidenden begegnen, ein gütiges Wesen zeigen müssen? Wir könnten in einem solchen Fall auf etwas, das uns lieb ist, verzichten. Verzichten, gewiss ein Wort, das herb klingt. Aber ganz ohne dasselbe kommt die christliche Sprache nun einmal nicht aus. Gewiss brauchen wir solchem Beispiel nicht wörtlich zu folgen.

Niemand verlangt von uns, dass wir weggeben, was wir nötig haben. Aber ob wir immer das tun, was uns nicht einmal besonders schwer fällt?

(RP/ac)