Unternehmer vom Niederrhein: Der Erfinder der Kinderschuhe aus Kleve

Unternehmer vom Niederrhein: Der Erfinder der Kinderschuhe aus Kleve

Mit der Idee, Schuhe für Kinderfüße zu produzieren, revolutionierte Gustav Hoffmann die Welt und machte die Marke elefanten berühmt. Der Klever galt als Lebemann und sorgte dabei gut für seine Angestellten. 1935 erlag er einem Herzschlag.

Es war ein Geistesblitz, der die Welt veränderte. "Warum", so fragte sich Gustav Hoffmann gegen Ende des 19. Jahrhunderts, "müssen Kinder entweder barfuß oder in umgeschusterten Erwachsenenschuhen herumlaufen?" Denn Schuhe für Kinderfüße, dazu noch unterschiedliche für den rechten und den linken, gab es bis dato nicht. Das wollte der Sohn eines Lederhändlers ändern. 1896 gründete er 24-jährig mit seinem Schwager Fritz Pannier in Kleve eine Fabrik, in der Kinderschuhe produziert wurden, revolutionierte damit einen ganzen Industriezweig und legte den Grundstein für eine der erfolgreichsten Firmengeschichten des Niederrheins.

Schon als kleiner Junge war es für Gustav klar, dass er einmal in der Branche arbeiten würde, die damals Kleve prägte: das Schusterhandwerk. Aber, so erkannte der Heranwachsende immer deutlicher, wenn man es damit zu mehr als einem Hungerlohn bringen wollte, bräuchte es eine gute Idee, die sich zu einem lukrativen Geschäftsmodell entwickeln ließe. Bei der Arbeit im Geschäft der Eltern lernte Hoffmann Fritz Pannier kennen. Gemeinsam fassten die beiden den Plan, eine eigene Fabrik für Kinderschuhe zu eröffnen. 1896 setzten die beiden Jungunternehmer ihn in die Tat um.

Nach einer zwölfjährigen Anlaufphase hatte sich die Schuhfabrik fest auf dem Markt etabliert. Die anatomisch geformten Schuhe fanden in aller Welt reißenden Absatz. Doch unter ungeklärten Umständen beschlossen die beiden Geschäftspartner einen Neuanfang — dieses Mal jeder für sich. Die Beschäftigten der gemeinsamen Fabrik wurden aufgeteilt. Pannier und Hoffmann übernahmen jeweils 300 von ihnen. Richtig erfolgreich wurde nach dem Neuanfang nur Gustav Hoffmann — mit seinem Unternehmen, das er am 15. Juli 1908 an der Materborner Allee 47, der heutigen Hoffmannallee, eröffnete. Damit begründete er eine fast 100-jährige Firmentradition: Erst im Jahr 2004 wurde elefanten in Kleve vom englischen Schuhhersteller Clarks geschlossen, nachdem er keinen geeigneten Investor gefunden hatte.

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Schon im ersten Jahr ihrer Eigenständigkeit erzielte die Gustav Hoffmann GmbH einen Umsatz von fast einer Million D-Mark. Besonders guten Absatz fand "Dr. Koch's Normalstiefel", der sich im Geschäftsjahr 1912/13 mehr als 60 000 Mal verkaufte. Am 11. Januar 1928 ließ Gustav Hoffmann die Marke elefanten als Warenzeichen eintragen. Sie ist noch heute in aller Welt für qualitativ hochwertige Kinderschuhe bekannt.

Hoffmann verheimlichte seinen geschäftlichen Erfolg nicht, im Gegenteil, er stellte ihn zur Schau. So ließ er sich in einer Luxuskarosse durch Kleve kutschieren. Er war der erste Klever mit einem Telefonanschluss — er hatte die Nummer 1. Und Hoffmann erwarb zahlreiche Immobilien. Dazu gehörten das Hotel Maywald, in dem er so gerne tanzte und feierte, und das Ausflugslokal Bresserberg. Der Fabrikant selbst wohnte in der Villa Hoffmann, die dann im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Doch bei aller Liebe zum Luxus hatte Hoffmann stets ein Herz für seine Angestellten. Er richtete eine Konsumanstalt ein, so dass er seine Mitarbeiter ohne das von der Inflation entwertete Bargeld und stattdessen mit Nahrungsmitteln entlohnen konnte. Und er ließ Werkswohnungen bauen, richtete eine Werksküche ein, ließ seine Angestellten in ihren Pausen von einem automatischen Klavier unterhalten.

Die Weltwirtschaftskrise bereitete Gustav Hoffmann dann große Schwierigkeiten. 1933 musste er die Mehrheit an seinem Unternehmen, das zu seinen Hochzeiten 4000 Mitarbeiter beschäftigte, an einen Gläubiger verkaufen. Doch das hielt den Lebemann nicht davon ab, ausgiebig zu feiern. Bei einer Karnevalssause 1935 im Hotel Maywald brach Gustav Hoffmann mitten im Tanz zusammen und starb an einem Herzinfarkt.

(RP)
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