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Kleve: Der Blick in eine amerikanische Seele

Kleve : Der Blick in eine amerikanische Seele

Das Museum Kurhaus Kleve zeigt eine Retrospektive des Amerikanischen Künstlers Llynn Foulkes, die von Los Angelos über New York kommend allein in Kleve auf europäischen Boden Station macht. Sonntag 11.30 Uhr ist die Eröffnung.

Er galt lange als Geheimtipp. Doch jetzt ist er in Europa angekommen — der 1934 in Yakima, Washington, geborene Llynn Foulkes. Auf der Biennale in Venedig beachtet und auf der Documenta 2012 gefeiert: als Mann mit den dreidimensional in die Tiefe gehenden Arbeiten, als Mann mit den Werken, die sich an der scheinbar so heilen Disney-Welt Amerikas reiben. Jetzt hat Kleves Museumsdirektor Prof. Harald Kunde den Amerikaner ins Museum Kurhaus geholt. Es ist in Europa die einzige Station der großen Retrospektive, die einen Überblick über das Werk Foulkes bietet und von Los Angelos über New York nach Kleve kommt.

 Kuratorin Ali Subotnick vom Hammer-Museum Los Angelos.
Kuratorin Ali Subotnick vom Hammer-Museum Los Angelos. Foto: Evers, Gottfried (eve)

In der Ausstellung beginnt der Weg der Bilder in Deutschland: In den ausgehenden 1950er Jahren war Foulkes hier stationiert und sah die zerstörten Städte, die Ruinen. Zurück in Amerika entstanden stille, dunkle Bilder. Skizzenhaft, fast wie gezeichnet wirken die Leinwände. Schon früh arbeitet der Kalifornier mit verschiedenem Material, arbeitet zerknäueltes Papier in die Bilder ein, das grau gefärbt wie Felsen wirkt.

Felsen, die "Rocks", waren begehrte monumentale Gemälde. Foulkes beginnt Mitte der 1960er Jahre diese Bilder zu malen: Still, majestätisch thronen die "Rocks" auf bis zu drei Meter großen Leinwänden. Monochrome, pure Malerei. Es folgen die "Bloody Heads", die blutigen, entstellten Köpfe. Es sind surreale Porträts auf den in Teilen abschreckend und in ihrer Machart in Teilen Comic-artig komischen Bildern mit Figuren, die manchmal auch an die Comics seines Zeitgenossen Crumb (Fritz the Cat) erinnern. "Diese Reihe begann mit einem unfertigen Porträt", sagt Kunde. Foulkes montierte andere Bilder, Ausschnitte in dieses Porträt, man blickt über Löcher in den Köpfen in die verletzten Seelen dieser Menschen, manchmal auch in Hirne, in denen allein Mickey-Mouse haust.

Den Porträts stehen die großen Tableaus gegenüber, die lange Geschichten erzählen: So wie von dem brutal erschossenen Kritiker, dessen Blut das Bild "Oh Pablo" besudelt. An der Wand in dieser in den Raum reichenden Arbeit hängen Mini-Repliken von eigenen Werken und ein Foto von Marilyn Monroe. Ein Maler mit Comic-Schnabel arbeitet an einem Picasso-ähnlichen Bild: "Ein düsterer satirischer Kommentar auf die Kunstwelt und die Frustationen eines Malers", kommentiert Ali Subotnick "Oh Pablo". Sie ist Kuratorin des Hammer-Museums in Los Angelos, konzipierte die Ausstellung und begleitete sie nach Kleve.

Dann kam "Pop", jenes Bild eines höchst besorgt dreinschauenden Foulkes in der Runde seiner Kinder. "Pop" rückt vollends ins Dreidimensionale: Die Lampe leuchtet, die Dioden des Fernsehers strahlen aus dem in einem völlig abgedunkelten Raum inszenierten Bild und die Musik dudelt. Sein Sohn liest in den säuberlich in Schönschrift auf liniertes Papier in ein Heft geschriebenen Verhaltensregeln für gute amerikanische Jungs in der heilen amerikanischen Disney-Welt. Es ist die Welt, an der sich Llynn Foulkes immer wieder reibt, seit er von einem seiner Schwiegerväter (so Kunde) die Fibel für gute amerikanische Jungs bekam, die vom Mickey-Mouse-Club herausgeben worden war.

Lang die Liste der Leihgeber für die Schau - sie reicht von großen amerikanischen Museen (Guggenheim und MoMa) bis hin zu den Kollektionen von Hollywood-Stars wie Jack Nicholson und Leonard Nimoy. Kunde betonte, dass die Verwirklichung der Ausstellung oft am seidenen Faden hing und nur dank der großzügigen Unterstützung von Stiftern und Mäzenen gelingen konnte, die bis hin zum Amerikanischen Konsulat reicht. Und das macht damit den Blick in die besorgte amerikanische Seele des Llynn Foulkes über sein im Grunde großartiges Land möglich. Ein Mann, der sich als Superman angesichts der Kriegsankündigung Bushs fragt: "Wo bin ich den falschen Weg gegangen?" (Der Katalog kostet 30 Euro, das deutsche Bocklet gibt's dazu - ohne Katalog 3 Euro).

(RP)