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Der bisherige Bauhof Kalkar ist nicht mehr zu sanieren, neuer nötig

Infrastruktur Kalkar : Kalkars neuer Bauhof soll an den Oyweg

Für einen neuen Betriebshof will die Stadt Kalkar ein innerstädtisches Gewerbegrundstück nutzen. Das würde ein Großteil der Politik lieber Gewinn bringend verkaufen. Debatte über hohe Kosten.

Es war haarscharf. Hätte Bürgermeisterin Britta Schulz die Reaktion auf ihre erste Bitte um Abstimmung gleich für bare Münze genommen, wäre das Projekt frühzeitig gescheitert. „Dann kriegen wir eben keinen neuen Bauhof“, stellte sie lakonisch fest, bis sich alle beruhigt hatten. Dann gab es noch einmal die Aufforderung, über den Beschlussvorschlag abzustimmen, und diesmal reichten die Ja-Stimmen aus. Sechs Zustimmungen, zwei Enthaltungen und zwei Ablehnungen im Hauptausschuss führten dazu, dass die Planung jetzt konkreter werden kann. Denn Kalkar braucht, wie mehrfach beschrieben, einen Betriebshof, der den heutigen Anforderungen entspricht. Der jetzige ist so veraltet, dass eine Sanierung und ein Umbau nahezu unmöglich seien, sagt die Verwaltung.

Bereits im September 2018 hatte der Rat die Stadtverwaltung beauftragt, einen geeigneten Standort für einen neuen Bauhof zu finden. Ein Planungsbüro wurde mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie beauftragt, „In ihr wurde dargelegt, dass ordnungsgemäße Werkstätten, Verwaltungs- und Sozialräume auf dem Grundstück ,Am Stadtpark’ nicht untergebracht werden können“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Eine kleine Gruppe aus Mitarbeitern der Verwaltung und einigen Ratsleuten besichtigte sogar einen auswärtigen Bauhof, um zu sehen, wie eine Einrichtung ähnlicher Größe heute auszusehen hat. Auf der zur Verfügung stehenden Fläche am Oyweg könnte auf 6650 Quadratmetern ein Betriebshof mit Lagerplatz entstehen.

Ein fachlich geeignetes Architekturbüro soll nun die Planungsleistung erbringen. Warum nur eins?, wollte die Opposition wissen. Willibald Kunisch (Grüne) etwa hätte sich gewünscht, dass ein städtebaulicher Wettbewerb „wie früher“ veranstaltet werde, um aus verschiedenen Vorschlägen das beste Angebot zu ermitteln. Denn die erste Preisvorstellung, die sich aus der Kostenermittlung der Machbarkeitsstudie ergibt, schien der Politik doch sehr hoch: Rund 4,3 Millionen Euro stehen für den Bau im Raum. Hinzu kommen 367.000 Euro für den Grundstückserwerb. Das frei werdende Grundstück am Stadtpark möchte künftig der Löschzug Stadtmitte der Freiwilligen Feuerwehr Kalkar nutzen.

Diejenigen Kommunalpolitiker, die einen Bauhof lieber außerhalb der Stadt etwa in Hanselaer hätten, mussten sich von Baurat Frank Sundermann erklären lassen, dass der Bau eines Betriebshofs kein privilegiertes Vorhaben sei und es deshalb dafür im Außenbereich keine Baugenehmigung gebe. Die Fläche Am Oyweg jedoch könnte man auch an Dritte veräußern und damit den städtischen Haushalt entlasten, argumentierten CDU, SPD und Grüne. Die Bürgermeisterin brachte das Problem auf den Punkt: „Wir haben nach alternativen Standorten gesucht, aber es gibt sie nicht.“ Der Wirtschaftsförderer, der grundsätzlich natürlich gerne Flächen für Ansiedlungen veräußere, sehe das im übrigen ganz genau so.

Das Bauprojekt muss europaweit ausgeschrieben werden, einen vorgeschalteten Architektenwettbewerb, der teuer und zeitraubend sei, wird es für den Zweckbau aber nicht geben. Trotz größter Bedenken von CDU und Grünen und kaum weniger Ablehnung der SPD wurde dem Beschlussvorschlag schließlich mehrheitlich zugestimmt. Dass das Projekt deutlich günstiger wird als die angenommenen 4,3 Millionen Euro, glaubt die Verwaltung nicht.