Kleve: Der Augentäuscher aus Kleve

Kleve: Der Augentäuscher aus Kleve

Das umgeschlagene Blatt von Gerhard Richter, der zu den bedeutendsten Maler Nachkriegsdeutschlands gehört, hat die Sammlung des Klever Museums gleich zwei Mal: Als Grafik und als kleines Gemälde. Zu sehen sind beide Bilder derzeit in der Hamburg.

Sind ebenso klein wie wertvoll ­ die Bilder aus einer privaten Sammlung, die 1996 schon als Schenkung an den Freundeskreis kam und zu den geheimen Stars des Museums Kurhaus Kleve zählen. Kleine Formate mit ganz großen Namen. Da sind das Blau von Ives Klein, die Verpackung von Christo oder die Zahnräder in Polyester von Arman. Und da ist jenes Blatt, das ein Blatt zeigt. Ein Blatt das umgeblättert wird: Gerhard Richter, der zu den bedeutendsten Malern im Nachkriegsdeutschland zählt und spätestens seit dem berühmten Fenster im Kölner Dom jedem bekannt sein dürfte, malte die 42 mal 18 Zentimeter große Arbeit 1965 auf Leinwand. Besser: er malte die umgeschlagene Ecke und den Schatten, die sie wirft.

Klever Richter in Hamburg

Dieses Blatt haben die Klever gleich zweimal ­ als das kleine Gemälde und als Grafik. Beides begehrte Blätter, die jetzt nach Hamburg ausgeliehen wurden und dort im Bucerius Kunstforum in der Ausstellung "Illusion und Wirklichkeit” zu sehen sind. Die Ausstellung bietet einen gerafften historischen Überblick von der Antike bis heute. "Rund achtzig Werke aus deutschen und internationalen Sammlungen repräsentieren das vielfältige Spektrum dieser wundersamen Kunst stupender Verblüffung”, heißt es aus dem Bucerius-Forum. Darunter die berühmten "Augentäuscher”-Gemälde des 17. Jahrhunderts von Samuel van Hoogstraten oder Cornelisz Gijsbrechts.

Neben Richter werden Werke unter anderem von Lucas Cranach, Peter Paul Rubens gezeigt, Gemälde und Skulpturen von Pop Art-Künstlern wie Andy Warhol und Jasper Johns sowie Photographien von Thomas Demand und Skulpturen und Installationen von Peter Fischli/David Weiss und Christian Jankowski gezeigt. Geworben hat das Forum dafür intensiv mit der Klever Grafik, die die gleiche umgeschlagene Ecke zeigt wie das Bild, aber signiert ist. Richter hat dabei ein Blatt diagonal über die umgeschlagene Ecke gelegt und mit der gesamten Signatur unterschrieben ­ halb auf der Grafik, halb auf dem darüber gelegten Blatt. Das macht die Täuschung perfekt, es scheint, der Rest der Signatur liegt wirklich unter der Ecke...

"Das ist sehr gut für unser Museum ­ in vielen überregionalen Zeitungen erschien das Blatt mit dem Verweis auf unsere Sammlung”, freut sich Kleves Museumsdirektor Drs. Guido de Werd. Erstmals wurde das begehrte Richter-Bild in die Schweiz ausgeliehen, jetzt bieten beide Arbeiten in Hamburg die Illusion des hochgeschlagenen Blattes. Nach dem Mai sind die Arbeiten auch wieder im Kurhaus zu sehen.