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Der 1. FC Kleve will seine Umkleiden selbst bauen

Planung geändert : Der 1. FC will Umkleiden selbst bauen

Die Entwicklung des Sportzentrums Bresserberg stockt seit Jahren. Nun zieht der Vorstand Konsequenzen: Die Fertigstellung des Tribünengebäudes wird abgeschrieben, der Gebäudekomplex „Sportsbar“ soll saniert werden.

Im Juni 2018 fällte der Rat der Stadt Kleve nach einer knapp zehnjährigen Diskussion endlich eine Entscheidung: In geheimer Abstimmung votierte eine knappe Mehrheit zu Gunsten einer Zweifachsporthalle für den VfL Merkur und den Schulsport. Der größte Klever Sportverein würde somit seine marode Turnhalle an der Flutstraße verlassen und gen Stadionstraße ziehen. 4,7 Millionen Euro will sich die Stadt Kleve den Neubau im Bereich der heutigen Umkleidekabinen kosten lassen. Damit entschied sich der Rat final auch gegen eine Realisierung der Halle an der Welbershöhe, auf dem Parkplatz hinter der Tribüne des 1. FC Kleve. Bei dieser Planung wäre es möglich gewesen, das sich seit 2009 im Rohbau befindende Tribünengebäude fertigzustellen.

Auch die CDU hatte sich erst für diese Idee ausgesprochen, Mitte 2018 aber einen Rückzieher gemacht. „Es ist unglaublich, wie hier die Vereine behandelt werden. Das gibt es sonst nirgendwo“, sagt Lukas Verlage, 2. Vorsitzender der Rot-Blauen. „Der Bekanntheitsgrad von Kleve besteht aus Anna von Kleve, Elefanten-Schuhe, Josef Beuys, Unilever, Barbara Hendricks, Lohengrin und dem FC“, fügt er an. Von dem Gedanken, weitere Vereinsmittel in die Tribüne, immerhin ein städtisches Gebäude, zu investieren, will sich der Verein distanzieren. „Ein Platz auf der Sitztribüne ist für jeden Zuschauer besonders, aber der Verein benötigt die Tribüne nicht zum Überleben“, sagt Thyssen, erster Vorsitzender. Er und sein Vorstandsteam planen nun eine Modernisierung und Erweiterung des vereinseigenen Gebäudekomplexes „Sportsbar“ im Herzen der Sportanlage Bresserberg. Das Gebäude, mittlerweile ebenfalls in schlechtem Zustand, soll teilabgerissen werden und in Zukunft bis zu acht Umkleiden für den Junioren- und Seniorenbereich beheimaten. Die Firma Reppco hat die Ideen im Auftrag des FC konkretisiert und skizziert.

„Unsere Planungen haben ergeben, dass das platzmäßig zu realisieren wäre. Wir wissen aber noch nicht, welche Baumöglichkeiten es gibt und ob man uns bei unserem Vorhaben noch Steine in den Weg legen kann“, sagt Thyssen, der mit Kosten im oberen sechsstelligen Bereich rechnet. „Es wird endlich Zeit, für unsere Sportler insbesondere im Jugendbereich angemessene Umkleidemöglichkeiten zu schaffen“, fügt er an. Zudem sei der Neubau der „Sportsbar“ auch eine Chance, das Vereinsleben an einem Ort zu zentrieren und Barrierefreiheit zu ermöglichen. Finanziert werden solle dieses Projekt vor allem durch öffentliche Fördermittel. Seit der Insolvenz hat der Klub ein ausgeglichenes wirtschaftliches Ergebnis erzielt. Der FC sei wieder kreditwürdig, sodass auch eine Teilfinanzierung unproblematisch wäre, wie Thyssen versichert. „Wir glauben auch, dass man Leute im Umfeld des Vereins für diese Idee begeistern kann.“

In den vergangenen Jahren hätten immer wieder Varianten auf dem Tisch gelegen, wie es mit dem Tribünengebäude weitergehen könne. Der FC habe sich, so Thyssen, stets an Lösungsvorschlägen beteiligt und Ideen vorgebracht. Auch ein Abriss sei möglich, hieß es zuletzt aus dem Rathaus. „Das zeigt doch, dass hier nicht zu Ende gedacht wird. Auf dem Dach steht eine Fotovoltaikanlage im Besitz der Stadtwerke Kleve, die jährlich auf 900 Quadratmetern Strom für 50.000 Euro produziert – und das bei einer Laufzeit von noch 12 Jahren“, sagt Verlage. So würden den Stadtwerken bei einem Abriss 600.000 Euro entgehen.

„Unser ehrenamtliches Engagement für den Verein und somit auch für die Stadt Kleve wird nicht wertgeschätzt“, sagt Thyssen. Zudem halte sich das Gerücht in Politik und Gesellschaft hartnäckig, dass der FC in der Vergangenheit bevorzugt behandelt worden wäre. „Das ist eine Farce, ein Märchen, und das weiß auch jeder, der sich mit dem Thema beschäftigt“, sagt Verlage. Insgesamt 1,5 Millionen Euro habe der Klub in die Entwicklung des Stadions investiert, dazu kamen 650 000 Euro öffentlicher Zuschüsse, die aktuell noch im Rohbau stecken, der nun aber zu verfallen droht.

Auch dass die beiden städtischen Kunstrasenplätze dem Verein geschenkt worden seien, würde dem Verein regelmäßig vorgehalten. „Das ist absoluter Blödsinn“, sagt Thyssen. Schließlich habe die Stadt vom Fusionsverein das fast 20 000 Quadratmeter große Gelände an der Merowingerstraße bekommen, um die Entwicklung der Klimaschutzsiedlung voranzutreiben. Im Gegenzug, erklärt Thyssen, wurden Zuschüsse für die Errichtung der Kunstrasenplätze gezahlt. „Die Kopplung ist den Fraktionen auch immer deutlich dargelegt worden. Dennoch tun einige so, als wüssten sie davon nichts mehr“, sagt Thyssen. Ein Gutachter hat das Grundstück, für das der 1. FC ein Erbpachtrecht hielt, 2001 mit knapp zwei Millionen Euro bewertet. Im Vergleich zu den 1,2 Millionen Euro Zuschüsse, die für die ersten Kunstrasenplätze der Schwanenstadt aufgewendet wurden, sei dies ein gutes Geschäft für die Stadt gewesen.

Thyssen und Verlage sind sich sicher: Nun muss der Klub selbst Fakten schaffen. „Wer uns kennt, weiß, dass wir nichts tun, was unrealistisch ist. Aber es ist Zeit gekommen, das Heft selbst in die Hand zu nehmen. Von Politik und Verwaltung können wir in der Hinsicht nichts mehr erwarten, sagt Verlage.