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De Werd und Woelk geben Band über Meister Arnt Bildschneider heraus

Buch über Meister Arnt von Kalkar : Meister Arnt der Bildschneider

Von ihm stammen herausragende Werke mittelalterlicher Schnitzkunst. Jetzt wird das Wirken von Meister Arnt von Zwolle und Kalkar mit einem prächtigen Band neu gewürdigt. Der Schnitzer starb 1492.

Arnt von Kalkar und Zwolle gilt als Meister der beseelten Skulpturen, denn seine Heiligen, seine Ritter, Damen und Drachen, die Märtyrer und Folterknechte sind nicht einfache hölzerne Gesellen, sondern kleine und große Figuren mit Charakter, mit Seele. Sie schneiden Grimassen wenn sie die  Geißel schwingen, sie blicken beseelt gen Himmel wenn sie gottesfürchtig die Hände gefaltet haben. Eindrucksvoll der Christus im Grabe in der Kalkarer Kirche St. Nicolai: Ausgemergelt, gefoltert gequält. Der Mensch am Kreuz gestorben. Tot. Ein großes Meisterwerk. 

„Arnt Beeldesnider“ tauchte zwischen 1460 und 1492 in Kalkar auf und ist dort urkundlich erwähnt, ebenso, wie er in Zwolle nachweisbar ist, wo seine Frau zweimal Strafen zahlen muss, wie die Quellen aufzeigen.  1460 wird Arnt erstmals am Niederrhein erwähnt: Er hatte für keinen Geringeren als Herzog Johan I. von Kleve ein Wappenschild geschnitten mit Schwan und Ochsenkopf.

Guido de Werd war Direktor des Museums Kleve, gilt auch als Fachmann für die niederrheinische Schnitzkunst des Mittelalters und hat den Grundstein für die Mittelaltersammlung des Museums Kurhaus gelegt. Foto: van Offern, Markus (mvo)

14 Jahre später stiftet der Herzog auch ein Chorgestühl für die Klever Minoritenkirche: „Ein großartiges Werk, das ohne die Existenz einer bedeutenden Werkstatt oder die Kooperation mit damals ,Kistemeker’ genannten Schreinern für einen Bildhauer nicht zu stemmen gewesen wäre“, so Guido de Werd. Der langjährige, ehemalige Klever Museumsdirektor hat jetzt zusammen mit  Moritz Woelk, Direktor des Schnütgen-Museums in Köln, eine wunderbare Monographie zu Meister Arnt herausgegeben, die den Bildschneider auf den Schild hebt, der ihm gebührt: Als herausragender Künstler und Bildschnitzer des Mittelalters, dessen Arbeiten sich vor allem auf das alte Herzogtum Kleve konzentriert, um Zwolle herum aber leider in der Bilderstürmerei des ausgehenden 16. Jahrhunderts verloren gegangen ist.

Das Passionsretabel aus dem Musée Cluny, fotografiert für den Katalog vom Grand Palais/Michel Urtado. Foto: Repro (Katalog): Matthias Grass

Eigentlich ist diese beim Hirmer-Verlag erschienene Monographie der Katalog zur großen Mittelalter-Ausstellung im Schnütgen-Museum, die Arnt gewidmet sein sollte und die vom Schnütgen-Team um Karen Straub sowie de Werd kuratiert wurde. Die Ausstellung mit bedeutenden Leihgaben und dem kompletten auf Hochglanz gesäuberten Kalkarer St.-Georgs-Altar sollte im Frühjahr eröffnet werden. Doch die Eröffnung fiel dem Corona-Virus zum Opfer und wird wohl auf kommenden Monat verschoben. Es wäre schön, die Arnt-Werke einmal so versammelt im Original sehen zu können, wie der Katalog-Band sie jetzt zur wissenschaftlichen Würdigung zusammengebracht hat.

Ein Porträt des Himmelfahrtschristus von Stephan Kube. Foto: Repro (Katalog): Matthias Grass

Für jeden, der Spaß und Interesse am Mittelalter und der Kunst des Mittelalters hat, sollte Hirmers-250-Seiten-Buch ein Muss sein. Neue Fotografien, die neue Perspektiven (die einem vor den Altären  stehend verschlossen bleiben) zeigen und die Texte von unter anderen Guido de Werd, dem kirchlichen Mittelalterfachmann Reinhard Karrenbrock, von Karen Staub und Moritz Woelk sowie Marc Peez vom LVR-Amt für Denkmalpflege zeichnen ein rundes Bild des Schnitzers. Eines Schnitzers, der Insidern vor allem am Unteren Niederrhein ein Begriff ist, der trotz der Produktivität seiner Werkstatt einer breiteren Öffentlichkeit aber bis heute weitgehend unbekannt geblieben ist. „Das Museum Schnütgen wird einen erheblichen Teil seines Werkes eigens für diese Ausstellung zusammenführen und bietet die Chance einer (Neu-) Entdeckung des Bilderschneiders“, so Karen Straub.

Stephan Kube porträtierte den ChristusChristus im Grabe in der Nicolai-Kirche. Foto: Repro (Katalog): Matthias Grass

Der Band zeigt nicht nur die Werke aus den Museen und Kirchen des Klever Landes, wie den Grabes-Christus aus Kalkar oder den Himmelfahrtschristus aus dem Kurhaus, würdigt ausführlich den Georgs-Altar und den Hochaltar in Kalkar sowie das Chorgestühl in Kleve, zeigt natürlich die Anbetung der Heiligen Drei Könige aus dem Museum Schnütgen oder das wunderbare Passionsretabel aus dem Musée de Cluny. Interessant auch ein Kapitel über eine Wurzel Jesse (das Rankgewächs zeigt die Abstammung Jesu aus dem Hause des Königs David als Lebensbaum, ausgehend von Jesse, dem Vater Davids, des Königs von Juda und Israel), das zu einem im 19. Jahrhundert abgerissenen Altar stammt. Ein Kapitel über den Gocher Schnitzer Langenberg zeigt die Einflüsse Arnts bis ins 19. Jahrhundert. Den Abschluss bildet schließlich ein Werkverzeichnis.