Aktion Pro Humanität: "Das Überleben immer wahrscheinlicher machen"

Aktion Pro Humanität : "Das Überleben immer wahrscheinlicher machen"

Die Hilfsorganisation engagiert sich seit mehr als 20 Jahren in den westafrikanischen Ländern Benin und Niger.

Kreis Kleve Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich die Kevelaerer Ärztin Elke Kleuren-Schryvers mit der von ihr gegründeten Aktion pro Humanität (APH) in Afrika. In Benin unterhält APH neben Sozialprojekten eine Krankenstation mitten im Busch, die im Jahr etwa 20 000 Patienten betreut. Im Niger konnten dank Spenderhilfe Brunnen gebaut werden, die mehr als eine halbe Million Menschen mit frischem und sauberem Wasser versorgen. Derzeit ist Elke Kleuren-Schryvers wieder in Benin.

Welche Bilder haben Sie im Kopf, wenn Sie nach Afrika aufbrechen?

Kleuren-Schryvers Die Bilder, die mich jetzt gerade vor dieser 57. Reise und nach fast 20 Jahren in Benin umtreiben, haben mit Menschen zu tun, die mir begegnen. Jean, der kleine aidskranke Waisenjunge beispielsweise, den seine Mutter uns flehend anvertraute, und erst als sie wusste, dass er in unserem Waisenhaus in Gohomey versorgt werden könnte, starb sie. So sind es nicht nur Bilder, sondern vor allem starke eigene Emotionen, mit denen man bei dieser Arbeit immer wieder konfrontiert ist.

Sie engagieren sich seit zwei Jahrzehnten — stellen Ihr eigenes Leben nahezu komplett in den humanitären Dienst. Was treibt Sie an?

Kleuren-Schryvers Was mich antreibt als Ärztin ist, für die Menschen dort eine adäquate medizinische Basisversorgung zu realisieren. Dass wir eine gute Aidstherapie machen, dass es uns gelingt, immer mehr Schwangere zu einer Geburt in der Krankenstation zu bewegen, um die noch zu hohe Mütter- und Kindersterblichkeit zu senken. Dass wir weiter mit dem Gesundheitsministerium ringen, um deren Erhöhung ihrer Partizipation, damit wir an die Installation eines OP-Containers in Gohomey denken können. Und dass wir es schaffen, mit den traditionellen Heilern, die seit Jahrhunderten die einzigen "Heiler" für die Menschen waren, in konstruktivem Dialog zu bleiben. Das Ziel ist klar: Die Genesung von Leib und Seele in dem schweren Lebensalltag der Menschen — vor allem der Frauen und Kinder.

Hat man nach so langer Zeit nicht mitunter das Gefühl, dass man immer von vorn anfangen muss?

Kleuren-Schryvers An eine Sisyphos-Arbeit erinnert unser gemeinsames Tun immer dann, wenn wir bemerken, wie stark wir immer noch an unsere Grenzen stoßen in unseren so unterschiedlichen kulturellen Lebensphilosophien. Wie beinhart auch in Afrika der Drang nach materiellen Errungenschaften das ehemals so beeindruckende soziale Miteinander in den Großfamilien verändert. Wie wenig die Mehrheit der Politiker eigentlich interessiert ist, das Maximum für die Menschen im Land zu erwirken.

Was ist heute anders als vor 20 Jahren in Benin?

Kleuren-Schryvers Verändert im Sinne einer Progression, hat sich vieles im Land. Die beninische Regierung tut enorm viel für die Bildung der Kinder. Die Grundschulen können von Mädchen und Jungen ohne Schulgeld besucht werden. Es gibt ein flächendeckendes Netz von Schulen, und auch in der medizinischen Basisversorgung gibt es in jedem Departement ein System von staatlicher Krankenversorgung, wenn auch die Funktion dieser Institutionen ebenso wie die Qualität der Bildung noch in keinster Weise mit unseren Realitäten vergleichbar sind.

Welche Perspektiven sehen Sie?

Kleuren-Schryvers Die Perspektiven liegen für uns vor allem in einer menschenwürdigen, empathischen Versorgung der kranken Menschen, die nicht allein vom Geld-Eintreiben dominiert werden darf. Ein großes Ziel ist die Installation einer Chirurgie in Gohomey, um neben den vielen Notfall-Indikationen die Mütter- und Kindersterblichkeit durch die Möglichkeit einer Kaiserschnittentbindung senken zu können. Im Niger sind unsere Perspektiven und Ziele die Verbesserung der Basisgesundheitsversorgung in den ländlichen Regionen, die Verbesserung des Zuganges zu sauberem Trinkwasser und die Förderung der Landwirtschaft durch Ermöglichung von kontinuierlicher Bewässerung. Wir haben dank der großen Unterstützung der Stiftung der Familie Seibt von der Grav-Insel in Wesel bereits zwölf Brunnen bauen können. Das bedeutet sauberes Wasser für eine halbe Million Menschen.

Worauf freuen Sie sich jetzt bei dieser Reise besonders?

Kleuren-Schryvers In der Sache in erster Linie auf den Kooperationsvertrag mit den Ordensschwestern. Und natürlich auf jedes Neugeborene in unserem Krankenhaus: Wenn man ein solches Baby im Arm hält und die Mama sieht, die sich wenigstens für einige Stunden bei uns im Hospital erholen darf, bevor sie wieder an die Arbeit geht, dann wünscht man sich, dieses kleine Stückchen mehr an Sicherheit viel, viel mehr Frauen auf dem Land bieten zu können, um das Überleben von Mutter und Kind bei der Geburt immer wahrscheinlicher zu machen.

HEIKE WALDOR-SCHÄFER STELLTE DIE FRAGEN.

(RP)