Kalkar Das Triumphkreuz der Dominikaner

Kalkar · Die Kunstschätze der ehemaligen Dominikanerkirche in Kalkar wurden zu einer bedeutenden Ausstellung in der Sankt Nicolaikirche zusammengetragen. Kleves ehemaliger Museumsdirektor Drs. Guido de Werd kuratierte die Schau.

 Das Bildnis des Gekreuzigten aus dem Jahr 1460 ist eines der Höhepunkte der Sonderschau in Kalkar.

Das Bildnis des Gekreuzigten aus dem Jahr 1460 ist eines der Höhepunkte der Sonderschau in Kalkar.

Foto: Gottfried Evers

Der Mensch stirbt, Gottes Sohn steht auf. Der Sohn leidet, der Vater hat ihn für die Menschen geopfert. Er leidet immens: Die Dornen schneiden in seinen Kopf, die schweren Nägel im Holz heben die Haut, reißen Wunden, ihm strömt das Blut übers Gesicht, die Augenlider sind halb geschlossen. Der Speerstoß in der Seite klafft, blutet. Drastisch schnitt der Meister des Annenaltars den Gekreuzigten um 1460 ins Holz. Das Leiden ist hier nicht verklärt. Es ist irdisch, brutal.

Christus stirbt, um von den Toten aufzuerstehen. Zu den Füßen des Gekreuzigten der Kalvarienberg als Erinnerung an Golgatha, mit der Darstellung der Gebeine aber vor allem Zeichen für Vanitas, die Vergänglichkeit alles Irdischen. Links, vom Elend abgewandt, die leidende Mutter, die Hände vor der Brust gekreuzt, rechts Johannes, völlig erschüttert, das Buch in der rechten, die linke in einer Geste der Trauer zum Kopf erhoben. Wirr fallen dem Apostel Johannes, dem Lieblingsjünger Jesu, die Haare in die Stirn.

Allein die beiden Außenfiguren, lebensgroß in Eiche geschnitten, sind Meisterwerke, die lebendig vom ausgehenden Mittelalter erzählen. Der Corpus am Kreuz steht in der Tradition von Holbeins berühmten Christus im Grabe ebenso, wie er neben Arnts Grabeschristus steht. Vor allem aus der Sicht des Gläubigen, von unten, entfaltet die Triumphkreuzgruppe ihre ganze Kraft. Erstmals seit über 200 Jahren ist sie jetzt wieder in ihrer ursprünglichen mittelalterlichen Gestaltung in der Kalkarer Nicolai-Kirche zu sehen. Der ehemalige Klever Museumsdirektor Drs. Guido de Werd hat in vierjähriger Arbeit Stück um Stück dieses Meisterwerkes niederrheinischer Schnitzkunst zusammengetragen. Ursprünglich stand die Gruppe in der schmalen wie großen Kirche des Kalkarer Dominikanerordens, dessen Kloster in Kalkar zur Säkularisierung zerschlagen wurde. Heute zeugt nur noch der wunderbare Dominkaner-Bongert, umgeben von einer Feldbrandstein-Mauer, von der Geschichte dieser gebildeten Mönche in Kalkar, die sich 1456 hier niederließen. Bis heute birgt der Boden des Bongerts Relikte der Geschichte. Kalkares Bürgermeister a.D. Karl-Ludwig van Dornick verweist auf einen Stein, der unter der dortigen Erde gefunden wurde und Teil eines großen, steinernen Kalvarienbergs gewesen sein könnte. Die Kreuze dieses Kalvarienberges könnten noch gefunden werden, hofft er.

Es waren die Mönche, die die hochwertigen Kunstwerke in ihre schmale Kirche holten, von Meister Arnt den Thomas von Aquin und den Albertus Magnus, die Beweinung Christi, von Douverman die Maria Magdalena, vom Meister des Annenaltars wiederum den Christus auf dem kalten Stein — nicht zu vergessen die von den Zeitgenossen gelobte Bibliothek mit ihren Urkunden und Büchern.

Gekrönt wurde das Ganze aber vom Christus am Kreuze. Und diesen Christus, auch vom Meister des Annenaltars geschnitten, holten die Kalkarer Mönche vor der Säkularisierung in einer Nacht- und Nebelaktion aus der Kirche und verfrachteten ihn in die Niederlande. Ihn, ihren größten Schatz. Dort wurde er erst Anfang des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt. Jetzt fügte Guido de Werd die Gruppe wieder zusammen. Zu sehen im Seitenschiff der Kalkarer St.-Nicolai-Kirche, die in ihrer Länge und Breite in etwa der alten Kalkarer Dominikaner-Kirche entspricht. Unterm Turm fügte er die wertvollen Figuren zur Gruppe, in der Kirche steht die Kanzel, im Seitenschiff Beispiele der Urkunden, Gemälde und Figuren, die heute wie selbstverständlich in die Kalkarer Pfarrkirche gehören - wie Maria und Johannes, wie Maria-Magdalena.

Die Rheinische Post wird die Exponate in einer Reihe vorstellen.

(RP)