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Niederrhein: Das Sprachrohr Gottes

Niederrhein : Das Sprachrohr Gottes

Norbert von Xanten hatte ein ruhiges Leben vor sich. Doch er kehrte um, predigte ein Leben in Armut, gründete den Orden der Prämonstratenser. Vor 875 starb der später heilig gesprochene Norbert als Erzbischof von Magdeburg.

Auf dem Weg von Xanten in Richtung Verden trifft ihn der Schlag. Ein Blitz — der Reiter fällt vom Pferd, bleibt bewusstlos liegen. Als er wieder zu sich kommt, ruft er reuevoll aus: "Herr, was willst du, das ich tun soll?" Und eine innere Stimme sagt ihm "Meide das Böse, tue das Gute, suche den Frieden und wende dahin all dein Tun." Fortan trägt der Mann härene Gewänder, folgt Christus nach, hat ein Sendungsbewusstsein: Norbert von Xanten. Die Geschichte ist eine fromme Legende — wie immer aber mit einem realen Kern. Norbert, einstmals wohlsituiert, wandelte sich in seinem Leben zum Reformator innerhalb der Kirche. Er ist der Gründer des Ordens der Prämonstratenser. Vor 875 Jahren starb er in Magdeburg.

Ein sorgenfreies Leben

Norbert von Xanten ist — vermutlich — Norbert von Gennep. Ein Adliger, dem das Schicksal des Zweitsohnes zuteil wurde. Der ältere Bruder war bereits als Erbe in die weltliche Dynastie eingestiegen. Der jüngere, Norbert, wurde schon als Zwölfjähriger ins Stift von Xanten geschickt — samt üppiger Pfründe. Die Stiftsherren wussten aufgrund etlicher Stiftungen wohl zu leben.

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Norbert wurde zunächst kein Priester, sondern verblieb auf der zweiten Stufe der Weihen dahin: Er war in Xanten Subdiakon und nahm als geistiger Begleiter Kaiser Heinrich V. an dessen Romzug teil und kehrte offenbar nachdenklich in die Heimat zurück.

Die Investitur aus der Hand des Kaisers — die machte ihm zumindest zu schaffen. Es folgte die Wende: Norbert war angetan von der Reformbewegung, die Papst Benedikt VII. ausgelöst hatte und predigte fortan deren Werte: die Besinnung auf die Werte der Urkirche. Norbert versuchte in Xanten, seine Mitbrüder und die Priester von dem Verzicht aufs Weltliche, auf Christus und seine Armutslehre zu fixieren, stieß aber auf Widerstand. 1115 wurde Norbert endlich zum Priester geweiht, er zog fortan durch die Lande, predigte Armut, Gemeinschaft, Hilfsbereitschaft. Und er fand eine schnell wachsende Gemeinde, die ihm folgte.

Papst Kalixt II. bereitete dem umherziehenden Tross in Frankreich ein Ende. Er riet dem Bischof von Laon, Norbert einen Platz für ein Kloster zu übereignen. Norbert nahm eher widerstrebend an, blieb im nordfranzösischen Prémontré (daher Prämonstratenser), verwirklichte zumindest einen Teil seiner Ideen. Männer und Frauen (getrennt!) widmeten sich in seinem Kloster Norberts Ur-Christentums-Gedanken. Norbert schuf in seinen Klöstern, die er fortan in unbändigem Taten- und Wanderdrang ins Leben rief, eine bischofsfreie Zone. Er war Vater, war Bischof, war Abt, war (teilweise zumindest) Gerichtsherr zugleich. Eine keinewegs katholisch-unterwürfige Art. Aber der Heilige Bernhard urteilte anerkennend, Norbert sei das "Sprachrohr Gottes".

In Magdeburg aufgeräumt

Dann kam die nächste Wende. Papst Honorius II. und König Lothar II. beriefen ihn zum Bischof von Magdeburg. Norbert nahm das von ihm keineswegs angestrebte Amt an. Unterwürfig, als Gefolgsmann der Kirche, wie der in Rom residierende Generalabt der Prämonstratenser, Thomas Handgrätinger, gerade noch in Xanten betonte. In Magdeburg räumte Norbert auf. Die Priester hatten den Zölibat einzuhalten, Besitzstände wurden in Frage gestellt. Und auch von Magdeburg aus gründete er weitere Klöster, u. a. in Cappenberg — das älteste Prämonstratenser-Kloster östlich des Rheins. Der später selig gesprochene Gottfried von Cappenberg vermachte ihm dafür Haus und Hof. Doch als Gottfried später einmal nach Magdeburg kam, reiste er nach einem Tag wieder ab. Norbert war ihm zu niedergelassen geworden.

Bei einer Reise nach Rom, wo er vom Papst mit allen Ehren empfangen worden war, hatte sich Norbert mit Malaria infiziert. Er starb am 6. Juni 1134 in Madgeburg. Erst 1582 erlaubte Papst Papst Gregor XIII. dem Prämonstratenser-Orden, ihn als heiligen Bischof und Bekenner zu feiern. Norberts Grab findet sich heute in Prag. Dorthin war der Leichnam aus dem protestantisch gewordenen Magdeburg im Jahr 1627 überführt worden.

(RP)