1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Kleve: Das Memento Mori in der Moderne

Kleve : Das Memento Mori in der Moderne

Für die große Sommerausstellung des Museums Kurhaus ab Juli beschäftigen sich zehn internationale Künstler der Gegenwart mit dem Verhältnis von Sterblichkeit und Ewigkeit. Als lokaler Bezugspunkt dient ihnen das Moritzgrab.

Der Sommer im Museum Kurhaus wird düster. Oder doch nicht? Zehn internationale Künstler der Gegenwart finden für die große Ausstellung ab Juli Antworten auf das Verhältnis von Sterblichkeit und Ewigkeit. Und die könnten - schaut man sich das Repertoire der angefragten Künstler an - durchaus abstrakt und knallbunt werden. "Et in Arcadia Ego - Weltchaos & Idylle" lautet der Arbeitstitel der Schau, die vom 12. Juli bis zum 20. September an der Tiergartenstraße zu sehen ist. "Das ist eines der größten Experimente des Jahres in unserem Haus", sagt Museumsleiter Professor Harald Kunde.

Die Ausstellung geht - der Titel lässt es erahnen - von der lateinischen Sentenz "Et in arcadia ego" (dt. "Auch ich war in Arkadien") aus. Ein Satz, der in bildender Kunst wie Literatur gleichermaßen breite Rezeption gefunden hat. Giovanni Francesco Barbieri bringt ihn um 1620 mit Totenkopf auf die Leinwand, lässt ihn zwei Hirtenjungen inmitten der Arkadien-Pracht daran erinnern, dass sie sterblich sind. Schiller beginnt sein Gedicht "Resignation" mit den Worten, Ingeborg Bachmann veröffentlicht eine gleichnamige Erzählung. Die Sentenz kreist um das Verhältnis von Tod und ewigem Leben, von Angst und Sehnsucht.

Wie aber könnten aktuelle Antworten bildender Künstler auf das Thema aussehen? In das Museum Kurhaus sind Vertreter unterschiedlichster Stilrichtungen aus England, Belgien, Deutschland und USA eingeladen. "Der bekannteste Name dürfte Louise Lawler sein", sagt Harald Kunde, der die Ausstellung kuratiert. Lawler arbeitet mit Fotografien, Materialbildern und Installationen, ihre Werke waren schon im Museum of Modern Art in New York oder dem Museum Ludwig in Köln zu sehen.

Als historischer und lokaler Bezugspunkt dient ihr und den neun weiteren Künstlern die Grab-Tumba des brandenburgischen Statthalters Johann Moritz von Nassau-Siegen. Wenige Autominuten vom Museum Kurhaus entfernt ließ Johann Moritz die Anlage 1678 nach antikem Vorbild errichten. Das eigentliche Grab des Statthalters befindet sich in der Fürstengruft von Siegen. Das Klever Monument ist im Grunde genommen also Kulisse und dient dem Museum Kurhaus zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Vorstellungen von Unsterblichkeit. Es ist Projektionsfläche für die Künstler, die sich mit Vergänglichkeit und Sehnsucht auseinandersetzen werden. Die Auswahl der eingeladenen Künstler orientiert sich an der Intensität und Vielfältigkeit ihrer bisherigen Arbeiten, wie Kunde betont. Sie umfasst nicht nur alle Medien sondern auch mehrere Generationen von Künstlern.

Im Jahresprogramm ordnet sich die Ausstellung ab Juli zwischen zwei historischen Projekten ein. Ab März dreht sich im Museum Kurhaus alles um "Ewald Mataré: Die Berliner Jahre". Die Schau konzentriert sich pünktlich zum 50. Todestag auf das Frühwerk des Künstlers. Neben bekannten Skulpturen werden selten gesehene anatomische Skizzen, Porträtauftragsarbeiten und zum ersten mal überhaupt impressionistische Gemälde und expressionistische Aquarelle gezeigt.

Im Herbst eröffnet dann die Ausstellung über den einzigen aus Kleve stammenden Rembrandt-Schüler Govaert Flinck. Sein 400. Geburtstag ist Anlass, sich dem Werk umfassend zu widmen. Dabei soll sowohl seine Nähe und Abhängigkeit zu Rembrandt als auch seine Entwicklung als eigenständiger Künstler dargestellt werden. Alle Ausstellungen werden von umfangreichen Publikationen begleitet.

(lukra)