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Goch: Das Gocher Prinzenpaar bei der Arbeit

Goch : Das Gocher Prinzenpaar bei der Arbeit

Der Asperdener Karnevals Verein (AKV) stellt mit Manfred I. (Strötges) und Angelina I. (Stockmans) die neuen Tollitäten. Der Prinz arbeitet bei der Sparkasse in Kleve, die Prinzessin als staatlich anerkannte Erzieherin in Neuss.

Es gibt Sätze, die müssen in so einem Gespräch einfach fallen. Weil es sich so gehört, weil alle anderen genau diese Sätze hören wollen — und weil sie vermutlich sogar stimmen. Also gleich zu Beginn: Karnevalsprinz in Goch zu sein, davon hat er natürlich "immer schon geträumt", das ist "eine ganz besondere Ehre" und überdies die "Krönung der karnevalistischen Laufbahn". Für die angehende Prinzessin gilt selbstverständlich dasselbe.

Angelina Stockmans arbeitet als Erzieherin in Neuss. Das begleitende Studium ruht derzeit. Foto: KLAUS-DIETER STADE

Damit wäre der obligatorische Teil frühzeitig erledigt und sie kann beginnen, die Hintergrund-Geschichte, die das private und berufliche Leben der beiden neuen Gocher Regenten kurz vor der Prinzenkür bis ins kleinste Detail ausleuchtet. Schließlich will die Narrenschar vor dem morgigen Abend wissen, wer da in dieser Session an der Spitze des Karnevals steht.

Wie es sich gehört, erhält die Dame dabei den Vortritt. Angelina Stockmans, oder Angelina I., wie sie in den kommenden Wochen und Monaten heißen wird, ist 28 Jahre alt und gebürtige Gocherin. Als staatlich anerkannte Erzieherin arbeitet sie mittlerweile in Neuss und könnte aufgrund des Wohnsitzes in Kessel als pendelnde Prinzessin bezeichnet werden. Das Studium, das sie zur Fortbildung vor zwei Semestern begonnen hat, ruht vorerst.

Und das ist auch gut so, denn Angelina I. musste in den letzten Wochen immer wieder einige Zeit darauf verwenden, ihre Arbeitskollegen in der karnevalsfremdelnden Schützenhochburg Neuss über die Gepflogenheiten des Gocher Karnevals aufzuklären: "Nein, ich brauche den Urlaub tatsächlich, denn die Prinzessin kann hier nicht einfach zwischendurch mal bei einem Auftritt fehlen. Nein, auch nicht ausnahmsweise." Da half der jungen Frau, dass sie es gewohnt sein dürfte, ihr Umfeld von der Bedeutung des Karnevals für sie persönlich zu überzeugen. "Ich bin die Einzige in meiner Familie, die im Karneval aktiv ist", sagt Stockmans schon beinahe entschuldigend.

Im Alter von neun Jahren trat sie der KCC-Tanzgarde bei und wechselte 2007 durch eine Freundin von ihr zum AKV. Vier Jahre später hielt Strötges um ihre karnevalistische Hand an. Dazu hatte sich der Mann mit dem markant gezwirbelten Bart das Gardebiwak, also den für einen Asperdener Karnevalisten romantischst möglichen Zeitpunkt ausgesucht. Stockmans sagte spontan Ja und das Gocher Prinzenpaar des Jahres 2014 stand fest.

Dabei hat der Prinz aus Gocher Sicht einen klitzekleinen Makel: Er arbeitet nämlich in der falschen Stadt. Ausgerechnet bei einem Klever Kreditinstitut ist er in der Darlehensbuchhaltung beschäftigt. Das diesbezüglich allzu vorhersehbare Raunen weiß der künftige Regent allerdings souverän mit karnevalistischer Diplomatie zu besänftigen: "Der Klever Karneval ist wie der Mainzer Karneval und der Gocher Karneval ist wie der Kölner Karneval. Es gibt auf jeden Fall Unterschiede — aber das ist auch gut so. Mir gefällt das."

55 Jahre alt ist Strötges, verheiratet und Vater von drei Kindern im Alter von 19, 21 und 24 Jahren. "Alle närrisch", wie er nicht ohne väterlichen Stolz verkündet. Sein karnevalistischer Werdegang begann bei der Landjugend und führte ihn zu den Wagenbauern, wo er inzwischen seine feste Heimat gefunden hat.

Als Hobbys gibt die Prinzessin in spe abschließend das Trainieren der Mini-Garde an, der gebürtige Bergisch-Gladbacher beispielsweise "Radfahren und Paddeln auf der Niers sowie anderen Flüssen". Und die Nennung der liebsten Freizeitbeschäftigungen ist deswegen von Bedeutung, weil die beiden in den kommenden Wochen bekanntlich zu nichts davon kommen werden. Bis zum Rosenmontag am 3. März stehen ihnen zwei Monate mit unzähligen Helau-Rufen bevor.

(RP)