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Kleve: Das Gesicht des neuen Geschäftshauses

Kleve : Das Gesicht des neuen Geschäftshauses

Prof. Johannes Ringel stellte auf der Bürgerversammlung im Audimax der Hochschule Rhein-Waal erste Ansichten der Planung für den Minoritenplatz vor. Rund 200 Bürger diskutierten mehr als drei Stunden über die Stadtentwicklung

Als Kleves Technischer Beigeordneter Jürgen Rauer um 23.26 Uhr sein Schlusswort sprach, hatten rund 200 Klever Bürger im Audimax dreieinhalb Stunden intensiv um die City ihrer Stadt gerungen, hatten Pro und Kontra Minoritenplatzbebauung ausgetauscht. Flammend die Rede wider den Bau von Wolfgang Paterok (XOX-Theater), nicht minder flammend das Pro von Kleves Bürgermeister Theo Brauer (CDU). Auf den Punkt die Analyse von Hedwig Meyer-Wilmes (Grüne): "Wir dürfen die Entwicklung der Stadt nicht stoppen, wir müssen Kleve weiter entwickeln. Gerade im Rat haben alle Fraktionen genau wie heute Abend intensiv diskutiert. Jetzt haben wir ein Projekt. Stadtentwicklung heißt, dass man Entscheidungen trifft. Für oder gegen dieses Projekt. Aber wir tun nichts Gutes, wenn wir nicht entscheiden".

Bürgermeister Theo Brauer steht hinter dem Neubau. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Die untere Hälfte des Audimax war gut gefüllt, als Rauer die Gäste zur Bürgerinformation über die neue Unterstadt begrüßte. Er blendete zurück in die Anfänge der Diskussion um 1999. Nach dem "Aus" für den Multi-Entwurf wurde die Stadt neu überplant, der Minoritenplatz von der mehrspurigen Straße befreit wie der Opschlag von der dreispurigen Einfallstraße, die Wallgrabenzone sollte frei bleiben und Park werden. Das berücksichtigt auch der neue Sontowksi-Entwurf.

Erste Ideen zur Ansicht des neuen Geschäftshauses: Für die Befürworter im Saal ansprechend, offen, hell, für die Gegner ein Sperr-Riegel oder "Bunker". Foto: RKW

Architekt Prof. Johannes Ringel hatte zur Diskussion auch endlich Ansichten des geplanten Baus aus der Fußgängerperspektive vorbereitet. Mit großen Fenstern in einer modernen Fassade. Das seien erste Ideen, erklärte Ringel. Es soll auch möglich sein, dass die Tiefgarage der Deutschen Bank vom der Tiefgarage des Sontowski-Baus angefahren werden kann. Wenn der Rat beschließe, dass er weiterplanen kann, werde er auch gerne mit den Bürgern über die Steine und Farben der Fassaden diskutieren, sagte Ringel. Für die Befürworter im Saal waren diese ersten Entwürfe ansprechend, machten einen offenen, hellen Eindruck, die Gegner sahen in dem Bau einen Sperr-Riegel zur Hochschule oder einen "Bunker".

Wolfgang Paterok führte Argumente an gegen den Bau: Der sei zu groß und trenne als Riegel die Stadt. Mit den neuen Geschäften, die möglicherweise die gleichen Angebote haben werden wie die in der City, gefährde ein solches Geschäftshaus den Einzelhandel. Paterok erinnerte an die begeisternden Workshops, die der Bürgerbefragung zur Unterstadt vorausgegangen waren. "Das war erst eine Sternstunde der Demokratie, dann folgte ein undurchsichtiges, von der Stadt gewähltes europäisches Verfahren, in dessen Zuge die Voraussetzungen geändert wurden", sagte Paterok. "Warum wurde die Bank ans Wasser gesetzt?", fragte der Theatermann. Und schnell fokussierte sich die Diskussion auf den Neubau der Volksbank, die sich, so Architektin Julia Blank, an den Kanal "quetsche". Zur Vergabe an die Bank sagte Kleves Kämmerer Willibrord Haas: "Es sollten auch, wie beim Hotel, regionale Investoren berücksichtigt werden.". Brauer lobte die konstruktive Kritik an den Plänen, die zu dem jetzt vorliegenden Entwurf geführt habe, der von sehr vielen Klever Bürgern als architektonisch gelungen anerkannt werde. Er stehe zu diesem Bau, weil man damit Kleves Stadtentwicklung endlich weiter bringe.

Die Stadt Kleve müsse sich entwickeln, nach vorne schauen. Angst vor Entwicklungen dürften nicht zur Stagnation führen — das schade der Stadt letztlich viel mehr, sagte ein junger Befürworter des Baus.

Die neuen Kunden für die bis zu acht neuen Geschäfte sollen durch die Werbung der Ankermieter bis zu 30 Kilometer tief in die Niederlande (so Sontowksi-Entwickler Thomas Riek) ebenso gewonnen werden, wie durch die Klever, die dann nicht mehr nach Bocholt oder Oberhausen zum Einkaufen fahren müssen. Deshalb möchte Sontowski vor allem die von den Klevern gewünschten Anbieter berücksichtigen. "Kleve hat eine glänzende wirtschaftliche Entwicklung, die neue Hochschule und eine wachsende Bevölkerung", sagte Riek. Er werde seine Mietverträge auf zehn Jahre anlegen, könne aber keine Garantie geben, den Bau über zehn Jahre oder länger in Besitz zu haben. Man werde unterm Strich Kleve bereichern, verspricht Riek. Es sei allerdings nicht auszuschließen, so Rauer, dass es auch innerhalb der Stadt zu Umschichtungen komme.

(RP/rl)