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Das erste Klever Autokino kommt bei den Besuchern gut an

Kulturelles Leben in der Corona-Krise : Volle Reihen beim ersten Klever Autokino im Tichelpark

Am Ostermontag feierte das Autokino im Klever Tichelpark Premiere. Für die Rettung des Kinos wurden bisher 15.000 Euro gespendet.

Die Corona-Krise setzt im Tichelpark besondere Kräfte frei. Nicht nur, dass Kino-Chef Reinhard Berens binnen weniger Tage das erste Klever Autokino auf die Beine stellte. „Das war ein Kraftakt“, sagt er. Viele Besucher nutzen den Anlass auch, um endlich mal wieder die Scheiben ihres Fahrzeugs zu reinigen.

„Das war sowieso mal bitter nötig. Doch wenn wir die Scheibe jetzt nicht sauber gemacht hätten, hätten wir wohl nicht mehr viel vom Film gesehen“, sagt Clemens Meinders. Der Klever war am Ostermontag einer von 100 Besuchern, die sich auf der 60 Quadratmeter großen LED-Leinwand auf dem Parkplatz vor dem Kino den Filmklassiker „König der Löwen“ ansahen. Täglich sollen künftig drei Vorstellungen angeboten werden. Jeweils um 14 Uhr werden Kinder-Filme gezeigt, um 17 Uhr sowie um 20.30 Uhr folgen Streifen für Erwachsene. Tickets gibt´s nur im Internet.

Möglich gemacht hat das Autokino erst die Spendenbereitschaft der Klever, erklärt Berens. Vor einigen Tagen rief er in der Öffentlichkeit zu finanzieller Unterstützung auf, mittlerweile sind so 15.000 Euro zusammengekommen. Weitere Unternehmer hätten ihre Hilfe bereits zugesichert. „Bei den Spenden geht es ja nicht hauptsächlich darum, die LED-Leinwand zu finanzieren. Mit diesen Spenden haben die Menschen ihre Absicht erklärt, das Klever Kino zu retten“, sagt Reinhard Berens. Immerhin bleiben wegen der Schließungsverfügung seit Wochen Besucher und damit die Umsätze aus. „Dass die Unterstützung so groß sein würde, hätte ich mir aber nicht vorstellen können“, sagt er.

Eines hat der Ostermontag bewiesen: Das Konzept Autokino wird angenommen. 20 Euro kostet das Ticket – pro Fahrzeug, nicht pro Person. Allerdings ist es wichtig, wer und wie viele Menschen im Fahrzeug sitzen. Den Corona-Verordnungen nach dürfen zwar Erwachsene mit ihren Kindern, nicht aber etwa mehrere Freunde am Erlebnis Autokino teilnehmen. Der QR-Code wird durch die Scheibe eingelesen, Kino-Mitarbeiter weisen den richtigen Platz ein. Sogar Popcorn, Nachos und Kaltgetränke werden beim Eingang gereicht. „Das gibt es bei den meisten Autokinos im Land nicht, wir sind da gewissermaßen Vorreiter“, sagt Berens.

Über die Welle UKW 106,2 hören die Kino-Gänger die Stimmen der tierischen Protagonisten Simba, Nala und Mufasa durchs Autoradio. „Das läuft wirklich reibungslos und vor allem ohne direkten, menschlichen Kontakt. Das Flair hier erinnert mich stark an meine Jugend, als die Autokinos noch voll im Trend lagen“, sagt der 52-jährige Meinders, der sich die Neuverfilmung des Disney-Klassikers zusammen mit seiner Frau ansah. „Die Leinwand ist wirklich gut zu erkennen. Da habe ich vorher so meine Zweifel gehabt. Und das, obwohl es noch nicht richtig dunkel ist“, sagt er weiter.

Noch bis mindestens Ende des Monats soll das Autokino währen. Schon jetzt sind einige Vorstellungen restlos ausverkauft. Doch Berens schließt nicht aus, dass das Modell Schule macht. „Open-Air-Kino wird für uns sicher auch nach der Corona-Zeit ein Thema bleiben. Die Nachfrage ist da. Die Leute fahren ja praktisch mit ihrem Wohnzimmer vor und können sich alles genau so einrichten, wie sie es gerne hätten“, sagt er. Kerzen anzünden, die Sektkorken knallen lassen, sich in Decken einpacken– all das gehöre beim Autokino dazu.