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Kranenburg: Das Einkaufsparadies der Niederländer

Kranenburg : Das Einkaufsparadies der Niederländer

Die Menschen aus dem Nachbarland haben die Grenzfeste Kranenburg inzwischen als Einkaufsort für günstige Lebensmittel und Zigaretten entdeckt. Und auch beim Benzin können die Holländer mittlerweile viel Geld sparen.

Die Zeiten, in denen man in die Niederlande fuhr, um sich günstig ein paar Pakete Tabak zu kaufen, sind Geschichte. Jetzt kaufen die Holländer ihre Zigaretten in Deutschland — und zwar stangenweise. An der Kranenburger Aral-Tankstelle hat Pächter Daniel Cloosters (32) ein Schild angebracht. Auf dem wird vorgerechnet, wie viel Euro man spart, wenn man eine Stange "Pall Mall" beim ihm, statt in den Niederlanden kauft. Pro Packung sind die Zigaretten ein Euro teurer, zehn Euro ist derzeit die Ersparnis bei einer Stange. Doch sind die Zigaretten nur der nette Nebeneffekt bei Cloosters.

 Aral-Tankstellen, Klever Straße, Kranenburg: Bis auf die Fahrbahn staut sich der Verkehr.
Aral-Tankstellen, Klever Straße, Kranenburg: Bis auf die Fahrbahn staut sich der Verkehr. Foto: Gottfried Evers

Sein Kerngeschäft ist Benzin und da gibt es derzeit kaum mehr Grenzen. Während an ruhigen Wochentagen die Autoschlange an der Tankstelle bis auf die Klever Straße steht, regiert am Wochenende das Chaos auf der Kranenburger Hauptstraße. Bis zum Kreisverkehr staut sich der Verkehr. Den Grund für den enormen Umsatz ist der große Preisunterschied zu den Niederlanden. "Ich spare hier pro Tankfüllung acht Euro. 20 Cent beträgt derzeit der Unterschied pro Liter zu den Niederlanden", sagt G. K. Pollmann. Der 74-Jährige ist aus der Nachbargemeinde Groesbeek über die Grenze gefahren, um seinen japanischen Mittelklassewagen vollzutanken. Cloosters, der seit neun Jahren die Tankstelle führt, freut sich über den Boom: "Das ist schon extrem. Ich kenne viele Kranenburger, die jetzt lieber nach Kleve fahren, um dort in Ruhe einzukaufen." Die Grenze des Erträglichen scheint für einige erreicht.

 Marianne (72) und Gerard (77) Hooren lieben den Rotwein von Aldi: Sie sparen hier mehr als 55 Euro.
Marianne (72) und Gerard (77) Hooren lieben den Rotwein von Aldi: Sie sparen hier mehr als 55 Euro. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Ein Grund für den Kauf-Boom ist, dass in den Niederlanden im vergangenen Jahr die Mehrwertsteuer auf 21 Prozent erhöht wurde. Anfang 2013 stieg die Alkoholsteuer drastisch auf bis zu 18 Prozent an. Nicht nur Benzin und Tabakwaren sind derzeit in Deutschland erheblich günstiger als jenseits der Grenze. Vor allem die gesuchten Hochprozenter, die man in der Regel mit Schirmchen kredenzt, werden stark nachgefragt.

In der Kranenburger Rewe-Filiale stehen Demi Hermsen (18) und ihr Vater Pierre (49). Sie kaufen für die Geburtstagsparty der Tochter ein. Ihr Wagen wird gerade vollgepackt wie 'ne Schrankwand. Neben einigen Flaschen mit rot-leuchtendem Inhalt haben sie sich für etwa 15 Liter Qualitätswein Rheinhessen entscheiden. 1,50 Euro ist die Flasche in ihrer Heimat teurer. "Es ist alles viel billiger hier und zudem ist die Auswahl bei alkoholischen Getränken größer", sagt Vater Pierre.

Vor dem Rewe-Markt stehen Rene Massen (59) und seine Frau Lenn (54). Sie kommen 30 Kilometer aus Arnheim angereist, um in Kranenburg Cola und Weinbrand zu kaufen. "Wir haben zwei Flaschen Weinbrand für insgesamt 12,50 Euro mitgenommen. Allein an diesen beiden Flaschen sparen wir zehn Euro", sagt Rene Massen.

Auch im angrenzenden Getränkemarkt der Rewe-Filiale kommt keine größere Langeweile auf. Deutsche Biere stehen bei den Niederländern hoch im Kurs. An einer Kiste Weizenbier sparen die Kauf-Touristen zehn Euro. Sechs Kisten packt sich Wim Janzen in seinen Kombi und freut sich über sein Schnäppchen.

Neben dem Rewe-Markt ist die Kranenburger Einkaufsarena ein Magnet für niederländische Kunden. Es ist Montagmittag und nicht der umsatzstärkste Wochentag — doch der Parkplatz vor dem gerade erst vergrößerten Aldi-Markt ist voll wie die A 40 nach Feierabend. Die Nummernschilder vor der Filiale sind zu 90 Prozent gelb. David Walter ist Aldi-Filialleiter in Kranenburg, weiß warum sein Laden brummt: "Es sind die enormen Preisunterschiede. Die Spirituosen sind in den Niederlanden etwa doppelt so teuer wie hier. Aber es sind nicht nur die Getränke." Walter geht zu der Auslage, hebt ein Paket Weintrauben für 1,99 Euro hoch und erklärt: "Die kosten in den Niederlanden 3,98 Euro." Der Filialleiter weiß, welche Schatzkiste sein Laden derzeit ist. "Wenn ich zur Spätschicht komme, habe ich ich manchmal Probleme, einen Parkplatz zu finden. Wir haben Kunden, die kommen alle zwei Wochen aus Rotterdam."

Aus Rotterdam kommen Gerard (77) und Marianne Hooren (72) nicht, aber aus dem 25 Kilometer entfernten Grave. Sie haben 48 Flaschen Rotwein in ihren Einkaufswagen geladen. Sie sparen etwa 1,15 Euro pro Flasche, sagen sie. Das sind mehr als 55 Euro. "Das ist schon eine Menge Geld, aber wir sparen gleich noch mehr, denn jetzt tanken wir noch einmal voll", sagt Gerard Hooren und freut sich auf den nächsten guten Einkauf direkt hinter der Grenze.

(RP/rl)