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Das bietet Ralf Seeger in seinem neuen Restaurant in Kranenburg​

“Helden Bistro“ : Das bietet Ralf Seeger in seinem neuen Restaurant in Kranenburg

TV-Tierschützer Ralf Seeger bietet in seinem neu eröffneten Restaurant im Herzen von Kranenburg vegane Speisen an. So will der 59-Jährige ein Zeichen gegen Tierleid setzen – und zum Nachdenken anregen. Das Lokal soll zu einem kulturellen Zentrum avancieren.

In der nächsten Woche wird es für Ralf Seeger wieder ernst. Die ukrainische Frontlinie wartet, der TV-Tierschützer wird Leben retten. Affen, Hunde, Katzen, Geparde – die Haustiere sind in akuter Gefahr. Der Kranenburger sammelt sie ein und bringt sie an einen sicheren Ort. Nun nimmt er ein Kamerateam mit, das Leid soll den Weg in die deutschen Wohnzimmer finden. Ein paar Tage Ruhepause aber hat Ralf Seeger noch. Und die nutzt er: Am Wochenende hat der 59-Jährige sein Lokal „Veganes Helden Bistro“ auf der Großen Straße in Kranenburg feierlich eröffnet. Ein Erfolg.

„Hunderte Leute waren hier, es kamen immer wieder neue. Genau so habe ich mir das vorgestellt. Wir konnten zeigen: Vegan kann auch lecker sein. Ich will zum Nachdenken anregen. Die Leute sollten sich die Frage stellen, ob es wirklich noch nötig ist, Fleisch zu essen und damit für Tierleid zu sorgen. Es muss ein Umdenken stattfinden“, sagt Ralf Seeger, der eine bewegte Geschichte hinter sich hat, über die bereits ein Buch veröffentlicht wurde und die aktuell aufwendig verfilmt wird. Der Tausendsassa lebte in einem Heim für Schwererziehbare, war Mitglied der Fremdenlegion und bei den Hells Angels aktiv. Der Kranenburger machte sich als Kampfsportler, als Tierschützer und als Türsteher in der Region einen Namen. Einst gefürchtet, hat er heute Fans in ganz Deutschland.

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Schon seit 14 Jahren lebt der Tierschützer vegetarisch, oder wie er sagt: vegan mit Ausnahmen. Gelegentlich greift Ralf Seeger noch zum Yoghurt oder zum Ei. „Als ich angefangen habe, mich in Richtung vegan zu orientieren, war das ganz schwierig. Zumal ich viel Nahrung und Energie brauche. Damals gab es aber noch kaum vegetarische oder vegane Produkte in den Supermärkten oder solche Lokale. Heute ist das ganz anders. Vegan ist ein riesen Markt geworden“, sagt Tierschützer Seeger.

Schon im Frühjahr habe er sein Lokal in der Grenzgemeinde eröffnen wollen, doch dann kam der russische Angriffskrieg. Ralf Seeger glaubt, in der Pflicht zu stehen, in Osteuropa („Das ist direkt vor unserer Haustüre“) zu helfen. Dafür nimmt er Lebensgefahren in Kauf. Schon mehrfach reiste Seeger in die Ukraine. Nachts wurde er vom Geheul der Raketen wachgerüttelt, im Straßengraben sah er Leichen. „Ich habe Glück, dass die meisten russischen Geschütze nicht sehr genau sind“, so Seeger.

Für das kleine Lokal, in dem sich zuvor eine Sisha-Bar befand, habe er eine vegane Köchin engagiert. Sie soll künftig bis zu vier Tage in der Woche in der Küche stehen. Die Öffnungszeiten stehen noch nicht fest, erst will Ralf Seeger noch einmal an die Front. Ende August soll es dann im Bistro so richtig losgehen. Filets, Schnitzel, Spieße, Hamburger und viel Gemüse stehen auf der Speisekarte. Die meisten Gerichte setzen auf Weizen, Tofu oder Seitan als Grundlage. „Es gibt mittlerweile viele Produkte. Aber man muss differenzieren, denn nicht alles schmeckt“, so Seeger. Er will gehobene Küche zu bezahlbaren Preisen anbieten. „Das soll hier kein Fast-Food-Tempel werden. Ich lege Wert auf Qualität. Es geht nicht darum, auf Teufel komm raus 30 Gerichte auf die Karte zu bringen. Es wird fünf feste Gerichte und einige Specials geben, die bei den Menschen ankommen“, so Ralf Seeger.

Doch ist der vegane Markt in Kranenburg so groß? Ralf Seeger gibt sich zuversichtlich. „Auch hier gibt es immer mehr Menschen, die sich von Fisch und Fleisch abwenden. Die Leute beschäftigen sich damit, was sie essen und wo das Essen herkommt. Ich kenne auch in der näheren Umgebung viele Menschen, die vegan leben“, so Seeger. Die Preise seien moderat, ums große Geld geht es dem TV-Tierschützer nicht. „Ich brauche dieses Lokal nicht, um zu existieren. Wenn sich das irgendwann mal ammortisiert, bin ich schon zufrieden. Daher muss ich die Bude auch nicht jeden Tag aufreißen und auf Kunden warten“, so der Kranenburger.

In der Nachbarschaft hat sich der vegane Geist allerdings noch nicht durchgesetzt. Links gibt es eine türkische Dönerbude, rechts einen kurdischen Imbiss. Fleisch steht bei den Kollegen im Mittelpunkt. Für Ralf Seeger ist das aber ein Zeichen dafür, dass sich in der Gastrobranche etwas tut. Auch im beschaulichen Kranenburg. „Zusammen bilden wir eine super Symbiose. Ich kenne die Jungs seit Jahren und wir ergänzen uns hier im Ort. Jeder macht, was er am besten kann“, so Seeger.

Der Gastronom hofft darauf, dass sich das Bistro in den nächsten Jahren zu einem kulturellen Zentrum entwickelt. Parteien habe er bereits zu sich eingeladen, Lesungen sollen in den Räumen stattfinden, Geburtstage gefeiert werden. Im hinteren Bereich werden zudem Thai-Massagen angeboten. Aber seriöse, darauf legt Ralf Seeger Wert. „Es geht darum, den Menschen etwas zu geben, ihnen eine tolle Zeit zu bereiten. Bei uns im Bistro sollen sich die Menschen treffen und genießen“, sagt Seeger.