Dachdeckerinnung wirbt für die Ausbildung in ihrem Handwerk

Handwerk : Hoch hinaus als Dachdecker

Eine Marketingagentur hat eine Werbebroschüre für die Dachdeckerinnung erstellt. Das Motto: „Oben ist der Weg nach vorne“ und soll das Image der Branche verbessern. Zudem wollen die Verantwortlichen vermehrt in die Schulen gehen.

 Man stelle sich vor, es gibt keine Dachdecker mehr. Oder nur noch ganz wenige. Dann bleibt die schützende Hülle des älteren Hauses porös, durch fehlende Dachpfannen regnet’s herein, Neubauten werden erst gar nicht fertig. Gar nicht so weit weg von der Realität, diese Vision, versichern die Vertreter der Innung, denn der Nachwuchs bleibt aus. Wenige Monate vor Beginn des neuen Ausbildungsjahrs hat noch kaum ein Meister seine künftigen jungen Kollegen kennengelernt, und ob das überhaupt noch rechtzeitig geschieht, steht in den Sternen. Ralf Matenaer, der Obermeister der Dachdecker im Kreis Kleve, und Lehrlingswart Markus Gerke berichteten der Presse jetzt im Beisein einiger Berufskollegen, was sie sich ausgedacht haben, um die Situation zu verbessern.

Denn die Entwicklung einfach hinzunehmen ist keine Option. „Vielleicht haben Sie schon selbst erlebt oder von Bekannten gehört, wie schwierig es ist, einen Dachdecker zu bekommen“, sagte Matenaer. Die Auftragsbücher sind voll, die Kunden stehen Schlange - ein zukunftssicherer Job. Dennoch kommen kaum Bewerbungen auf die Schreibtische der Firmenchefs. Die Innung hat nun eine professionelle Marketingagentur beauftragt, eine Imagebroschüre namens „Oben ist der Weg nach vorn“ zu erstellen, die jungen Männern und durchaus auch Frauen die Vorteile des Berufs nahe bringen soll. Und die Berufsvertreter sind entschlossen, jede Chance zu nutzen, für ihr Metier zu werben. Insbesondere in den Schulen und auf Ausbildungsplatzbörsen wollen sie intensiver als bisher für das Dachdeckerhandwerk werben.

Die Vorurteile oder Bedenken sind altbekannt und halten sich: elende Schlepperei, gefährlich, arbeiten bei schlechtem Wetter. Sicher nicht alles von der Hand zu weisen, aber es muss deutlich relativiert werden, sagen die Berufsvertreter. „Jede Firma hat heute einen Kran, der das ,Schleppen’ schwerer Materialien übernimmt. Die Berufsgenossenschaft achtet sehr darauf, dass die Sicherheit am Bau beachtet wird, und auch in der Ausbildung ist das schon ein ganz wichtiges Thema. Natürlich müssen die Kollegen auch bei schlechterem Wetter aufs Dach - aber an vielen anderen Tagen genießen sie Sonnenschein und frische Luft“, sagt Matenaer.

Matthias Molderings ist Auszubildender im Dachdeckerhandwerk. Und kann Vergleiche anstellen. „Eigentlich wollte ich Automechaniker werden, habe eine Lehre als Kfz-Mechatroniker begonnen und abgeschlossen. Aber jeden Tag in derselben Halle mit ähnlichen Aufgaben befasst - das gefiel mir nicht so. Als Dachdecker ist man ständig auf anderen Baustellen, jedes Dach hat seine Besonderheiten - das macht mir einfach mehr Spaß. „ Seinem Vater wird’s recht sein, denn der hat ein Bedachungsunternehmen und wird sich darüber freuen, wenn der Junior ins Geschäft einsteigen will.

Robert Velder, Beisitzer und Pressesprecher der Innung, nennen noch ein weiteres starkes Argument für ihren Beruf: „Dachdecker verdienen gutes Geld. Schon in der Ausbildung ist das deutlich mehr als in einigen anderen Berufen, und das bleibt auch als Geselle so.“ Es gebe auch viele Möglichkeiten, sich fortzubilden: „den Meister machen“  natürlich und dann vielleicht einen eigenen Betreib gründen, aber man kann auch Richtung „Betriebswirt im Handwerk“ studieren oder Sachverständiger werden. „Viele wissen nicht, dass es sogar möglich ist, als Meister ohne Abitur noch zu studieren. Einige der Rechtsanwälte, die uns vertreten, haben das so gemacht“, erzählt Frank Molderings.

Markus Gerke, Ralf Matenaer, Robert Velder und Matthias Molderings (v.l.) mögen ihren vielseitigen Beruf. Foto: Anke Gellert-Helpenstein

Vor allem aber geht e natürlich darum, Fachkräfte in die Unternehmen zu holen. Wer einen ordentlichen Hauptschulabschluss hat, körperlich fit und schwindelfrei ist, knn sich bewerben. „Wichtig ist auch Teamfähigkeit“, weiß Matenaers, denn auf dem Dach kommt einer alleine nicht weit. Der Obermeister rät Interessenten, zum Beispiel die Osterferien für ein Praktikum zu nutzen. Denn so erfahre man am besten, ob der Beruf der richtige sei. Übrigens beginnt jede Dachdecker-Ausbildung mit einigen Wochen in der überbetrieblichen Ausbildungsstätte in Geldern, die sich Interessenten nach Anmeldung gerne schon vorab ansehen könnten.