Kreis Kleve: Crashtests für die Unfallanalyse

Kreis Kleve: Crashtests für die Unfallanalyse

Auf dem Event-Gelände des Airport Niederrhein trafen sich jetzt drei Tage lang internationale Unfallanalytiker. Unter anderem erprobten sie neue Technik, mit der sich Unfallstellen genauestens vermessen und dokumentieren lassen.

Ein schwerer Verkehrsunfall auf der Straße Et Grotendonk bei Kervenheim war der letzte Untersuchungsauftrag für Jochen Lehmkuhl, der in Goch ein Ingenieur- und Sachverständigenbüro leitet. Lehmkuhl wird oft von Polizei, Staatsanwaltschaft oder von Versicherungen gerufen, um einen Unfallhergang zu klären.

In Kervenheim gilt es herauszufinden, warum ausgangs einer leichten Rechtskurve ein Verkehrsteilnehmer von der Fahrbahn abkam und gegen einen Baum prallte, wobei er schwer verletzt wurde. Auf dem Event-Gelände des Airport Weeze trafen sich jetzt 30 Unfallanalytiker aus vielen europäischen Ländern, die sich im Verband IbB (Ingenieurbüro Burg) zusammengeschlossen haben.

Schrottautos gekauft

Ein Workshop des IbB ist alles andere als langweilig. Da wird zuvor ein Dutzend fahrbereiter Altautos aufgekauft, was nicht einfach ist, seit die Verschrottungsprämie einen Großteil der alten Schätzchen aus dem Verkehr gezogen hat.

Dann werden mit entsprechender Technik die Autos gewogen, zerlegt und untersucht, erklärt Lehmkuhl. Die Teilnehmer überprüfen, welche Eigenschaften das Fahrzeug vor dem Unfall und danach hatte und wie die Bremsen funktionier(t)en. Wenn all dies dokumentiert ist, folgt die Praxis. Und für die sind viel Platz und menschenleere Fahrspuren nötig. Die Rolle von Unfallopfern nehmen Dummys ein.

  • Fotos : Das ist der Airport Weeze

"Wir stellen Standard-Situationen nach wie Auffahrunfälle oder Kollisionen mit Motorrollern", erklärt Lehmkuhl. Ein Klassiker seien auch Unfälle im Kreuzungsbereich, also das Nicht-Beachten von "Rechts vor links". Die Ergebnisse der Untersuchungen dienen zum Abgleich bereits vorhandener Dateien aus früheren Versuchen und Unfällen.

Jochen Lehmkuhl setzt moderne Technik ein, die noch längst nicht überall genutzt wird. "Mit der 3-D-Scan-Technik lösen wir das bisherige Verfahren ab, bei dem — oft aus der Luft — zahlreiche Fotos gemacht werden müssen und Polizeibeamte Messräder umher rollen und unzählige Kreidestriche auf den Asphalt malen."

Das kann durchaus zwei, drei Stunden dauern, während die Autobahn oder die Landstraße gesperrt wird. "Unser Scanner, der jeden Krümel auf der Fahrbahn und jeden Kratzer an den beteiligten Fahrzeugen erfasst, schafft das in einer Viertelstunde. Die Messungen werden in eine Datei eingespeist, mit deren Hilfe die Unfallsituation exakt nachgestellt werden kann."

Nicht nur schwere Unfälle sind Gegenstand der Tests, auch die ärgerlichen "Park-Wischer" mit anschließender Unfallflucht sind ein dankbares Betätigungsfeld. Mit der richtigen Technik kann so mancher Verkehrssünder überführt werden.

(RP/jul)
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