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Coronavirus Kreis Kleve: Geschäfte und Cafés müssen schließen

Einzelhandel im Kreis Kleve : Geschäfte und Cafés schließen

Jetzt liegt der Einzelhandel in großen Teilen still. Die meisten Geschäfte in der City müssen schließen, Baumärkte, Bäckereien und Lebensmittelläden haben weiter geöffnet. Das trifft den Handel in den Innenstädten schwer.

Mitte März bei strahlendem Sonnenschein im Straßencafé zu sitzen, ist eine wunderbare Sache. Das wissen auch Marion Lange und Theo van der Heus, die am Dienstag, 17. März, auf dem Fischmarkt in Kleve den vorerst letzten Kaffee in der Stadt genießen. „Wir genießen ganz bewusst den Augenblick“, sagt Marion Lange, wohl wissend, dass es jetzt nicht mehr geht. Denn ab dem heutigen Mittwoch, 18. März, ist es damit weitgehend vorbei. Die Bäcker Heicks und Reffeling mit Geschäften in Kleve, Goch und Kalkar werden nur noch außer Haus verkaufen, zur Sicherheit. „Wir werden unsere Cafés schließen und möchten, dass die Kunden dies erfahren“, sagt Joachim Reffeling, der sich mit Kollegen abgesprochen hat. „Dies ist keine Zeit für Alleingänge“, finden die Unternehmer. Das gesamte übliche Sortiment werde vorgehalten, „bloß sitzen kann man bei uns nicht mehr“.

Dorothee Flinterhoff führt in Kalkar ein Geschäft für Schenken, Kochen, Wohnen. „Wir haben am Dienstag zum Schutz der Mitarbeiter und Kunden entschieden, zu schließen“, erklärt die Geschäftsfrau. „Wir stehen hinter dem Plan, einen harten Schnitt zu machen, damit diese Phase schnell vorüber geht. Die Mitarbeiter nehmen einen Teil ihres Urlaubs oder bauen Überstunden ab.“ Weitaus dramatischer schätzt Jürgen Vrede, Inhaber mehrerer Modegeschäfte im Kreis Kleve, die Situation für sein Unternehmen ein. „Ich weiß, dass ich in den kommenden Tagen die Läden schließen muss, für uns geht es jetzt darum, unser Überleben zu sichern. Wir werden Kurzarbeit einführen und versuchen, neue Lieferungen zu stornieren. Dankbar bin ich dafür, dass unsere Vermieter bereit sind, uns die Mietzahlungen auszusetzen. Aber wir Einzelhändler brauchen ganz dringend schnell staatliche Hilfe!“

„Ich hoffe, dass unsere Kunden uns die Treue halten und nicht ins Internet abwandern“, sagt Nina Kiesow, die ihr Leder-Traditionsgeschäft Kiesow an der großen Straße in Kleve ebenfalls schließen muss. Sie plane jetzt, ebenfalls Verkäufe im Internet zu organisieren und einen kostenlosen Lieferservice einzurichten. „Wir müssen uns als Händler neue Dinge einfallen lassen“, sagt sie. Die Krise mit den Geschäftsschließungen treffe den Einzelhandel ins Mark. „Das kann man nicht lange durchhalten“, weiß die Kauffrau. Sie hat zunächst für die kommenden Wochen geplant, dann müsse man weiterschauen und individuelle Lösungen treffen. Erfreut habe sie, dass die Mitarbeiter eine große Bereitschaft signalisiert haben, mit ihr den Weg durch diese schwere Zeit zu gehen.

Für Susanne Rexing vom gleichnamigen Möbelhaus in Kleve fällt der Erstkontakt weg. „Das werden wir in einigen Wochen merken – jetzt arbeiten wir noch unsere Aufträge ab“, sagt die Geschäftsfrau. Bestellte Ware werde weiter ausgeliefert. „Ich werde meine Handy-Nummer ins Fenster hängen – wer möchte, kann eine Einrichtungsferndiagnose bekommen“, sagt Rexing – hoffend, dass die Kunden der City treu bleiben. „Es wäre fatal für die Innenstadt, wenn die Kundschaft ins Internet abwandert“, sagt sie.

Rudolf Swertz wird seine Baumärkte weiter geöffnet haben dürfen. „Das läuft bis jetzt normal bei uns“, sagt Swertz. Den Mitarbeitern habe er einen Katalog an Handlungsanweisungen mitgegeben, wie sie sich möglichst schützen können, sagt der Geschäftsführer.