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Corona in Holland: Unterschiedliche Corona-Schutzmaßnahmen und Bestimmungen

Corona in den Niederlanden : „Wir brauchen deutsche Gäste“

In den Niederlanden geht die Angst vor der zweiten Corona-Welle um. Die Bahn rät von Reisen an die Küste ab. Amsterdam und Rotterdam verschärfen die Regeln. In den Städten an der Grenze sind Gäste noch willkommen.

Gewissermaßen ist es ein Tabu, das die niederländischen Großstädte Amsterdam und Rotterdam seit Mittwoch dieser Woche brechen. Auf bestimmten Einkaufsmeilen und Marktplätzen gilt nun die Maskenpflicht – und zwar nicht nur in Geschäften, sondern auch im Freien. In Amsterdam sind etwa das Rotlichtviertel De Wallen sowie die namhaften Shopping-Boulevards Kalverstraat und Nieuwmarkt von der neuen Regelung betroffen. Hintergrund der Vorschrift ist der rasante Anstieg der Corona-Infektionszahlen in den vergangenen Wochen.

Wurden Anfang Juli tageweise keine Neuinfektionen gemeldet, sind es nun mehr als 500 täglich – Tendenz klar steigend. Insgesamt gibt es aktuell 56.000 bestätigte Fälle in den Niederlanden. Von dieser zweiten Welle sind insbesondere die Großstädte im Westen des Landes, der Metropolregion Randstad, betroffen. Das niederländische Gesundheitsministerium teilte daher nun mit: „Meiden Sie die Stadt, wenn es nicht unbedingt notwendig ist, dort zu sein.“

Und nicht nur das. Auch die niederländische Bahn rät von Reisen an die Küste ab. Zuletzt war es in den Küstenorten zu Besucherströmen gekommen, die die Wahrung des Sicherheitsabstands von anderthalb Metern unmöglich machen. Und dennoch: Eine offizielle Reisewarnung gibt es für die Niederlande nicht, Grenzkontrollen finden nicht statt. Das Auswärtige Amt weist allerdings die Regionen Noord-Holland, Zuid-Holland und Noord-Brabant als Corona-Schwerpunkte aus.

In der deutsch-niederländischen Grenzregion ist von der Angst vor der zweiten Corona-Welle noch wenig zu spüren. Wer in den vergangenen Tagen den Weg nach Venlo, Arnheim, Nimwegen oder Groesbeek angetreten ist, weiß: Die Innenstädte sind voll, Museen gut besucht, Geschäfte, Cafés und Restaurants können sich vor Kunden kaum retten. „Wir blicken natürlich mit Sorge nach Rotterdam und Amsterdam. Allerdings ist es bei uns, was Corona betrifft, zuletzt eher ruhig gewesen“, sagt Silvijn van Pinxteren, Manager der Touristen-Information in Nimwegen.

Ihm zu Folge seien deutsche Besucher unverändert willkommen in der 170.000-Einwohner-Stadt. „In gewisser Weise ist Nimwegen natürlich ohnehin eine besondere Stadt, da die Übergänge nach Deutschland, beispielsweise nach Kleve oder Kranenburg, nahtlos und fließend sind. Deswegen wundert es mich auch nicht, dass jetzt so viele Deutsche in der Stadt unterwegs sind“, sagt van Pinxteren. Damit das so bleiben könne, sei es allerdings unabdingbar, dass sich alle an die Corona-Vorschriften halten. „Ich kann nur ausdrücklich empfehlen: Seid diszipliniert“, sagt er.

Die Deutschen hätten dabei allerdings ohnehin Selbstbeherrschung an den Tag gelegt. Die Nachbarn seien wohl auch deshalb diszipliniert aufgetreten, da die Maskenpflicht hierzulande bereits deutlich früher eingeführt worden ist, so van Pinxteren. Zu den Regelungen in den Niederlanden zählt nicht nur die Anderthalb-Meter-Vorschrift, sondern auch die Maskenpflicht in Ladenlokalen sowie öffentlichen Verkehrsmitteln. Van Pinxteren weist darauf hin, dass viele Geschäfte in Nimwegen aufgrund der zweiten Welle nun verstärkt darum bitten, am Eingang die Hände zu desinfizieren.

Auch Brenda van Zanten von der Stadtmarketingorganisation Venlo Partners will keine Zweifel daran aufkommen lassen, dass deutsche Gäste in den Niederlanden gerne gesehen sind. Im Mai hatte die Venloer Bürgermeisterin in einem offenen Brief noch an die Deutschen appelliert, in der Heimat zu bleiben, und nur, wenn es wirklich notwendig ist, zu kommen. Davon ist nun nicht mehr die Rede. „Sie sind herzlich willkommen. Die Deutschen sind unsere wichtigsten Gäste, wir brauchen sie unbedingt in Venlo“, sagt van Zanten. Dennoch befürchte auch sie, dass die Corona-Regeln in den kommenden Tagen von der niederländischen Regierung weiter verschärft würden – womöglich auch in den Städten der Grenzregion. „Wer weiß, was da nun noch kommen wird. Es ist auch deshalb ganz wichtig, dass sich in diesen Tagen alle benehmen und sich an unsere Regeln halten“, sagt sie. Wer erkältet sei, solle unbedingt Zuhause bleiben. Außerdem weist van Zanten darauf hin, dass viele Geschäfte in Venlo Wert darauf legen würden, dass Kunden mit der EC-Karte zahlen – und nicht mit Bargeld.