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Kleve/Hamburg: Colt an Weltneuheit Algenhaus beteiligt

Kleve/Hamburg : Colt an Weltneuheit Algenhaus beteiligt

Die Firma Colt International im Klever Gewerbegebiet hat maßgeblich an der ersten Bioreaktorfassade in Hamburg auf dem Gelände der Internationalen Bauausstellung mitgewirkt. Darin stecken 18 Monate Entwicklungsarbeit.

Bei Lukas Verlage, Geschäftsführer von Colt International im Klever Industriegebiet, klingelte vor gut zweieinhalb Jahren das Telefon. Am anderen Ende der Leitung meldete sich Dr. Jan Wurm, Entwicklungsleiter von Arup Deutschland, einer Planungsgesellschaft mit weltweit 10 000 Mitarbeitern, und stellte dem überraschten Gesprächspartner vom Niederrhein die Frage: "Könnt ihr uns helfen?" Verlage hakte nach. "Wir planen eine Bioreaktorfassade", sagte Dr. Wurm. "Da ist mir fast der Hörer aus der Hand gefallen", schildert der Colt-Geschäftsführer seine Reaktion. Die revolutionäre Idee, die dahinter steckt, ist ein innovatives Wohnkonzept. Hinter Glaselementen werden Algen zum Wachsen gebracht, die sich binnen acht Stunden verdoppeln, Energie erzeugen und gleichzeitig die Steuerung von Licht und Schatten steuern. Später werden die Algen durch ein automatisiertes Verfahren abgeschöpft und weiter verwendet, zum Beispiel für kosmetische oder pharmazeutische Produkte. "Wir haben die Glasbehälter in Scheibenform komplett entwickelt und geliefert. Die Schwierigkeit dabei war, dass die 2,50 Meter hohe Wassersäule einen Druck von 2500 Kilo erzeugt, dem die Scheiben standhalten müssen. da war unser Know-how gefragt. Das war eine echte Herausforderung. In diesem Projekt stecken 18 Monate Entwicklungsarbeit", berichtet Lukas Verlage und freut sich, dass Colt maßgeblich an der Weltpremiere beteiligt ist. Neben Colt International und Arup war Dr. Martin Kerner, Spezialist für Mikroalgen und Prozessführung, als Geschäftsführer der Firma SSC der Dritte im Bunde bei der Entwicklung und Umsetzung der Bioreaktorfassade.

 Das sogenannte Algenhaus im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg sorgt seit Tagen für Aufsehen auf dem Gelände der Internationalen Bauausstellung.
Das sogenannte Algenhaus im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg sorgt seit Tagen für Aufsehen auf dem Gelände der Internationalen Bauausstellung. Foto: privat
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Zu bestaunen ist die Weltneuheit in Hamburg auf dem Gelände der Internationalen Bauausstellung (IBA), wo die weltweit erste Bioreaktorfassade auf mehreren Pressekonferenzen vorgestellt wurde und anschließend auch in Augenschein genommen werden konnte. BIQ nennt sich das Gebäude im Stadtteil Wilhelmsburg, das für weltweite Aufmerksamkeit sorgt und nicht nur an der Elbe als "Algenhaus" bereits einen hohen Bekanntheitsgrad besitzt. Ob New York Times, Al Jazeera oder ARD-Tagesschau — Journalisten aus Presse, Funk und Fernsehen drückten sich in diesen Tagen die Klinke in die Hand, um über das Pilotprojekt mit dem flammneuen Fassadensystem zu berichten. Dr. Kerner und seine Mitarbeiter sorgten dafür, dass die Mikroalgen öffentlichkeitswirksam in die der Sonne zugewandten Glaselemente der "Biohaut" eingeführt wurden und die lebende grüne Fassade bestaunt werden konnte. Über einen getrennten Wasserkreislauf in der Fassade werden die Algen kontinuierlich mit flüssigen Nährstoffen und Kohlendioxid versorgt. Mit Hilfe der Sonneneinstrahlung können sie Photosynthese betreiben und wachsen.

Für Lukas Verlage, zuständig für 400 Colt-Mitarbeiter in Deutschland, Österreich und der Schweiz, soll das Vorzeige-Objekt in Hamburg keine Eintagsfliege sein. "Wir haben den ersten Schritt gemacht, jetzt kann weiter optimiert werden. Es gibt bereits seriöse Gespräche für Nachfolgeprojekte."

Im Rahmen der Zukunftswerkstatt von Volksbank Kleverland und Rheinische Post hatte der Colt-Geschäftsführer schon vor gut zwei Jahren erstmals die Planung für eine Bioreaktorfassade erwähnt. "Das sind schon spannende Sachen, die wir machen", äußerte sich Lukas Verlage seinerzeit in der Diskussionsrunde.

(RP/ac)