Kleve: City-Bus soll elektrisch fahren

Kleve: City-Bus soll elektrisch fahren

Warum muss ein Bus, der durch die Innenstadt fährt, Feinstaub und Stickoxide in die Luft blasen? Die Verwaltung greift die Kritik von Bürgern auf und will Kleves beliebteste Linie ab 2021 auf einen alternativen Antrieb umrüsten.

Alle reden von der Elektrifizierung innerstädtischer Busse und Transporter. Köln macht es vor und schickt E-Busse durch die Stadt, andere Kommunen ziehen nach. In Kleve hingegen legt die City-Buslinie eine stinkige Dieselspur mitten durch die Stadt. Dabei ist der City-Bus eigentlich ein echtes Vorzeigeobjekt. Er ist zu fast jeder Tageszeit voll mit Fahrgästen. Die kurze Taktung von 30 Minuten und die geringen Fahrpreise - die Tageskarte kostet 1,50 Euro - sind ansprechend. Die Strecke vom Klever Bahnhof die Fußgängerzone hinauf bis zum Einkaufszentrum eoc. ist attraktiv. Heute ist der City-Bus die am höchsten frequentierte Buslinie in Kleve: 120.000 Fahrgäste zählt der Betreiber, das Verkehrsunternehmen NIAG, pro Jahr. Dennoch: Vielen Klevern stinkt gewaltig, dass City-Bus auf Diesel und seine Abgase mitten in die Fußgängerzone bläst.

Der Bedburg-Hauer Psychiater und Psychotherapeut Wolfgang Komhard hatte 23 Jahre lang seine Praxis auf der Großen Straße, zentral in der Fußgängerzone. "Ich habe mich immer gefragt, weshalb seit Jahren ein Diesel-Bus seinen Feinstaub und Stickoxide in die enge Fußgängerzone mitten zwischen die Menschen bläst", schreibt er dem Bürgermonitor der Rheinischen Post. "Zur Zeit ist die Luftqualität in den Städten in aller Munde, aber wohl nicht in Kleve", betont Komhard.

Dabei wäre die kurze Linie von der Unter- in die Oberstadt eine ideale Möglichkeit für alternative Antriebe wie Strom oder Erdgas, findet er. "Warum passiert da nichts? Wurden Alternativen überhaupt geprüft?", fragt der Bedburg-Hauer.

Ein Anruf bei der Klever Stadtverwaltung gibt Aufschluss. Klaus Keysers, Fachbereichsleiter Finanzen und Liegenschaften, kennt die Problematik mit dem 163 PS starken City-Bus genau. Um das Gefährt umweltfreundlicher zu machen, habe die Stadt nachträglich einen hochwertigen Partikelfilter einbauen lassen, erläutert er. "Dadurch erreichen wir den besten Umweltstandard für Diesel-Fahrzeuge, das ist die zurzeit optimale Lösung", sagt Keysers.

Noch bis zum Jahr 2021 läuft der Vertrag für die Nutzung des City-Busses. Anschließend soll sich einiges ändern. Michael Bay, Sprecher der Klever Grünen, fordert konkret: "Spätestens, wenn der Vertrag ausläuft, muss dort ein Fahrzeug mit einem alternativen Antrieb fahren", sagt er. Das sieht die Stadtverwaltung ähnlich. "Es ist politischer Wille und auch wir legen Wert darauf, dass mit Ablauf des Vertrages ein alternativer, umweltfreundlicher Antrieb im City-Bus eingesetzt wird", sagt Keysers. Zurzeit deute einiges darauf hin, dass dieser Antrieb elektrisch sein wird. "Es könnte aber auch sein, dass Wasserstoff die beste Lösung sein wird. Da muss man die technische Entwicklung bis 2021 abwarten", so der Kämmerei-Leiter.

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In der Domstadt Köln ist diese Entwicklung bereits vollzogen. Die Verkehrs-Betriebe (KVB) setzen auf der Strecke zwischen Südfriedhof und der Rückseite des Hauptbahnhofs ausschließlich Elektrobusse ein. Die acht Fahrzeuge absolvierten in zehn Monaten mehr als 35.000 Testkilometer. 15 Mal blieben dabei Busse liegen und mussten abgeschleppt werden.

Keysers betont, es müsse sichergestellt sein, dass der City-Bus mit dem alternativen Antrieb im gleichen Umfang seinen Betrieb leisten kann wie jetzt. "Das Problem ist die Steigung", sagt Keysers. Weil die Fußgängerzone an einem Hang liegt, überwindet das Gefährt auf seiner 1,7 Kilometer langen Strecke rund 35 Höhenmeter. "Wenn der Bus drei Mal die Stadt rauf und runter fahren kann und dann für fünf Stunden an die Ladesäule muss, bringt das nichts", betont Keysers.

Das hatte die Politik vor Jahren anders diskutiert, erinnert sich Michael Bay. "Als der City-Train, der an die Straßenbahn erinnern sollte und stets defekt war, ersetzt werden musste, haben wir vorgeschlagen, hier Elektrofahrzeuge zu nutzen - das war und ist aus unserer Sicht eine ideale Strecke, um alternative Antriebe zu testen", sagt Bay. Nimwegen zeige mit seinen Elektrofahrzeugen, dass die Topographie nicht vorgeschoben werden sollte, um doch ein Dieselfahrzeug zu nehmen. Ein Elektrofahrzeug sei mit Verweis auf die NIAG damals von der Verwaltung verworfen worden.

Auch vermisst Bay hier Engagement seitens der Verwaltung in Sachen Klimapolitik: "Wir haben einen Klimareferenten für Kleve gefordert, der sich um solche Dinge kümmert, der auch Fördergelder für ein Projekt, das wir ,klimafreundliches Kleve 2020' nennen könnten, locker macht", sagt der Grünen-Politiker. Solche Initiativen würden von Bund und Land unterstützt. "Wir müssen nur endlich damit anfangen. Warum nicht mit der Planung für einen elektrischen oder wasserstoffgetriebenen City-Bus?", fragt Bay. Er schlägt vor, in einem Zug zu untersuchen, ob die Linie bis Kaufland an der Flutstraße und bis zum Siegfried-Stadion nach Materborn durchgezogen werden kann.

(RP)