Bedburg-Hau-Moyland: Christo in der Dose

Bedburg-Hau-Moyland: Christo in der Dose

In der neuen "Kunst.Bewegt"-Ausstellung geht es um die Gegensätze "Zwischen Form und Fluxus". Es ist bereits der 13. Sammlungswechsel im Schloss. Ein Film zeigt eine Fluxus-Performance im Zirkus aus dem Jahr 1975.

Christo in der Dose: Das Stück Kunst des Verpackungskünstlers liegt im roten Karton. "In den 1970er Jahren waren Kunst und Politik oft eng miteinander verbunden. Ein Beispiel dafür ist die Unterstützung der 1973 gegründeten linken Brüsseler Zeitschrift ,Pour'" sagt Alexander Grönert. Natürlich hat Christo eine Ausgabe der "Pour" verpackt. Man sieht sie durch das von ihm sorgfältig verschnürte Zelophan.

In der roten Dose die von Christo verpackte Zeitschrift "Pour". Foto: Matthias Grass

Als "Pour" in finanzielle Schwierigkeiten geriet, organisierte der Schweizer Ausstellungsmacher Harald Szeemann eine Veranstaltung zu ihrer Unterstützung in einem Zirkus der Stadt. Dazu lud er die Künstler der von ihm im Musée d'Ixelles in Brüssel organisierten Ausstellung "Je - Nous = Ik - Wij" ein. "So betrat am 23. Mai 1975 eine schräge Künstlerclique die Manege in einem Brüsseler Zirkus. Geschmückt mit Federboas und extravaganten Kostümen führten die seltsamen Artisten auf Zeit von einer Musikkapelle begleitet ein ungewöhnliches Spektakel auf, zu dessen Höhepunkten eine kühne Messerwurfnummer gehörte", erzählt Moyland-Kurator Alexander Grönert. Das ist dokumentiert: Eine Blonde zeigt viel Bein und ist von den Wurf-Messern mit langer Klinge umgeben, es ist die junge Katharina Sieverding mit blonder Lockenperücke, sagt der Kurator. Katharina Sieverding, deren großes Beuys-Porträt zu den herausragenden Werken der Sammlung von Museum Schloss Moyland gehört.

Das Foto der Künstlerin als Messerwurf-Mädchen gehört ebenso in die Dose, wie Christos Verpackung und diverse andere Arbeiten, die jetzt ausgebreitet in der "Kunst. Bewegt 13. Zwischen Form und Fluxus"-Ausstellung im Museum Schloss Moyland unter Glas zu sehen sind. Mit dabei Panamarenko, Beuys, Christo und viel andere. Grönert, der "Kunst.Bewegt 13" kuratiert, hat damit einen kleinen Schatz gehoben. Er führte hier zusammen, was zusammen gehört: Die Dose, die er in der Skulpturensammlung der Stiftung fand, und die vielen Arbeiten, die in die Grafik-Sammlung des Schlosses gekommen waren.

Dieser Schatz aus der roten Dose, die als Auflage zum Erhalt der Zeitung verkauft wurde, steht im Mittelpunkt der Ausstellung im Schloss, die seit dem Wochenende zu sehen ist. Der Künstler Klaus Mettig hat das schrille Spektakel im Zirkus mit der Super-8-Kamera dokumentiert. Sein Film, der auch eine Tonspur besitzt, wird in der Ausstellung gezeigt. Die Dose und der Film kamen über Joseph Beuys in die Sammlung van der Grinten.

  • Düsseldorf : Karten für Museum Kunstpalast

In den 1960er Jahren gehörte Düsseldorf zu den Zentren der künstlerischen Avantgarde. "Aufgrund der Freundschaft der Brüder van der Grinten mit vielen Künstlern, die damals in Düsseldorf tätig waren, und vor allem mit Joseph Beuys, befinden sich zahlreiche Kunstwerke aus dieser Zeit in der Sammlung des Museums Schloss Moyland", sagt Grönert und konnte aus dem Vollem schöpfen. Auch hier stehen Boxen im Mittelpunkt. Dort wurden kleine Arbeiten zusammengefügt, um Kunst für Jedermann zu schaffen.

Joseph Beuys edelte ein schlichtes Plakat, das nur die Namen von Nicolas Cage über Yoko Ono und Vostell bis Nam June Paik listete, mit einem Braunkreuz zum Kunstobjekt. Auch schuf er die kleine Holzkiste "Intuition", die damals für zwölf Mark zu haben war. Auflage offen. Dieses Zwölf-Mark-Kunstwerk wird heute mit rund 1000 Euro gehandelt. Man schätzt, dass es etwa 12.000 Boxen dieser Art gibt. In Moyland hängt eine davon an der Wand. Die vielen kleinen Kunstutensilien der Fluxus-Künstler, wie eine kleine Streichholzschachtel die auch zum Mitmachen einlädt, indem man zwei Streichhölzer auf eine Linie bringt, hat Grönert in hängenden Vitrinen zusammengefügt. Sie zeigen sorgfältig sortiert unter Glas, was Fluxus ausmacht. Dass es in den 1960er und 1970er nicht nur Fluxus gab, macht "Kunst.Bewegt" an Erwin Heerich fest, einem der "Helden der Sammlung van der Grinten", so Grönert. Geradezu minimalistisch wirken seine Karton-Arbeiten, die sich auf die Form konzentrieren, auf die Flächen und wie sie zueinanderstehen.

Spannend ein Bild von Wolf Vostell aus der Sammlung, das lange nicht zu sehen war. Eine abstrakte Farb-Malerei mit einem Schlitz in der Leinwand. "Hinter dem Schlitz zeigte ein Fernsehgerät ein Testbild - doch der Fernseher ist irgendwann explodiert. Das Bild blieb im Depot. Wir haben das jetzt wiederhergestellt", erklärt Grönert mit Blick auf das flimmernde Testbild hinter dem aufgeschlitzten Bild.

Öffentliche Führungen: Jeden 2. und 4. Sonntag und am 21.5., 15 Uhr, Kosten: 3 € zzgl. Museumseintritt

(mgr)