Kleve: Chaos-Flughafen Berlin: Colt mittendrin

Kleve : Chaos-Flughafen Berlin: Colt mittendrin

Die Klever Niederlassung von Colt International hat ihre Arbeiten für den Flughafen Berlin bereits abgeschlossen. Dennoch gibt es Probleme: Colt-Geschäftsführer Lukas Verlage sorgt sich um die Gewährleistungsfristen.

An die Verhandlungen kann Lukas Verlage, Geschäftsführer von Colt Kleve, sich noch bestens erinnern. "Ich war mit unserem Vertriebsleiter Christoph Tyssen zu Auftragsverhandlung eingeladen. Bei den Gesprächen in Berlin wurde uns deutlich zu verstehen gegeben, dass man nicht eine Woche, nicht einen Tag, Bauverzögerung hinnehmen werde."

Die weitere Geschichte ist bekannt. Die Klever Experten für Brand- und Sonnenschutz haben an der Fertigstellung des einst als Berliner Prestigeprojekts geplanten Flughafen mitgearbeitet. An Colt Kleve lag es jedenfalls nicht, dass sich der Bau des Flughafens Berlin Brandenburg "Willy Brandt" zur Lachnummer der Republik entwickelt hat. Auch wenn eines der größeren Probleme, was bei den Arbeiten aufgetreten ist, das Thema Brandschutz ist.

Denn auch daran scheiterte laut BER-Aufsichtsrat die pünktliche Eröffnung. So war etwa die computergestützte Entrauchungsanlage nicht funktionsfähig, so dass nicht sichergestellt war, dass Brandschutz-Türen im Krisenfall automatisch funktioniert hätten. Die einzelnen Teile müssen den Angaben zufolge separat und im Gesamtsystem getestet werden. Diese Testphase dauere länger als zunächst erwartet.

"Wir haben unsere Arbeiten in der vereinbarten Zeit und in vollem Umfang abgeschlossen", sagt Verlage. Das Gesamtvolumen des Auftrags von Colt Kleve beläuft sich auf 1,5 Millionen Euro. "Das ist für uns schon eine größere Hausnummer. Alles, was über eine Million Euro liegt, gehört für uns in die Kategorie größerer Auftrag", erklärt der Colt-Geschäftsführer. Was die finanzielle Seite betrifft, so macht sich Verlage derzeit noch keine Sorgen, dass die Arbeiten aus dem Hause Colt nicht ordnungsgemäß vergütet werden.

"Wir haben einen Betrag bereits erhalten. Was die finanzielle Situation betrifft, so läuft das alles sauber", sagt Verlage. Was dem Klever Geschäftsführer jedoch größere Sorgen bereitet, ist die Gewährleistungspflicht.

So haben die Klever den kompletten Flughafen mit Rauchschürzen ausgestattet. Dabei handelt es sich um eine Art Vorhänge, die im Brandfall aus der Decke abrollen, um den Rauch in bestimmte Abschnitte zu kanalisieren und somit zu begrenzen. Das Fehlen dieser Rauschschürzen war mit dafür verantwortlich, dass es zu der Katastrophe beim Brand auf dem Flughafen Düsseldorf kam, bei dem 1996 17 Menschen starben und 88 weitere verletzt wurden. Mittlerweile sind diese Schürzen — besonders ab Gebäudegrundflächen von 1600 Quadratmetern — nahezu obligatorisch.

Das Problem von Verlage ist, dass die Gewährleistungsfrist für die von Colt installierten Rauchschürzen und Sonnenschutzanlagen nicht startet, da noch keine Endabnahme erfolgt ist. Zum einen kann dadurch die Abschlussrechnung nicht gestellt werden, zum anderen hat Colt selbst bei seinen Arbeiten Komponenten, wie etwa Motoren eingebaut, deren Gewährleistung ab dem Tage der Auslieferung beim Lieferanten startet. "Diese Fristen sind somit vielleicht schon abgelaufen, bevor für unsere Arbeiten die Endabnahme stattgefunden hat", sorgt sich Verlage.

Dass es eine Gewährleistung für die Komponenten, die Colt eingebaut hat, nicht mehr gibt, bevor der neue Hauptstadtflughafen eröffnet ist, damit muss man rechnen. Denn bei der Fertigstellung scheint es auf ein paar Monate nicht anzukommen.

(RP/rl)
Mehr von RP ONLINE