Tausende Autoposer in Goch „Es hat eine Dimension angenommen, wo es kein Vor und Zurück mehr gab“

Update | Goch/Cuijk · Bis zu 2000 Autofahrer haben beim Car-Freitag für chaotische Szenen in Goch und den benachbarten Niederlanden gesorgt. Die Polizei war im Großeinsatz. In der Autoposer-Szene sieht man den Abend als Erfolg.

Hunderte Autos bei Car-Freitag in Goch
18 Bilder

Hunderte Autos bei Car-Freitag in Goch

18 Bilder
Foto: dpa/Christoph Reichwein

Mit aufgemotzten Autos haben sich am Freitagabend zahlreiche Menschen auf dem Parkplatz des Hagebaumarktes in der Nähe der Autobahn 57 in Goch getroffen. Die Polizei geht davon aus, dass sich bis zu 2000 Fahrzeuge aus dem gesamten Bundesgebiet und dem nahe gelegenen Ausland an dem Treffen in Goch beteiligten. Die Mitglieder der Autoposer- und Tunerszene seien mit laut aufheulenden Motoren und hupend unterwegs, berichtete ein Polizeisprecher in Kleve. Es kam zu einem massiven Aufkommen an Polizeikräften.

Veranstalter äußern sich

Hintergrund der Zusammenkunft in Goch und den Niederlanden soll ein Aufruf in den sozialen Medien Instagram und TikTok gewesen sein. Dort war man im Anschluss offenbar zufrieden mit dem chaotischen Abend: „Ihr habt alles gegeben“, heißt es in sozialen Medien. Auch die mutmaßlichen Organisatoren sprechen von Staus und Sperrungen. „Es hat eine Dimension angenommen, wo es kein Vor und Zurück mehr gab.“ Man habe auch noch geplant, andere Orte anzufahren. Diese seien jedoch „von den Behörden im Ausland präventiv geschlossen worden.“ Das nächste Mal wolle man einen größeren Ort wählen, kündigen die Autoposer an. „Sind wir aber ehrlich: Egal wo, der Platz hätte nicht mal auf einem Flugfeld gereicht.“

Polizei in Goch mit massiver Präsenz

Polizeisprecher Stefan Sparberg sagte am Freitagabend zur Lage in Goch: „Hier sind Fahrzeuge aus ganz NRW, aber auch aus dem angrenzenden Ausland und aus Niedersachsen.“ Es sei zu Staus und Behinderungen gekommen. Die Polizei habe anlassbezogen kontrolliert. Das Verhalten sei szenetypisch, wie Sparberg erklärte: „Man hupt, man ist laut, man lässt die Motoren aufheulen.“ Posing-Aktionen wie durchdrehende Reifen und „Donuts“ auf der Straße habe es nicht gegeben.

Es kamen so viele Autos an den Niederrhein, dass der Parkplatz in Goch schnell voll war. Die Polizei zeigte starke Präsenz, die Klever Beamten wurde dabei auch von anderen Dienststellen unterstützt. Wegen der Kontrollen verlagerte sich das Treffen am Abend dann an einen anderen Ort: Die Poser machten sich auf den Weg in die Niederlande. Kurz hinter der Grenze soll es zu einem Auffahrunfall zwischen Beteiligten gekommen sein.

Tausende fuhren weiter in die Niederlande

In der niederländischen Grenzstadt Cuijk, knapp eine halbe Autostunde von Goch entfernt, kamen die dann Autoposer in der Nähe eines Sportzentrums zusammen. Auf vielen Straßen kam der Verkehr zum Erliegen, gegen 22 Uhr wurde die Autobahnausfahrt der A73 auf Höhe Cuijk von der Polizei gesperrt, eine Stunde später auch innerorts mehrere Straßen. Autos, die sich auf den Weg in Richtung Treffpunkt machten, wurden dann zurück gen Autobahn geführt. Wie die niederländische Tageszeitung „De Gelderlander“ berichtet, waren zuvorderst Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen vor Ort, aber auch solche mit polnischen und niederländischen. Viele Autos waren getunt, zudem fuhren einige Oldtimer umher. Augenzeugen berichten von mehreren Tausend Fahrzeugen.

Die Stimmung vor Ort soll friedlich gewesen sein, nur gelegentlich soll Feuerwerk gezündet worden sein. Die Polizei war mit zahlreichen Beamten vor Ort, ein Polizeihubschrauber kreiste über dem Treffen – aus Vorsorge, wie es hieß. Noch bis nach Mitternacht herrschte in Cuijk Ausnahmezustand.

So lief der Car-Freitag im Rest von NRW

Bis zum Nachmittag war der „Car-Freitag“ in Nordrhein-Westfalen laut Polizei weitestgehend gesittet abgelaufen. Den ganzen Tag über kontrollierten die Beamten mit Unterstützung von Sachverständigen die traditionellen Treffen der Tuner- und Poserszene und ihre PS-starken Fahrzeuge. In Düsseldorf, Bochum und Essen gab es mit einem gesonderten Einsatzkräfte-Aufgebot gezielte Kontrollen der Tuning-Szene. Unseren Bericht aus der Landeshauptstadt, wo mehrere Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen wurden, lesen Sie hier. Auch in Oberhausen wurde im gesamten Stadtgebiet und besonders im Bereich des Einkaufszentrums „Centro“ kontrolliert.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort