Bulgarische Diebesbande: Opfer waren meist ältere Damen

Diebesbande: Bevorzugte Opfer waren ältere Damen

Prozess am Landgericht Bielefeld: 54-jähriger Bulgare gilt als Kopf einer Bande von Handtaschendieben. Die Bande war am Niederrhein auch unter anderem in Kalkar, Rees und Goch unterwegs und raubte Menschen aus.

 Es ist eine miese Masche: Ältere Damen werden in der Öffentlichkeit ausgespäht, dann ihre Handtaschen geklaut. Natürlich geht es um Bargeld und EC-Karten. Als einer der mutmaßlichen Köpfe einer Bande, die sich auf solche Diebstähle spezialisiert hatte und auch im Kreis Kleve zugeschlagen hat, steht ein Bulgare vor dem Landgericht Bielefeld.

Fünf Täterinnen und Täter, allesamt aus Bulgarien stammend, hat das Landgericht bereits im vergangenen Jahr zu Freiheitsstrafen verurteilt. Mit dem 54-Jährigen glaubt die Staatsanwaltschaft den Mann zu haben, in dessen Händen die Fäden in ganz Nordrhein-Westfalen zusammen liefen: Er soll laut Anklage die Diebesgruppen eingeteilt und instruiert haben, wo sie „arbeiten“ sollen – und nach deren „Tagewerk“ die Beute aufgeteilt haben, wobei er per Western Union den Rest des Bargeldes zum „Boss“ nach Bulgarien überwiesen haben soll. 18 einzelne Taten zwischen Oktober 2016 und Februar 2017, so steht es in der gestern verlesenen Anklageschrift, sollen auf das Konto des 54-Jährigen gehen. Das Muster war jedes Mal gleich: Ein Fahrer brachte mehrere Frauen von Hamm aus zu einem Einkaufsmarkt oder zu einer Bankfiliale, wo eine von ihnen nach leichten Opfern Ausschau hielt – nicht selten ältere Damen mit Rollator. Diesen stahl ein anderes Bandenmitglied sie dann die Börse. Befand sich neben Bargeld darin eine EC-Karte, versuchte wiederum eine weitere Täterin unmittelbar darauf, das Konto leer zu räumen. So schlug die Bande gleich drei Mal an einem Tag im Kreis Kleve zu: Am 4. Februar 2017 stahlen sie eine Börse mit 40 Euro  von einer Einkaufsmarkt-Kundin in Rees, eine halbe Stunde später verschwand aus dem Einkaufswagen einer Rentnerin im Lidl in Kalkar ein Geldbeutel mit 80 Euro. Am frühen Nachmittag war der Kaufland in Goch dann Tatort: Eine 82-Jährige beklagte hier den Verlust von 250 Euro. Die Bande hatte zuvor unter anderem in Rheda-Wiedenbrück, Gelsenkirchen, Marl, Erkrath und Düsseldorf Opfer um zum Teil vierstellige Beträge erleichtert. Am 7. Februar 2017 nahm das Verhängnis für die Bande seinen Lauf: Die Kripo hatte in Ennigerloh die Spur der Diebinnen aufgenommen und observierte sie nach einer Tat in der dortigen Volksbank, verfolgte sie bis nach Dortmund – in Bergkamen wurde das Quintett festgenommen.

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Die Anklage gegen den 54-Jährigen fußt auf den Protokollen einer Telefonüberwachung. Darin soll er sich unter anderem beschwert haben, wenn die Diebinnen zu wenige „Tagesumsatz“ machten – um dann den täglich abzuliefernden Betrag zu erhöhen. Allerdings hielt die 20. Strafkammer am Landgericht Bielefeld die Beweislage bisher für so dünn, dass sie das Verfahren erst gar nicht eröffnen wollte – bis das Oberlandesgericht in Hamm auf Antrag der Staatsanwaltschaft im September die Anklage zuließ. Es dürfte ein langer Prozess mit einigen Hürden werden: Allein einen Dolmetscher für die Sprache der Roma zu finden, zu denen der 54-Jährige gehört, ist nicht einfach. Außerdem müssen alle überwachten Telefonate im Prozess vor Ort übersetzt werden. Der Angeklagte selbst will schweigen. Momentan rechnet die Kammer mit etwa 15 Prozesstagen.

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