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Bedburg-Hau: Bürger kämpfen für ihr Bad

Bedburg-Hau : Bürger kämpfen für ihr Bad

Die Initiative zum Erhalt des BedburgerNass hat binnen einer Woche 1800 Unterschriften für ihr Bürgerbegehren gesammelt. Am 22. März wird im Bedburg-Hauer Rat abgestimmt. Gründung eines Bädervereins im Gespräch.

Sie waren gekommen, um ihrem Ärger Luft zu machen: Junge, Alte, Vielschwimmer, Gelegenheitsbesucher. Keine "Berufsdemonstranten", sondern Bürger aus der Mitte der Gesellschaft. Die Initiative zum Erhalt des Schwimmbades BedburgerNass hatte in die Gaststätte "Zu den Kastanien" eingeladen — und viele waren dieser Einladung gefolgt. Rund 100 Interessierte kamen, um sich auszutauschen, zu diskutieren und eine Strategie auszuloten.

Unter ihnen auch Bürgermeister Peter Driessen, der trotz schwerer Grippe erschienen war. "Ich werde heute keine Wahlkampfreden halten", sagte er und wies darauf hin, dass er als Bürgermeister neutral zu sein habe und die Beschlüsse des Rates umsetzen müsse.

"Aber es war mir eine Herzensangelegenheit, heute mit dabei zu sein", sagt Driessen. So ging es wohl der Mehrheit der Anwesenden, und das brachten sie auch in ihren Wortbeiträgen zum Ausdruck. "Ich fühle mich von meinen Ratsmitgliedern nicht mehr vertreten und hintergangen", zeigte sich ein Redner enttäuscht. Er kritisierte, dass das Bad im vergangenen Wahlkampf noch gar keine Rolle gespielt habe.

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Günter van Meegen ist parteiloses Ratsmitglied und einer der Köpfe der Initiative. Er bemängelte die Alternativlosigkeit, mit der einige seiner Ratskollegen die Entscheidung zur Schließung des Bades getroffen hätten. "Man kann doch nicht einfach sagen, ich streiche das und biete keine Alternativen an", warf er ihnen vor. "Das Bad hatte zuletzt zwischen 75 000 und 80 000 Besucher, viele von ihnen Schüler. Wo diese nach der Schließung ihren Schwimmunterricht erhalten, ist ungewiss", sagt Andreas Grünberg von der Initiative.

Es konnte aber auch eine ganz klare Botschaft in Richtung des Rates ausgesandt werden. Innerhalb von nur einer Woche ist es der Initiative gelungen, 1800 Unterschriften für den Erhalt des Bades zu sammeln. Diese wurden bei dem Treffen symbolisch dem Bürgermeister überreicht, die offizielle Übergabe findet aber erst im März statt. Bis dahin möchte man fleißig weitersammeln.

Einem Bürgerbegehren steht damit praktisch nichts mehr im Weg. Dafür hätten nur 1000 Unterschriften zusammenkommen müssen, am Ende werden es wohl doppelt so viele sein. Am 22. März wird das Bürgerbegehren im Rat eingebracht werden. Dann gibt es zwei Szenarien: Der Rat stimmt ihm zu und saniert das Bad oder der Rat lehnt das Begehren ab und es kommt zu einem Bürgerentscheid. Dann wird es wohl zu einer Abstimmung per Briefwahl kommen. Van Meegen geht davon aus, dass der Termin in der zweiten Jahreshälfte liegt.

Parallel dazu wurde auch die Gründung eines Bädervereins oder einer Genossenschaft diskutiert. So könnte man als Träger ganz anders handeln als die Gemeinde, etwa durch Jahresbeiträge der Mitglieder und deren gemeinnützige Mitarbeit. Dort könnten auch Nicht-Hauer als Mitglieder aktiv werden.

(RP/rl)