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Kleve/Hamburg: Brisante Begegnungen mit Beuys

Kleve/Hamburg : Brisante Begegnungen mit Beuys

Das Museum für Völkerkunde Hamburg beschäftigt sich mit der Vielfalt nomadischer Lebenswelten. Und mit Künstlern, die sich mit der Idee des Nomadischen beschäftigen - wie Joseph Beuys. RP-Fotograf Gottfried Evers zeigt dazu in der Hansestadt die Fotos von Beuys vor Gnadenthal.

Sie galten als roh, als barbarisch und kulturfeindlich. Die Skythen, jenes legendäre, sagenumwobene Reiter- und Nomadenvolk der Antike. Einer von ihnen aber war kein Ignorant. Im Gegenteil: Ihm war die Weisheit der Natur von Geburt an gegeben. Anacharsis hieß der Mann, der ein Bruder des skythischen Königs Saulios war.

Joseph Beuys vor Schloss Gnadenthal. Foto: Gottfried Evers

Geistreich, schlagfertig, neugierig sei er gewesen, sagt der antike Geschichtsschreiber Herodot. Später wurde Anacharsis das Pseudonym für einen vorurteilsfreien, kritischen Zeitgenossen. Solche sind bekanntlich unbeliebt — und auch die antike Sagengestalt wurde umgebracht.Sein königlicher Bruder soll ihn mit einem Pfeil getötet haben.

Umgebracht wurde auch der Adlige Clooths vom Klever Schloss Gnadenthal, der sich als Redner des Menschengeschlechts den Vornamen Anacharsis gab und prompt auf dem Schafott landete, als die Revolution ihre Kinder fraß. Kritisch und vorurteilsfrei, aber auch nomadisch wie der gütige Skythe sah sich Joseph Beuys und signierte mit "JosephAnacharsis Cloothsbeuys".

Beuys und Clooths

Beuys, Clooths und die Nomaden verbindet jetzt eine große Ausstellung im Hamburger Völkerkundemuseum in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig, wo es um die Beziehung der Sesshaften zu den Nomaden geht, aber auch um die Faszination, die Nomaden auf Sesshafte ausüben.

Dabei wird auch Beuys seine Rolle spielen. Insgesamt soll die Ausstellung "Brisante Begegnungen — Nomaden in einer sesshaften Welt" die Vielfalt nomadischer Lebenswelten über einen Zeitraum von 5000 Jahren in einer regionalen Breite von Marokko bis Tibet und Sibirien zeigen.

Auf der Suche nach Zeugnissen zu Beuys und Clooths stieß Sebastian Blaschek, Uni Leipzig, auf Fotos, die der Klever RP-Fotograf Gottfried Evers vor Schloss Gnadenthal von Beuys machte. Die zeigen den Schamanen im Mantel mit Hut vor dem Schloss und dem Teich (das Foto vorm Teich erschien als Auflage für das Museum Kurhaus Kleve).

Die Bilder gehören zu einem "Medienterminal" der Ausstellung, wie Dr. Andreea Bretan von der Uni Leipzig, Kuratorin der Ausstellung, erklärt. Die Medienterminals mit ihren Bildern und Dokumenten sind von den Besuchern über ,Touchscreens' per Finger zu bedienen — laden zum interaktiven Erlebnis mit den Bildern über nomadische Völker ein.

Wichtig ist den Ausstellungsmachern auch der Umgang dieser Völker mit ihren Tieren. "Also zeigen wir die Tiere, mit denen diese Menschen zu tun haben, als Plastiken", sagt die Wissenschaftlerin. So steht etwa das Rentier zum Volk der Lappen im hohen Norden Finnlands.

Von den Bildterminals zu den Nomaden und ihren Tieren am Rand des Ausstellungssaales sollen sich die Ausstellungsstücke zur Mitte immer weiter verdichten. Bis sie zur Stadt werden, dem Symbol der Sesshaften. Die Auseinandersetzung der Sesshaften mit den Nomaden stellt einen weiteren Schwerpunkt dar.

Und nicht nur das: Eine zusätzliche Ausstellung im selben Haus wird ab 5. Februar "den Reichtum der verschiedenen Vorstellungswelten, die sich in der zeitgenössischen Kunst um das Nomadische ranken" aufzeigen, so Bretan. Mittendrin: Joseph Beuys, sein Schlitten (ein "Muss" in dem Zuisammenhang) und nicht zuletzt wieder Evers' fantastische Beuys-Fotos . . .

(RP/jul)