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Brandbrief an Bürgermeisterin Sonja Northing: Alle Schulen beklagen Medien-Mangel

Brief an Sonja Northing : Kleve: Alle Schulen beklagen Medien-Mangel

Die Leiter aller Klever Schulen haben einen Brandbrief an Bürgermeisterin und Dezernatsleiterin Sonja Northing geschrieben. Sie fordern eine bessere Ausstattung mit digitalen Medien ein. Breitbandausbau wird noch lange dauern.

So etwas kommt nicht häufig vor: Die Leiter aller zwölf Schulen in Kleve haben einen gemeinsamen Beschwerde-Brief an Bürgermeisterin Sonja Northing geschrieben. Der Tenor: An den Schulen mangele es an Ausstattung mit digitalen Medien und schnellem Internet. In vielen Nachbarstädten gehe die Digitalisierung deutlich schneller voran.

In dem Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, heißt es: „Wir wenden uns an Sie, um Ihnen die Dringlichkeit einer besseren digitalen Medienausstattung an unseren Schulen zu verdeutlichen.“ Die Lehrer, so schreiben sie, wollen ihren Schülern notwendige digitale Kompetenzen vermitteln. Allerdings: „Dafür fehlt uns derzeit leider an allen Schulen immer noch die entsprechende digitale Infrastruktur.“ Der Schulträger müsse entweder IT-Arbeitsplätze in der Schule bereitstellen oder die Lehrer mit digitalen Arbeitsgeräten ausstatten, fordern die Schulleiter. „Insbesondere in der derzeitigen Situation, in der unsere Schüler nur von zu Hause aus lernen können, wird der noch vorherrschende Mangel – auch im Vergleich zu anderen Schulen im Lande – besonders deutlich“, heißt es weiter.

Ganz konkret, so die Schulleiter, sei die Situation in der Kreisstadt derzeit so: „Im Jahr 2020 gibt es in Kleve kaum eine Schule, die Lehrern und Schülern ein einsatzfähiges schulisches WLAN bereitstellt.“ Auch die Ausstattung mit digitalen Geräten sei stark ausbaufähig: „An Schulen in Kleve liegt die Quote derzeit oftmals bei 20 und mehr Schülern pro Endgerät.“

Die Stadt Kleve lässt sich seit Jahren von einer externen Beratungsfirma kostenpflichtig beraten, um die Digitalisierung an den Schulen voranzutreiben. Doch die Schulleiter kommen zu folgendem Schluss: „In Kleve kommt die digitale Ausstattung der Schulen seit 2016 deutlich zu langsam voran.“ So sei der 2016 vorgelegte Medienentwicklungsplan bereits vor zwei Jahren beschlossen worden. Während sich die schulischen Medienkonzepte den pädagogischen Anforderungen angepasst hätten, so die Schulleiter, fehlten immer noch die entsprechenden Medien. „Dies führt in unseren Kollegien vielfach dazu, dass die anfängliche Motivation und Begeisterung durch Frusterfahrung deutlich gebremst wurde.“

Die Forderungen der Lehrer sind folgende: digitale Präsentationsmöglichkeiten in allen Räumen, Bereitstellung von Laptops und Tablets, Personal für Einrichtung und Wartung der Geräte sowie flächendeckendes WLAN und eine entsprechende Breitbandversorgung.

Doch vor allem die Umsetzung des zuletzt genannten Punkts könnte noch lange dauern, wie bei der Ratssitzung am Mittwoch deutlich wurde. Kämmerer Willibrord Haas berichtete von der Antwort des Kreises Kleve auf seine Nachfrage nach dem Stand des Breitband-Ausbaus. Demnach sei der zwar im Süden des Kreises Kleve begonnen worden, aber es könne sich noch lange hinziehen, bis auch die Städte im Norden profitieren. Konkret sei, so die Antwort des Kreises laut Haas, davon auszugehen, dass der Breitbandausbau in Kleve, Bedburg-Hau, Goch und Emmerich im Zeitraum von Winter 2020 bis Sommer 2022 durchgeführt werde. Dabei werde die Firma Deutsche Glasfaser Tiefbauarbeiten auf einer Länge von insgesamt 1700 Kilometern vornehmen.

Dass der Breitbandausbau rund um Kleve immer noch hinten an steht, hat auch die Stadtschulpflegschaft auf den Plan gerufen. Auch sie hat einen Brief an Bürgermeisterin Northing geschrieben. „Für uns ist es nicht nachvollziehbar, dass hier die Kreisstadt Kleve mit Ihren zwölf Schulen praktisch das ,letzte Rad am Wagen ist’“, heißt es darin. Unabhängig von Breitbandausbau gelte: „Wir benötigen den schon lange versprochenen digitalen Ausbau, beziehungsweise die digitale Ausstattung der Schulen mit der erforderlichen Hardware sofort. Ein weiteres Verschieben können wir uns nicht mehr leisten“, so die Pflegschaftssprecher.

Auch bei der Politik ist das Thema jetzt angekommen. Es liegen Anträge der SPD zur technischen Ausstattung der Schulen und zur Anschaffung von digitalen Geräten für bedürftige Kinder vor. Diese wurden im Rat nach kurzer Diskussion auf den nächsten Schulausschuss verschoben. Die Wortbeiträge ließen erahnen, dass es dort zu heißen Debatten kommen wird.