Kalkar: "Blaue Wand" der Kalkarer Feuerwehr im Sitzungssaal

Kalkar: "Blaue Wand" der Kalkarer Feuerwehr im Sitzungssaal

Die Gutachter-Büros haben Vorteile ihrer Drei-Standort-Variante betont. CDU-Fraktion lädt Löschgruppenführer zum Gespräch ein.

Die "gelbe Wand" der treuesten BVB-Fans in der Südkurve des Dortmunder Stadions flößt Gegnern Respekt ein. Eine "blaue Wand" hatten mehr als 50 freiwillige Feuerwehrmänner aus Kalkar – allesamt in blauer Uniform erschienen – bei der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Feuer- und Katastrophenschutz im großen Sitzungssaal des Rathauses gebildet. Das zahlreiche Erscheinen war ein Zeichen, welchen Stellenwert der Tagesordnungspunkt 1 "Stellungnahme der Feuerwehr und Beurteilung durch die Gutachterbüros" zur Neuorganisation ihrer Wehr für sie hatte. Die Positionen waren bekannt: Die Gutachterbüros – Internationales Institut für Facility Management (i2fm) und antwortING – sind für eine Drei-Standort-Lösung (Appeldorn, Wissel, Kalkar) mit der Auflösung der Löschgruppen in Hönnepel, Niedermörmter, Grieth und Emmericher-Eyland. Die Kalkarer Wehr ist für ein Alternativkonzept, bei dem alle bestehenden Löschgruppen erhalten werden könnten.

Bevor die Gutachter die Varianten bewerten konnten, "eröffnete" der Ausschussvorsitzende Karl-Heinz Rottmann (CDU) die Sitzung mit einer ungewöhnlichen Erklärung. Mit Blick auf die Berichterstattung, in der Feuerwehrkreise damit zitiert worden waren, dass durch das Förderprogramm "Kalkar 2000" viel Geld in der Stadtkasse gewesen, aber (zu) wenig für die Feuerwehr ausgegeben worden sei, sagte der Christdemokrat, dass weder Bürgermeister Gerhard Fonck noch andere derzeitige Verwaltungsmitglieder damals im Amt gewesen seien. Zugleich kritisierte er Äußerungen des fraktionslosen Ratsmitgliedes Norbert van de Sand – ihn nannte er einen "einsamen Wolf" – und Willibald Kunischs (Grüne) zu der Thematik. Applaus gab es dafür von anwesenden Verwaltungsmitgliedern.

Anschließend betonte Frank Werker vom i2fm, dass beide zur Debatte stehenden Varianten die Sicherheitsqualität gewährleisten würden und machbar seien. Auch andere Varianten seien noch möglich. Entscheiden müsse letztlich der Rat. Zugleich machte der Gutachter deutlich, dass die Drei-Standort-Variante Vorteile gegenüber der Alternative der Feuerwehr habe. Ähnlich äußerte sich auch Gutachter Benjamin Käser von antwortING. Seine Äußerungen zur Motivation der Brandbekämpfer aber erregten Unmut in der "blauen Wand". Von dort gab es Zwischenrufe: "Unverschämt." "Unterstellung."

Beifall bekam Willibald Kunisch, der sein Unverständnis dafür äußerte, dass kein Dritter als neutraler Gutachter zur Bewertung der beiden diskutierten Konzepte herangezogen worden sei. Bürgermeister Gerhard Fonck wies den Einwand zurück: "Gefälligkeitsgutachten sind heut nicht mehr möglich." Zugleich lobte der Bürgermeister den ehrenamtlichen Einsatz der Brandbekämpfer, verwies darauf, dass im Etatplan für 2014 (Gesamtvolumen 22 Millionen Euro) fast zwei Millionen Euro für die Feuerwehr angesetzt seien und forderte eine sachliche Diskussion. Applaus gab es dafür von der "blauen Wand" nicht.

Der Ausschuss verwies das Thema in die Fraktionen. Die CDU soll die Löschgruppenführer zum Gespräch geladen haben. In der "blauen Wand" schwankte nach der Sitzung die Stimmung zwischen Enttäuschung und Verärgerung. Vom Gespräch mit der CDU wird "nichts Gutes" erwartet. "Man wird uns zur Drei-Standort-Variante drängen – aus Kostengründen", hieß es.

(RP)