Blaue Engel: Die Krankenhaushilfe Kleve hat ihren Dienst vorerst eingestellt

Ehrenamt in Kleve : „Blaue Engel“ fühlen sich abgeschoben

Die ehrenamtlichen Helferinnen im Klever Krankenhaus sollen laut ihrer Aussage Dienste auf den Stationen übernehmen, für die sie nicht qualifiziert seien. Ihren Platz am Informationsstand mussten sie räumen.

Wer das Antonius-Hospital schon lange kennt, der wird die Änderung bemerken: Seit einigen Wochen ist der Informationsstand im Eingangsfoyer des Klever Krankenhauses unbesetzt. Jahrzehntelang war dies der Platz der ehrenamtlich tätigen Krankenhaushilfe, engagierte meist ältere Damen, die Aufgaben erledigten, für die die Festangestellten kaum Zeit haben. Doch im März bekamen die „Blauen Engel“ von der Krankenhausleitung einen Brief zugeschickt, den die Adressaten als „Kündigung“ auffassen. Darin wurde ihnen nämlich mitgeteilt, dass ihr Info-Desk künftig von Hauptamtlichen benötigt würde. Sie wurden zum Gespräch eingeladen, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Doch zu einem harmonischen Abschluss ist es nicht gekommen.

Elisabeth Willemsen ist eine der Frauen, die bislang unversöhnlich sind. „Die Krankenhaushilfe existierte 38 Jahre lang, war ursprünglich sogar eine Idee des Krankenhauses selbst. Die Besucher und Patienten und sicher auch viele Mitarbeiter wussten unsere Unterstützung zu schätzen“, erzählt sie. Es sei immer ein gutes, vertrauensvolles Miteinander gewesen. Fünf Tage in der Woche haben die Frauen, die sich selbst organisierten, sieben Stunden lang Wege gezeigt, Besorgungen erledigt, schon mal Patienten zur Behandlung gebracht und Besucherfragen beantwortet. Jeder der „Engel“ gab so viel seiner freien Zeit, wie er mochte, und fühlte sich gut dabei. Bis im Frühjahr alles anders wurde.

Die Blauen Engel bei einem der Nachtreffen. Foto: Blaue Engel

„Die Pflegedienstleitung hat sich ausgedacht, dass wir anderswo untergebracht werden und auf den Stationen helfen sollen. Aber wir sind nun einmal Ehrenamtler, keine bezahlten Pflegekräfte! Für die Unterstützung, an die da womöglich gedacht ist, sind wir nicht qualifiziert. Man kann da doch eine Menge falsch machen, das möchten wir nicht verantworten“, erklärt Elisabeth Willemsen. „Sehr, sehr gerne“ hätten die 24 Aktiven ihren Freiwilligendienst geleistet und könnten nicht fassen, wie nun mit ihnen umgegangen werde. Eine schwierige Gemengelage bestätigt der Sprecher der Katholischen Karl-Leisner-Trägergesellschaft, Christian Weßels. Er macht darauf aufmerksam, dass die Ehrenamtler-Gruppen in Goch oder Kalkar nicht betroffen seien, sie hätten andere Aufgaben als die Helferinnen in Kleve. Ansprechpartner für Patienten und Besucher sein, besorgten Menschen mal zuhören oder ein Gespräch führen – das scheint eher die Ausrichtung zu sein, die sich die Klinikleitung von den Blauen Engeln wünscht. „Der Info-Desk hingegen muss eine Anlaufstelle, sein, die von Hauptamtlichen besetzt ist. Es handelt sich dabei um eine Kernfunktion, die eine gewisse Professionalität voraussetzt und bei der auch der Datenschutz berücksichtigt werden muss.“ In einer schriftlichen Stellungnahme nennt die Geschäftsführung zudem „gesetzliche Vorgaben zum Aufnahme- und Entlassmanagement“. Gewisse Daten dürften nicht Fremden zu Ohren kommen, der Betrieb müsse bei aller Sympathie für die Frauen ordnungsgemäß geführt werden.

Die Krankenhausleitung ist der Ansicht, dass die Blauen Engel, wenn sie sich doch zu einer Rückkehr an ihren (etwas anderen) Platz entscheiden sollten, mit Gesprächen oder kleinen Spaziergängen Sinnvolles zu tun hätten. „Wir schätzen ihr langjähriges Engagement und hoffen, dass sie die Patienten weiterhin mit ihrer Kraft und christlichen Nächstenliebe unterstützen werden“, heißt es.

Elisabeth Willemsen ist sich im Moment nicht sicher, ob und wie viele Frauen aus dem Team die Hand reichen lassen. Die Kränkung sei groß.

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