Theodor Prießen: "Bin Priester - kein Verwaltungsmensch"

Theodor Prießen: "Bin Priester - kein Verwaltungsmensch"

Der Pfarrer von St. Dionysius Kerken spricht über die Gründe für seine Bitte um Entpflichtung und seinen Wechsel nach Kleve. Der 60-Jährige wird ab November dieses Jahres zum Seelsorgeteam von St. Willibrord Kleve gehören.

Der Wechsel nach St. Willibrord Kleve, kam der überraschend?

Theodor Prießen Überraschend ist etwas, wenn es plötzlich und unerwartet kommt. Das war es nicht. Ich wusste seit einem halben Jahr, dass ich wechseln würde.

Warum?

Prießen Die Personaldecke ist so dünn, dass ich als leitender Pfarrer meine pastorale Arbeit nicht mehr schaffen kann. Es geht nicht. Für mich ist das sehr schade. Aber ich bin Priester und kein Verwaltungsmensch, und im Laufe der Jahre schoben sich die Verwaltungsaufgaben in den Vordergrund.

In der offiziellen Erklärung des Bistums steht, dass Sie zum 26. August entpflichtet werden. Das klingt immer so, als ob man etwas falsch gemacht hat?

Prießen Einen Pfarrer kann man nicht einfach so versetzen, es sei denn, er hat schlimme Dinge getan. Es ist also normal, dass der Pfarrer um Entpflichtung bitten muss, ohne diese Bitte geht es nicht. Das habe ich getan. Dies war für mich ein schmerzhafter Weg, das war am 13. Oktober, einem Freitag, dem 13.

Sie sind aber nicht abergläubisch?

Prießen Nein, absolut nicht. Mir ist das auch erst später aufgefallen. Aber es war für mich wirklich ein dunkler Tag.

Gab es schon Reaktionen aus St. Dionysius in Kerken?

Prießen Ja. Für die Gemeinde war das erst einmal schockierend. Für mich aber auch. Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Viele haben auch geweint. Mit dem Bistum war es so vereinbart, dass ich meine Versetzung ankündige, wenn ich weiß, wo es hingeht. Ich hatte ein gutes Gespräch mit dem leitenden Pfarrer von St. Willibrord Kleve, Pfarrer Stefan Notz, und er hat mich herzlich willkommen geheißen.

Kannten Sie sich schon vorher?

Prießen Stefan Notz bin ich früher schon einmal begegnet, sein Onkel und seine Tante wohnten in Nieukerk.

Hat die Fusion, die Sie in St. Dionysius miterlebt haben, das Arbeitsaufkommen so verändert?

Prießen Ja, natürlich. Mit Aldekerk ist eine dritte, größere Pfarrei hinzugekommen. 2001 bin ich nach Nieukerk gekommen, 2003 kam Stenden dazu, am 23. Mai 2010 war die Fusion mit Aldekerk. Ab da habe ich gemerkt: Ich muss auf viele Dinge verzichten. Ich hatte keine Freizeit mehr, ich bin früher gerne zum Arbeiten in den Garten gegangen, und ich hatte auch keine Zeit mehr, mich um die Jugend zu kümmern.

Sie werden Teil des Seelsorgeteams in St. Willibrord und sind nicht mehr leitender Pfarrer. Sie werden im November 60 Jahre alt, wird das Ihre letzte Stelle sein?

Prießen Das kann ich noch nicht sagen. Wenn ich mehr Personal gehabt hätte, hätte ich gerne meine 25 Jahre in Kerken vollgemacht. Als leitender Pfarrer wird man mit 75 Jahren pensioniert. Als Priester macht man so lange weiter, wie man den Beruf ausüben kann. Der Mensch denkt, Gott lenkt - ein Satz, der auch für pastorale Tätigkeiten gilt.

Sie werden Ende August von Ihren Aufgaben in Kerken entpflichtet, wie geht es für die Gemeinde anschließend weiter?

Prießen Im September wird es auf jeden Fall Vertretungen geben, da für diese Zeit mein Urlaub geplant war. Nun wird es erste Gespräche mit dem Weihbischof, dem Personaldezernenten und dem Pfarreirat und dem Kirchenvorstand geben.

Wie sehen Sie die Chancen, dass es einen Nachfolger für Sie gibt?

Prießen Es wird immer schwieriger. Trotzdem glaube ich, dass ein Nachfolger für diese Stelle gefunden wird. Aktuell sind am Niederrhein, glaube ich, fünf Stellen zu besetzen, eine davon noch in Wachtendonk.

Wenn Sie Ende August entpflichtet sind, geht es für Sie im November in Kleve weiter. Was machen Sie in der Zwischenzeit?

Prießen Im September habe ich Urlaub, und im Oktober steht der Umzug an. Ich wohne mit meiner Mutter zusammen, und die Frage ist, ob sie mitgehen möchte oder nicht. Ich will alles soweit vorbereiten, dass sie mitgehen kann.

Was bleibt, wenn Sie gehen?

Prießen Was bleibt, sind die Mitarbeiter, die sich engagiert haben. Da sind Hunderte Engagierte im engen Kreis und weitere Hunderte im weiteren Kreis. Da sind die einen, die ein paar Stunden im Jahr helfen, und die anderen, die fünf und mehr Stunden in der Woche mit anpacken. Das ist ein großer Schatz. Die Laien-Mitarbeiter werden in unserer Kirche eine immer größere Rolle bekommen.

Was ist besonders an den Kerkenern?

Prießen Die niederrheinische Mentalität, die Mischung aus der großen historischen Treue und einer gewissen Lockerheit. Jeder Ort hat seine ganz eigene Qualität, und jede Bauernschaft natürlich auch.

Was ist Ihnen noch wichtig? Was ist noch zu sagen?

Prießen Ich möchte mich bedanken bei den vielen engagierten Leute, das werde ich noch oft sagen, bevor ich gehe.

DIE FRAGEN STELLTE BIANCA MOKWA.

(RP)