Kleve: Bilder vom Aushalten und Standhalten

Kleve: Bilder vom Aushalten und Standhalten

Die Arnheimer Fotografin Judith de Ryck hat 15 spannende Frauenporträts gemacht.

Die Frauen schauen optimistisch, vielleicht mit dem Blick in eine bessere Zukunft, lachen, funkeln mit ihren Augen, die ihr Gegenüber direkt anschauen. Einige tragen Mütze, einige ein Kopftuch, viele haben als Accessoire einen Schal. Schmuck sind sie sich selbst genug. Sie kommen aus Syrien, aus Afghanistan, aus Guinea, aus der Mongolei, leben in Kleve, treffen sich regelmäßig im von Maria Schneider-Bleß ehrenamtlich organisierten Frauencafé von Haus Mifgash bei Papillon. Jetzt sind sie der Mittelpunkt einer Ausstellung.

Foto: Judith de Ryck

1500 Aufnahmen hat die in Arnheim lebende und aus Kleve stammende Fotografin Judith de Ryck während der Sitzungen im Frauencafé für die Ausstellung "Blicken standhalten" gemacht. Zusammen mit Christoph Frauenlob hat sie 15 davon ausgesucht. Gedruckt sind die Bilder auf einem flüchtigen Material, einem faserigen, papierähnlichen, teils flattrigen Kunststoff, der einfach an Klips befestigt locker vor der Wand hängt. Das zeige, so Frauenlob, die Flüchtigkeit, der die Frauen immer noch ausgesetzt seien, auch wenn das Gros von ihnen eine Aufenthaltsgenehmigung habe. Das neue Leben vor allem auch das der jüngeren der zwischen 20 und 49 Jahre alten Frauen ist eben noch nicht fix, sagt Schneider-Bleß. Viele sind noch auf der Suche: nach einer Ausbildungsstätte, einem Beruf.

Foto: Judith de Ryck

De Ryck hat die Frauen leicht schräg ins Bildformat gesetzt und geradezu klassisch als Porträt fotografiert. Alle schauen sie direkt in die Kamera: "Wenn man bereit ist, einander tief in die Augen zu schauen, gibt es kaum noch Unterschiede in Bezug auf Sprache und Nationalität", erklärt die Fotografin. Die Porträts faszinieren einerseits, weil sie sich auf den Menschen konzentrieren, im Foto losgelöst von seiner Geschichte. Doch darf diese Geschichte von Krieg und Verfolgung nicht fehlen - sie ist die andere Seite.

Maria Schneider-Bleß hat diese Geschichte in Videos "aufgeschrieben": "Die Interviews, die ich mit einer Studentin der Hochschule Rhein Waal mit einigen Frauen des Cafés geführt habe, sind ebenfalls ein Teil der Ausstellung. Eine junge Frau aus Afghanistan erzählt von ihrem Flüchtlingsaufenthalt mit ihrer Familie im Iran, von ihren Problemen als junge Frau auf der Flucht, von denen wir uns hier in Westeuropa und Deutschland keine Vorstellung machen", sagt Schneider-Bleß.

Sie erzählen von der Flucht und von den Gefahren, von der Verwundbarkeit und von den Entbehrungen, die so gar nicht zum Bild der in die Kamera strahlenden Porträtierten zu passen scheinen. Es lohnt, sie zu hören, wie es lohnt, die Porträts zu sehen.

Zu sehen sind die Fotos von de Ryck bis 24. Februar bei Scheerer Hörakustik auf der Hagschen Straße 35 bis 37. Doch Kleves stellvertretender Bürgermeister Joachim Schmidt habe signalisiert, sie vielleicht auch im Klever Rathaus zu zeigen. Es würde lohnen. Erzählt die Ausstellung doch vom Aushalten und Standhalten, von der Stärke der Frauen, die Unglaubliches hinter sich haben, so Schneider-Bleß.

(mgr)