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Kleve: Bilder einer unbekannten Welt

Kleve : Bilder einer unbekannten Welt

Das Museum Kurhaus konnte ein Exemplar der berühmten Naturgeschichte Brasiliens von Willem Piso und Georg Marcgraf erwerben. Das Buch von 1658 stellt ein bilderreiches Zeugnis der Arbeit von Johann Moritz von Nassau-Siegen während seiner Zeit in Südamerika dar.

Ein Auktionshaus in Hamburg, sechs Wochen zurück: Das rund 600 Seiten starke Buch mit dem Titel "De Indiae utriusque re naturali et medica libri quateordecim" aus einer Privatsammlung steht zum Verkauf. Ein Telefonbieter setzt sich gegen die Konkurrenten durch, erhält den Zuschlag. Im 330 Kilometer entfernten Kleve erhält das Museum Kurhaus die Information: Wir haben es.

 Dr. Roland Mönig vom Museum Kurhaus, Klaus Hommel vom Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus, Museumsdirektor Prof. Harald Kunde sowie Alwine Strohmenger-Pickmann vom Klevischen Verein mit dem Werk.
Dr. Roland Mönig vom Museum Kurhaus, Klaus Hommel vom Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus, Museumsdirektor Prof. Harald Kunde sowie Alwine Strohmenger-Pickmann vom Klevischen Verein mit dem Werk. Foto: Evers, Gottfried

"Das Buch haben wir schon lange gesucht, das war ein absoluter Glücksfall für uns", sagt Dr. Roland Mönig vom Museum Kurhaus. Wie man sich gegen die Mitbieter durchgesetzt hat? "Das war pures Glück", sagt er. Um das Buch zu finanzieren, haben sich der Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve sowie der Klevische Verein für Kultur und Geschichte zusammengetan. "Besonders dankbar sind wir einem Großspender, der namentlich nicht genannt werden möchte", sagt Mönig. Wie viel man genau für den literarischen Schatz bezahlt hat, bleibt natürlich geheim.

Bei dem Buch handelt es sich um die überarbeitete zweite Auflage der "Historia Naturalis Brasiliae", der sogenannten Naturgeschichte Brasiliens. Es wurde 1658 in Amsterdam verlegt, die erste Auflage erschien zehn Jahre zuvor in Leiden. Das Werk ist reichlich illustriert: Mehr als 500 Holzschnitte zeigen Flora und Fauna Südamerikas — die dazugehörigen Beschreibungen und Erläuterungen sind auf Latein verfasst.

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Es ist ein Zeugnis des Klever Stadthalters Johann Moritz von Nassau-Siegen, aus der Zeit bevor er an den Niederrhein gekommen ist. Damals war er Gouverneur der Niederländischen Westindien-Kompanie in Brasilien. Auf seinen Reisen dabei waren unter anderem sein Leibarzt Willem Piso und dessen Assistent Georg Marcgraf, die Autoren des Werks. Mit ihrer Aufzeichnung schufen sie bereits 150 Jahre vor den bedeutenden Arbeiten Alexander von Humboldts die erste gültige Beschreibung Südamerikas. Für die Menschen in Europa eine Sensation, die Bilder aus einer unbekannten Welt. Ob Stabheuschrecke oder Nashorn — vieles war für die daheim Gebliebenenen schlichtweg unbekannt. "Das war ein absolutes 'Must Have' für uns", sagt Museumsdirektor Prof. Harald Kunde.

Gegliedert ist das Buch in vier Teile. Im ersten finden sich vor allem die Beiträge der "Historia Naturalis Brasiliae". Teil zwei handelt von der 1640 in Brasilien beobachteten Sonnenfinsternis sowie von der Topographie und Meteorologie des Landes. Der dritte Teil besteht aus einem Erfahrungsbericht des Mediziners Jacob de Bondt in Ostindien und eine Beschreibung der dortigen Welt, kommentiert von Piso. Der vierte Teil stammt wieder von Piso selbst: eine Studie über aromatische Kräuter und ihre Verwendung in der Medizin. Ein besonderer Schatz: Das rudimentäre Wörterbuch einheimischer Sprachen — auf Latein übersetzt.

(RP/rl)