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Kleve: Bevormundet neues Gesetz Kunden?

Kleve : Bevormundet neues Gesetz Kunden?

Über die zum Jahresanfang in Kraft getretenen gesetzlichen Anforderungen an die Anlageberatung, über die jetzt ein Beratungsprotokoll angefertigt werden muss, unterhielt sich gestern RP-Redakteur Ludger Distelkamp mit dem Leiter des S-Vermögensmanagements der Sparkasse Kleve, Thomas Spanjard.

Warum ist der Gesetzgeber aktiv geworden?

Thomas Spanjard Ich denke, der Hauptgrund liegt in den Verlusten begründet, die Kunden aus den von einigen Banken verkauften Lehman-Zertifikaten entstanden sind. Das Verbraucherministerium hat darauf reagiert und möchte sicherstellen, dass einerseits besser auf bestehende Risiken hingewiesen wird und andererseits leichter Ersatzansprüche bei Fehlberatungen geltend machen können.

Welche neuen Anforderungen hat der Gesetzgeber an die Anlageberatung gestellt?

Spanjard Seit Jahresbeginn muss zu jeder Anlageberatung ein umfangreiches Beratungsprotokoll erstellt und dem Kunden ausgehändigt werden. Das gilt unabhängig von der Art des Wertpapiers, der damit verbundenen Risiken und auch unabhängig davon, ob es zu einem Kauf, einem Verkauf oder zur Empfehlung kommt, ein bestimmtes Papier zu halten.

Wie wirkt sich das auf die Beratungspraxis aus?

Spanjard An der eigentlichen Beratung ändert sich für uns eigentlich nichts. Denn der Anspruch, im Beratungsgespräch die wesentlichen Dinge darzustellen, hatten wir auch schon vor der Einführung dieses Gesetzes. Aber die erforderliche schriftliche Dokumentation verlängert das Beratungsgespräch schon.

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Und diese Anforderungen gelten auch bei telefonischen Beratungen?

Spanjard Ja, hier gibt es sogar die Besonderheit, dass dem Kunden das Beratungsprotokoll zugesandt werden muss und dieser innerhalb einer Woche von dem Geschäft zurücktreten kann, wenn das Protokoll nicht richtig oder unvollständig ist.

Wie reagieren Sparkassen-Kunden auf diese neuen Anforderungen?

Spanjard Eine gute Woche Erfahrung erhebt natürlich noch nicht den Anspruch einer empirischen Erhebung. Tendenziell zeigt sich aber, dass der jetzt erforderliche Formalismus von langjährigen Kunden zwar akzeptiert, aber aus den genannten Gründen überwiegend nicht als Mehrwert empfunden wird. Aber vielleicht hilft es bei Beratungsgesprächen, wo es eben noch keine langjährige Vertrauensbeziehung gibt, die Dinge unmissverständlich festzuhalten. Dass der Gesetzgeber manchmal über das Ziel hinausschießt und sich manch ein Kunde gar bevormundet fühlt, weil das Protokoll auch bei Beratungen erstellt werden muss, wenn er es gar nicht will, das sind Dinge, die noch verändert werden könnten.

(RP)