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Niederrhein: Begegnung mit zwei heiligen Päpsten

Niederrhein : Begegnung mit zwei heiligen Päpsten

Am Sonntag werden Johannes Paul II. und Johannes XXIII. heiliggesprochen. Viele Niederrheiner erinnern sich noch an den Besuch des polnischen Pontifex 1987 in Kevelaer. RP-Mitarbeiter Werner Stalder hat beide Päpste in Rom getroffen.

70 000 Menschen waren in den Süden des Kreises Kleve geströmt, um ihn einmal persönlich zu sehen: den Reise-Papst, wie er von manchen genannt wurde. Johannes Paul II. kam 1987 in den Wallfahrtsort Kevelaer, euphorisierte den Niederrhein. Am Tag seiner Visite füllte sich bereits um sieben Uhr morgens der Kapellenplatz mit den ersten Pilgern. 70 000 Besucher - das war damals etwa das Dreifache der Einwohnerzahl Kevelaers, eine gewaltige Zahl.

Und doch verschwindend klein, wenn man hört, wie viele Pilger am Sonntag auf dem Petersplatz in Rom erwartet werden. "Fünf Millionen, nach offizieller Schätzung", sagt Werner Stalder aus Kranenburg-Nütterden. Es wird die größte Heiligsprechung aller Zeiten, wenn neben Johannes Paul II. auch Johannes XX III. heilig gesprochen wird. Stalder hat den polnischen Papst insgesamt zwölf Mal getroffen, war auch bei der Seligsprechung durch Benedikt XVI. dabei.

"Damals waren schon mehr als zwei Millionen Menschen in Rom. Aber dieses Mal ist halb Polen da", sagt er und lacht. Die Menschenmassen wolle er lieber meiden. Da schaut sich Stalder das Spektakel lieber im TV an. Und er wird sicher nicht allein sein - viele Angehörige der traditionell großen polnischen Gemeinde in Kleve sind immer noch stolz auf "ihren" Papst und werden am Sonntag mitfiebern. Auch als Johannes Paul II. nach Kevelaer kam, war Stalder mit Messdienern dabei - sein eindringlichstes Treffen mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche war es aber nicht.

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"Am meisten bewegt hat mich unser letztes Treffen wenige Monate vor seinem Tod", erinnert sich Stalder. Der Papst, den er schon Ende der 1970er als jungen und sportlichen Mann kennengelernt hat - so soll er mehrere Male heimlich den Vatikan verlassen haben, um Ski zu fahren - war bei der letzten Audienz Stalders schwer von Alter und Krankheit gezeichnet. "Er hat mit niemandem gesprochen, bis ich um einen Segen für meine Familie gebeten habe", erzählt Stalder. Dann erhob der Pole doch noch einmal eine Stimme: "Ich segne." Der Kranenburger strahlt heute noch über das ganze Gesicht, wenn er die Situation nachspielt. "Das waren die letzten Worte, die ich von ihm gehört habe", sagt er.

Im Jahr 2000 sprach Johannes Paul II. persönlich Johannes XXIII. selig. Am Sonntag wird er mit ihm gemeinsam heiliggesprochen. Am "Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit", den der Pole ebenfalls erklärt hatte. "Dass die beiden Päpste gemeinsam heiliggesprochen werden, ist kein Zufall", sagt Stalder, der auch Johannes XXIII. in Rom kennengelernt hat. Als Teil einer 700-Kopf-starken Pilgergrupper im Jahr 1962. Er beschreibt den Italiener als herzlichen und humorvollen Menschen. "Er wich gerne vom Protokoll ab, erzählte lustige Anekdoten", berichtet Stalder. Diese allerdings nur auf Italienisch. "Wir konnten also erst lachen, als jemand uns übersetzte. Da war die Pointe natürlich schon längst wieder vorbei", erinnert er sich.

Ein Problem, dass Stalder am Wochenende wohl nicht haben wird. Schließlich wird die Berichterstattung der Zeremonie vermutlich von Simultan-Übersetzern begleitet.

(RP)