Bedburg-Hau: Weniger Anmeldungen für Offenen Ganztag

Bedburg-Hau: Eltern melden Kinder aus Ganztag ab

Die Erhöhungen bei den Elternbeiträgen wirken sich bereits aus: Es gibt weniger Anmeldungen für die Betreuung von Grundschulkindern in Bedburg-Hau. Der Plan, das Defizit im Haushalt auszugleichen, geht nicht auf.

Höhere Elternbeiträge führen zu höheren Einnahmen für die Gemeinde. Diese einfache Rechnung stellte der Rat auf, bevor er mehrheitlich dafür stimmte, den Eltern im Schnitt deutlich höhere Kosten für die Betreuung der Grundschulkinder zuzumuten. Doch in der Ratssitzung am Donnerstagsabend stellte sich heraus: Die Rechnung geht so nicht auf. Denn die Gleichung erhielt eine Unbekannte, die zumindest CDU und Grüne offenbar nicht beachtet hatten: der Elternwille. Wie sich herausstellte, gibt es, mutmaßlich aufgrund der gestiegenen Beiträge, weit weniger Anmeldungen als sonst. Somit lässt sich das Defizit im Haushalt bei den Kosten für die Schulbetreuung in Höhe von 100.000 Euro wohl nicht wie geplant ausgleichen.

Schulamtsleiter Georg Seves stellte im Rat aktuelle Zahlen vor. Demnach sind an den Bedburg-Hauer Grundschulen fürs nächste Schuljahr insgesamt 159 Kinder für den Offenen Ganztag angemeldet. Zum Vergleich: Im Schuljahr 2016/17 waren es noch 212 Kinder, im Schuljahr 2017/18 200 Kinder. Auch bei der Betreuungsform Schule von 8 bis 1 sind die Anmeldezahlen deutlich zurückgegangen. Fürs kommende Schuljahr sind insgesamt 164 Kinder angemeldet worden, in den Jahren davor waren es 200 beziehungsweise 194.

Die Politik war davon ausgegangen, dass fürs nächste Schuljahr wieder 200 Kinder für den Offenen Ganztag angemeldet werden würden. Das hätte Einnahmen von 173.000 Euro in die Kassen der Gemeinde gespült. Tatsächlich liegen die Einnahmen jedoch wohl nur bei rund 120.000 Euro, da nach Ende des offiziellen Anmeldeschlusses statt 200 Kinder nur 159 Kinder für den Offenen Ganztag eingeschrieben sind.

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Wie die Politik mit diesen Zahlen umgeht, ist noch nicht klar. Fest steht hingegen, dass zahlreiche Eltern mit dem mehrheitlich von CDU, Grünen und Bürgermeister Peter Driessen getragenen Beitragsanpassungen nicht glücklich sind. Das kommt auch in einer Unterschriftenliste zum Ausdruck, die Elternvertreterin Charlotte Reijngoudt zu Beginn der Ratssitzung an Driessen übergab. 500 Unterstützer, davon 403 aus Bedburg-Hau, hatten sich an der Petition gegen die Beitragserhöhungen beteiligt. „Das ist eine wahnsinnige Leistung“, sagte Reijngoudt während der Sitzung. Das Ziel ihrer Elterninitiative sei nach wie vor die Revision des Ratsbeschlusses zu den Beitragserhöhungen. „Wir sollten das noch mal diskutieren“, sagte Reijngoudt.

Dieser Aufforderung kamen die Ratsmitglieder auch sofort nach. SPD-Chef Wilhelm van Beek sagte: „Die Sorge der FDP bewahrheitet sich. Das Defizit lässt sich nicht ausgleichen. Wir haben nichts erreicht und gleichzeitig den Eltern vor den Kopf gestoßen.“ Der FDP-Ratsherr Marcel Erps stellte fest: „Es geht in die falsche Richtung“. Er wollte wissen: „Lässt sich jetzt noch etwas ändern?“ Das CDU-Ratsmitglied Hans-Gerd Perau hält hingegen wenig von einer Revision des Beschlusses. „Wir können jetzt noch gar nicht sagen, ob unser Beschluss gescheitert ist. Wir sollten jetzt ein Jahr abwarten und dann die Lage bewerten“, sagte er.

Im Verlauf der weiteren Diskussion zeichnete sich ab, dass die Beitragsanpassung zumindest fürs kommende Schuljahr wohl unangetastet bleibt. Zum Ende des Schulhalbjahres wollen sich die Fraktionen dann darüber verständigen, ob die Staffelung der den Beiträgen zugrunde liegenden Einkommen noch einmal angepasst wird, etwa durch die Einführung neuer Stufen.